Wohnhäuser und Siedlungen Öffentliche Bauten 1600 Juni 2009

Das Heinz’sche Haus in Bernkastel-Kues

Artenschutz für Katzenköpfe

Furchterregend blicken die Katzen drein, gebändigt nur durch einen Ring im Maul - die hölzernen Stützbalken tragen sie offenbar mit wenig Fassung. Solch aufwendige Schnitzereien sind am sogenannten Heinz'schen Haus in Bernkastel-Kues zu finden. Laut Inschrift steht es schon seit 1583 am Marktplatz und gehört damit zu den ältesten Fachwerkbauten in dem Moselstädtchen, das reich gesegnet ist mit prächtig verzierten Häusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert.

Das Heinz'sche Haus 
© ML Preiss
Das Heinz'sche Haus

Der Bürger Johann Neef ließ es für sich und seine Frau Margarete errichten: mit kunstvoll geschnitzten Rahmen und phantasievollen Konsolfiguren. Die Gefachfelder der beiden vorkragenden Obergeschosse sind mit Sternenmustern versehen.


Allerdings zeigt das schmucke Haus zum Marktplatz hin nur seine schmale Traufseite. Die breite Giebelfront ist der engen Römergasse zugewandt, in die nur wenig Licht fällt. Dies ist der typischen Bauweise geschuldet, jedes Geschoss über das darunterliegende vorkragen zu lassen. Man muss also genau hinschauen, um alle Details zu entdecken.

Die schöne Fachwerkzier entsprach nicht immer dem Zeitgeschmack. Fotos um 1900 zeigen die Häuser am Markt einheitlich verputzt. Beim Heinz'schen Haus hat man die Originalfassade 1930/31 wieder freigelegt und zu Beginn der 1950er Jahre nochmals restauriert.

In der über 400-jährigen Geschichte des Gebäudes haben mit den Eigentümern auch immer wieder die Namen gewechselt. Die heute noch geläufige Bezeichnung geht auf den Kaufmann Heinz zurück, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts hier wohnte und im Erdgeschoss seinen Laden betrieb. Ursprünglich besaß das Haus ein Hallenerdgeschoss, das später in zwei niedrige Geschosse aufgeteilt wurde. Ob es einmal breiter war und der westlich angrenzende Teil überformt wurde, darüber schweigen die Quellen.

1967 kam das Heinz'sche Haus in den Besitz des St. Nikolaus-Hospitals, das hier die Cusanus-Weinstuben einrichtete. 2004 kaufte das Winzerehepaar Maßem das Denkmal, um nach längerem Leerstand auch die Weinstube wieder zu eröffnen. Dazu muss allerdings das gesamte Gebäude auf Vordermann gebracht werden.

Während der Sanierung muss die Fachwerkkonstruktion gestützt werden. 
© Ute Willinger
Während der Sanierung muss die Fachwerkkonstruktion gestützt werden.

Die Dacheindeckung ist undicht, in der Fachwerk-, Dach- und Deckenkonstruktion hat man starke Feuchtigkeitsschäden festgestellt. An manchen Stellen bröselt das vom Pilz befallene Holz schon bei der kleinsten Berührung. Die Suche nach einem geeigneten Architekten, der die nötige Erfahrung im Umgang mit der historischen Bausubstanz hat, erwies sich als nicht einfach - von der Finanzierung ganz zu schweigen.

2005 wurden zunächst allererste statische Sicherungsmaßnahmen durchgeführt sowie nutzungsbedingte Veränderungen eingebracht. 2008 konnte dann in enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden der erste eigentliche Sanierungsabschnitt am Dach begonnen werden, an dem sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 20.000 Euro beteiligt. Inzwischen ist die rückwärtige Fassade des Gebäudes wieder hergestellt. Die Schäden am statischen Gefüge der unteren Geschosse sind dagegen weit umfangreicher als es bei der Aufnahme der Arbeiten angenommen worden war. Erst wenn sie behoben sind, kann in einem letzten Schritt die Instandsetzung der Fachwerkfassaden in Angriff genommen werden - damit das schmale Haus wieder zu einer Perle in dem vielbesuchten Kur- und Weinort wird.

Bettina Vaupel

Kopfgrafik - Bild links: Die geschnitzten Figuren haben eine Generalüberholung nötig.

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