Städte und Ensembles Menschen für Denkmale April 2013

Einsatz für den Paulusplatz in Darmstadt

Das Herz des Tintenviertels

"Denkmal braucht Hilfe!" steht in großen Lettern auf einem Banner. An der südwestlichen Stützmauer des Darmstädter Paulusplatzes gemahnt es an die notwendige Sanierung des Areals. Zudem zeigt eine Fotomontage, welche Pracht die repräsentative Treppe zum Vorplatz der ehemaligen Landeshypothekenbank einst besaß und wie sie wieder aussehen könnte.

Dem Verein "Initiative Paulusplatz", den das Darmstädter Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützt, gelang mit verschiedenen Aktionen, dass die Sanierung des Platzes beginnen konnte. 
© Dr. Joachim Schmidt
Dem Verein "Initiative Paulusplatz", den das Darmstädter Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützt, gelang mit verschiedenen Aktionen, dass die Sanierung des Platzes beginnen konnte.

Der Verein "Initiative Paulusplatz" machte 2010 mit dieser Aktion deutlich, dass die Sanierung nun endlich starten müsse. Nicht ohne Stolz konnte er damals verkünden, dass er dafür bislang mehr als 100.000 Euro Spenden gesammelt hatte – und damit ein Fünftel der veranschlagten Kosten.


Der Paulusplatz war 1904 vom Architekten und Städteplaner Friedrich Pützer entworfen und bis 1907 zusammen mit seinen beiden Kollegen Paul Meißner und Friedrich Buxbaum im Darmstädter Stadtteil Bessungen angelegt worden. Gleichzeitig entstand um den Platz das Paulusviertel, das wegen seiner repräsentativen Villen im Heimatstil von Gelehrten, Wissenschaftlern und Beamten bevorzugt wurde. Bis heute wird es daher Tintenviertel genannt. Der Platz ist als Grünfläche mit Wegen, einem großen Bassin, Brunnen, Terrassierungen und Skulpturen gestaltet und wird durch die ebenfalls von Pützer geplante Pauluskirche und die ehemalige Landeshypothekenbank von Paul Meißner begrenzt.

In der Nacht vom 11. auf den 12. September 1944 wurde die Darmstädter Innenstadt beinahe vollständig zerstört. Damals fielen auch Bomben auf das südlich gelegene Bessungen, die den Platz und umliegende Bauten stark beschädigten. Die Landeshypothekenbank brannte aus, wurde aber nach Ende des Krieges wieder aufgebaut. Erhalten blieben zwei Figuren, die auf die ursprüngliche Nutzung des Hauses hinweisen: Hermes als Schutzgott der Kaufleute und ein Kämmerer, geschaffen vom Bildhauer Augusto Varnesi, der ab 1897 an der Großherzoglichen Technischen Hochschule Darmstadt lehrte.

In der ehemaligen Landeshypothekenbank befinden sich heute Büros der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. 
© Dr. Joachim Schmidt
In der ehemaligen Landeshypothekenbank befinden sich heute Büros der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Seit 1959 ist die ehemalige Bank Sitz der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Über eine dem Gebäude vorgelagerte Bastion und die großzügig gestaltete Treppe gelangt man von dort auf den Paulusplatz. Mitarbeiter der Kirchenverwaltung, Bewohner des Paulusviertels, die Pauluskirchengemeinde und das Darmstädter Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz waren über den zunehmenden Verfall des Platzes besorgt und gründeten daraufhin Ende 2007 den Verein "Initiative Paulusplatz" unter Vorsitz des ehemaligen Darmstädter Baudezernenten Dr. Wolfgang Rösch. In kurzer Zeit wuchs die Mitgliederzahl auf über 100 Personen an. Mit verschiedenen Aktionen gelang es dem Verein, die hohe Spendensumme einzuwerben. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau übernahm beispielsweise die Druckkosten für einen Kalender, der in einer Auflage von 500 Stück gegen eine Spende abgegeben wurde.

Im April 2011 fiel der Startschuss für die Sanierung, an der sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 50.000 Euro beteiligte. Zum Abschluss des ersten Bauabschnitts, bei dem die Stützmauern stabilisiert und Treppe, Brunnen sowie Skulpturen restauriert wurden, feierte man am 1. September 2012 ein Paulusplatzfest. Weil die Schäden größer waren als angenommen und sich die Kosten dadurch erhöhten, musste die Sanierung des Bassins zurückgestellt werden. Aber der engagierte Verein wird sich dafür sicher wieder eine spendenträchtige Aktion einfallen lassen.

Carola Nathan

Literatur:
Joachim Schmidt: Paulusplatz-Geschichten. 100 Jahre im Tintenviertel. Justus von Liebig Verlag, Darmstadt 2014. ISBN 978-3-87390-338-8, 152 S., 19,80 Euro.

Weitere Infos im WWW:

www.initiative-paulusplatz.de

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

  • Das Kulissenheiliggrab von Rottach-Egern 08.11.2012 Kulissenheiliggrab Mit Magie bekehrt

    Mit Magie bekehrt

    Barocke Kulissenheiliggräber wollten die Gläubigen auf der emotionalen Ebene ansprechen, indem sie das Publikum an Tod und Leiden Christi mitfühlen und Jesu triumphale Auferstehung miterleben ließen. Die eindringlichen Bilder hatten offensichtlich mehr Überzeugungskraft als Worte.

  • Die Weinbergschnecke 08.11.2012 Die Schnecke ein Ostertier Auch ein Ostertier

    Auch ein Ostertier

    Widmet man sich einmal den Details in den Winkeln von Kirchen und am Rande der Gemälde, stößt man gar nicht so selten auf die Abbildung einer Schnecke. Das Tier taucht oft dort auf, wo Leiden und Sterben Jesu in Szene gesetzt wurde.

  • Die Wiedergeburt historischer Küchengärten 08.11.2012 Küchengärten Erdbeeren im März

    Erdbeeren im März

    Jede adelige und klösterliche Hofhaltung besaß einen eigenen Küchengarten. Die meisten dieser historischen Nutzgärten sind heute nicht mehr erhalten. Einige von ihnen werden aber seit einigen Jahren wiederbelebt.

Service

Monumente Probeheft

Probeheft jetzt anfordern!


Zeitschrift abonnieren
Magazin für Denkmalkultur in Deutschland



Möchten Sie ausführlicher über aktuelle Themen aus der deutschen Denkmallandschaft lesen? 


Dann abonnieren Sie Monumente!  


 
 
Monumente Probeheft

Probeheft jetzt anfordern!


1
Zeitschrift abonnieren
Magazin für Denkmalkultur in Deutschland
2
Monumente Abo



Möchten Sie ausführlicher über aktuelle Themen aus der deutschen Denkmallandschaft lesen? 


Dann abonnieren Sie Monumente!  


3

Newsletter

Lassen Sie sich per E-Mail informieren,

wenn eine neue Ausgabe von Monumente

Online erscheint.

Spenden für Denkmale

Auch kleinste Beträge zählen!

 
 
 
0 Kommentare

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar!

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

 
 

© 2015 Deutsche Stiftung Denkmalschutz • Monumente Online • Schlegelstraße 1 • 53113 Bonn