Menschen für Monumente

Fachwerkkapelle zu Niedereisenhausen

Die Kirche im Dorf lassen

Die Kapelle des alten Dorfes Niedereisenhausen im Tal der Perf steht seit Jahren leer. Nur in Teilen restauriert, ist besonders ihr Innenraum in beklagenswertem Zustand. Damit teilt sie das Schicksal vieler traditionsreicher Sakralbauten auf dem Lande. Ihre Erhaltung und künftige Nutzung war Thema der Tagung "Kirchen im Dorf lassen. Erhaltung und Nutzung von Kirchen im ländlichen Raum", die vom 7.-9. April 2011 in Marburg/Lahn stattfand. Organisiert hatte sie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger und das Marburger EKD-Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart. Während der ganztägigen Exkursionen im Rahmen der Tagung gab es die Gelegenheit, unterschiedliche Beispiele des bürgerlichen und kommunalen Engagements für die Bewahrung der Gotteshäuser kennenzulernen. Eines der beispielhaften Projekte einer Nutzungserweiterung ist die genannte Fachwerkkapelle zu Niedereisenhausen in der hessischen Gemeinde Steffenberg.

Der Innenraum der Kapelle zu Niedereisenhausen befindet sich heute noch in einem beklagenswertem Zustand. Schon in den 1950er waren die durchfeuchteten Fachwerkwände und die an drei Seiten umlaufende spätgotische Holzempore dringend sanierungsbedürftig. Die Marburger Tagungsteilnehmer besuchten das Gotteshaus im Rahmen einer Exkursion unter ihnen Mitglieder des Vereins Dorf(er)leben, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz. 
© Nataliya Karbouskaya
Der Innenraum der Kapelle zu Niedereisenhausen befindet sich heute noch in einem beklagenswertem Zustand. Schon in den 1950er waren die durchfeuchteten Fachwerkwände und die an drei Seiten umlaufende spätgotische Holzempore dringend sanierungsbedürftig. Die Marburger Tagungsteilnehmer besuchten das Gotteshaus im Rahmen einer Exkursion unter ihnen Mitglieder des Vereins Dorf(er)leben, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz.

Der Fachwerkbau wurde 1659-62 über dem Sockelmauerwerk einer Vorgängerkirche errichtet und erhielt einen massiv gemauerten Altar mit Sandsteinmensa. Im 18. Jahrhundert baute man die Seitentreppe zur Empore und setzte nach einem Blitzschlag einen neuen Dachreiter auf.

Mitte des 20. Jahrhunderts benötigte die stark anwachsende Gemeinde ein größeres Gotteshaus. Da es keine Erweiterungsmöglichkeiten gab, musste sie 1955 ihre Kapelle aufgeben und sich der Hauptkirche in Obereisenhausen anschließen. Seitdem stand der Fachwerkbau, dem langsamen Verfall preisgegeben, leer. Schon damals waren die durchfeuchteten Fachwerkwände und die an drei Seiten umlaufende spätgotische Holzempore dringend sanierungsbedürftig.

Bei der eng von Häusern umschlossenen Kapelle wurde 1979 das Fachwerk freigelegt. 
© Nataliya Karbouskaya
Bei der eng von Häusern umschlossenen Kapelle wurde 1979 das Fachwerk freigelegt.

1980 verhinderten die Einwohner in Niedereisenhausen den Verkauf und die Umsetzung des Fachwerkbaus nach Michelnau/Nidda. Ein Jahr später ging die Kapelle in das Eigentum des Marburger Förderkreises Alte Kirchen e.V. über. Dank der durch den Förderkreis zügig durchgeführten Instandsetzung blieb das Gotteshaus als "Identitätssymbol der Gemeinde" an seinem angestammten Platz erhalten, wie Angus Fowler vom Förderverein betont.

Seit mehreren Jahren engagiert sich auch der Verein Dorf(er)leben Niedereisenhausen e.V. für den Bau und möchte ihn gerne vom Förderkreis Alte Kirchen e.V. übernehmen. Der Verein hätte die Möglichkeit, aus Mitteln des Dorferneuerungsprogramms des Landes Hessen eine Unterstützung für die notwendige Restaurierung der Kapelle zu erhalten. In den vergangenen drei Jahren hatten hier nun am Tag des hl. Jakobus, dem 25. Juli, Gottesdienste stattgefunden. Das Konzept des Vereins sieht vor, das Gotteshaus den zahlreichen Pilgern auf dem Jakobusweg zwischen Köln und Magdeburg als "Ort der Einkehr und Ruhe" zu öffnen. Ferner möchte man die Kapelle für Trauungen, Taufen, Kindergottesdienste, Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Filmvorführungen nutzen.

Die Mitglieder des Vereins und der wieder geschrumpften Gemeinde hoffen, dass auf Grundlage ihres Nutzungskonzepts die benötigten Fördermittel zur Verfügung gestellt werden. Damit stünde der Wiederbelebung des alterwürdigen Gottesdienstraums nichts mehr im Wege.

Nataliya Karbouskaya

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