Monumente Online

Ausgabe: Februar 2013

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Technik und Wissenschaft

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Ruhestand im Hafenmund

In Duisburg dient ein ehemaliger Radschleppdampfer als Museumsschiff

Majestätisch zogen sie über den Strom, im Schlepp ein halbes Dutzend vollbeladene Frachtkähne: Bis in die 1950er Jahre prägten imposante Radschleppdampfer das Bild der Schifffahrt auf dem Rhein. Dunkle Dampfwolken kündigten sie schon von Weitem an, die großen Schaufelräder wirbelten Wasser auf, das in hohen Wellen ans Ufer schlug.

Das goldene Zeitalter der Radschleppdampfer hatte mit der Industrialisierung begonnen, als der Bedarf an Eisen und Stahl rasant anstieg. In Duisburg-Ruhrort, dem größten Binnenhafen Europas, wurden täglich Hunderte antriebsloser Frachtkähne beladen und von den Dampfschleppern rheinauf oder rheinab gezogen.

Als der Schleppkahn "Oscar Huber" 1922 auf der Duisburger Werft Ewald Berninghaus gebaut wurde, hieß er "H. P. Disch VIII - Wilhelm von Oswald". Seinen heutigen Namen verdankt er der Schifffahrtsgesellschaft Raab Karcher, die ihn 1927 übernahm.

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Die "Oscar Huber" ist der einzig erhalten gebliebene Radschleppdampfer auf dem Rhein. Großbildansicht

Eine äußerst leistungsstarke Dampfmaschine mit 1.550 PS ermöglichte es ihm, bis zu sieben Frachtkähne zu ziehen. Jeder von ihnen war mit einer speziellen Stahltrosse am Schlepper befestigt. Da das 75 Meter lange und 9 Meter breite Räderboot nur 1,55 Meter Tiefgang hatte, durfte es den Rhein auch auf der "Gebirgsstrecke" zwischen Koblenz und Mainz befahren. Mit ihren beiden mächtigen Schaufelrädern pflügte die "Oscar Huber" durchs Wasser. Für die Strecke von Duisburg-Ruhrort nach Rotterdam und zurück brauchte sie etwa sechs Tage und 70 Tonnen Kohle. Dass allein vier bis sechs Heizer - neben dem Kapitän, dem Steuermann und dem Rudergänger, zwei Maschinisten, drei Matrosen und einem für das Kochen zuständigen Menagemann - zur Besatzung gehörten, ist daher nicht verwunderlich.

Trotz der späteren Umstellung von Kohlefeuerung auf Heizöl waren die Radschleppdampfer gegen Ende der 1950er Jahren nicht mehr rentabel und wurden von Schubschiffen mit Dieselmotoren abgelöst.
Während die anderen schweren Rheinschlepper verschrottet wurden, ging die "Oscar Huber" in den Besitz der Stadt Duisburg über. Seit 1974 dient sie an ihrem festen Liegeplatz im Ruhrorter Hafenmund als Museumsschiff. Besonders beeindruckend sind die Dreikolben-Dampfmaschine, sozusagen das "Herz" des eisernen Schwergewichts, und die beiden gigantischen Kessel. Einer von ihnen ist nachträglich wieder auf die ursprüngliche Kohlefeuerung umgestellt worden, erklärt Dr. Bernhard Weber, Leiter des nahegelegenen Museums der Deutschen Binnenschifffahrt.

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Die imposante Kurbelwelle im Maschinenraum Großbildansicht

Wie die Anweisungen des Kapitäns unter Deck gelangten, verrät zum Beispiel ein Sprachrohr, in das der Schiffsführer auf der Brücke sprechen konnte. Sein Ausgangstrichter befindet sich genau über dem Platz des Maschinisten. Die harte Arbeit der Besatzung und die Lebensverhältnisse an Bord verdeutlichen Fotos in einem Ausstellungsraum sowie eine mit zahlreichen Alltagsgegenständen liebevoll ausgestattete Wohnung.
Zur Nutzung und Unterhaltung des schwimmenden Museums muss der unter Wasser liegende Rumpf alle zehn Jahre überprüft werden. Auf der Meidericher Schiffswerft in Duisburg wurde die notwendige Instandsetzung der äußeren Verkleidung und der genieteten Bordwände vorgenommen, zu der die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) 25.000 Euro beisteuerte.

Nach einer Winterpause wird sie zwischen Mai und September wieder zu besichtigen sein: die "Oscar Huber", ein hochrangiges Beispiel für die technische Entwicklung der Binnenschifffahrt und ein anschauliches Zeugnis für die Arbeits- und Wohnbedingungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Friedegard Hürter

An der Instandsetzung beteiligten sich neben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz das Land, die Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke und die Stadt.  

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Kommentare anderer Leser

  • Name: Michael Boegner 30.10.2014

    Vielen Dank für die Vorstellung dieses technischen Denkmals, das ich als 1952 geborener Meidericher kenne und das immer wieder zu meinen bevorzugten Besichtigungszielen bei Besuchen in meiner Heimatstadt gehört.

    Kleine Anmerkung: Im dritten Text-Abschnitt sollte es statt "Schleppkahn" Schlepper heißen.


  • Name: Norbert Klimmek 01.02.2013

    Durch einen Bekannten wurde ich auf diese Seite aufmerksam gemacht, die ich auch gleich abonniert habe.

    Schön, dass Sie dieses letzte Exemplar einer Schiffsgattung vorstellen, die mehr als 100 Jahre ihren Dienst auf dem Strom taten und als imposante Zeugen der Dampfmaschinenzeit das Bild vom Rhein zu dieser Zeit prägten.

    Ich kann nur jedem technisch und historisch Interessierten einen Besuch der 'Oscar Huber' empfehlen, weil dieses einzigartige Monument ein Zeugnis der Leistungen unserer Vorväter darstellt, die mit ihrem Arbeits- und Gewerbefleiß die Grundlagen unseres heutigen Wissens und Wohlstands geschaffen haben.

    Zwei Anmerkungen zum Text:

    - jeder Kahn war mit einer eigenen - nicht speziellen - Stahltrosse (= Drahtseil, kurz 'Draht' genannt) mit dem Schleppdampfer verbunden

    - das zweite Bild zeigt nicht den Kesselraum, sondern die mächtige Kurbelwelle (1,8 m Hub, 30 cm Ø, ca. 40 Umdrehungen/Minute) der Dreizylinder-Verbundmaschine mit den um 120° versetzten Kurbeln.

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