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Ausgabe: Februar 2013

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Technik und Wissenschaft

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Bücher

Ausgabe Februar 2013

Industriekultur in Sachsen und Nordrhein-Westfalen

Der gern verwendete Begriff "Kathedralen der Moderne" wird in den beiden vorliegenden Büchern zur Industriearchitektur auf hervorragende Weise bestätigt: Mit den Fotografien von Florian Monheim beziehungsweise Bertram Kober entfalten die Bauten ihre ganz eigene Ästhetik.

Der Betrachter taucht in die Vielfalt der Baukunst des Industriezeitalters ein - von Zechen, Fabrik- und Bürobauten über Brücken, Wassertürme, Talsperren, Hafenanlagen, Arbeitersiedlungen bis hin zur Wuppertaler Schwebebahn und zum Leipziger Hauptbahnhof. Begleitende Texte zur Geschichte der Industrie und ihrer Architektur in den beiden Bundesländern sowie zur heutigen Nutzung ergänzen die beeindruckenden Bildbände.

Eckhard Bolenz und Markus Krause: Die andere Schönheit. Industriekultur in Nordrhein-Westfalen. Fotografiert von Florian Monheim. Greven Verlag, Köln 2010. ISBN 978-3-7743-0466-6, 224 S., 48 Euro.

Bernd Sikora: Industriearchitektur in Sachsen. Erhalten durch neue Nutzung. Fotografien von Bertram Kober. Edition Leipzig in der Seemann Henschel GmbH, Leipzig 2010. ISBN 978-3-361-00654-6, 144 S., 29,90 Euro.

Dorothee Reimann





Bauen und Technik

Aufbruchstimmung und technischer Erfindergeist einerseits, Schwärmerei und der Wunsch nach einer Gegenästhetik andererseits: Es war eine bewegte Zeit, in der die Bauten des Historismus entstanden. Alte Vorbilder wurden wieder aufgegriffen, erstmals suchte man nach einem systematischen Verständnis des Tragverhaltens und der Standsicherheit von Gebäuden. Zeitgleich entstanden neue Bautechniken und Konstruktionsmethoden, die das "rekonstruierte" Wissen ergänzten und verbesserten. Innovative Maschinen oder Bauverfahren, zum Beispiel eiserne Dachstuhlkonstruktionen, wurden begeistert gefeiert. Die Beiträge des Bandes gehen den Zusammenhängen zwischen den Praktiken des Bauens und den bautechnischen Theorien der Zeit nach. Mit vorzüglichen Abbildungen, Konstruktionszeichnungen, Karten und Grafiken bietet er eine anschauliche Sichtweise auf das Bauen als Geschichte der Konstruktion.

Bautechnik und Historismus. Von den Theorien über gotische Konstruktionen bis zu den Baustellen des 19. Jahrhunderts (dt./engl./frz.). Hrsg.: Uta Hassler und Christoph Rauhut. Hirmer Verlag, München 2012. ISBN 978-3-7774-3861-0, 336 S., 89 Euro.

Friedegard Hürter

Unter Strom

Ihren Anfang nahm die kontinuierliche Erzeugung elektrischen Stroms 1866 mit der Entdeckung des dynamoelektrischen Prinzips von dem in Berlin lebenden Erfinder und Unternehmer Werner von Siemens. Von da an revolutionierte der Strom die Wirtschaft und den Alltag Berlins. Innerhalb weniger Jahrzehnte erlangten die elektrotechnische Industrie und die Elektrizitätswirtschaft der Metropole eine führende Position in der Welt, und Berlin erhielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Beinamen "Elektropolis".

In seiner Studie erforscht Thorsten Dame die Unternehmensentwicklung und Baupolitik der Berliner Elektrizitätswerke. Am Beispiel der Allgemeinen Elektricitätsgesellschaft (AEG) und der Berliner Elektricitätswerke (BEW), zeigt er ihre Entstehung, ihre Bauwerke und deren Rezeption auf. Auch werden in dem vom Landesdenkmalamt Berlin herausgegebenen Buch die bestimmenden internen und externen Einflussfaktoren auf Unternehmensentscheidungen im Bereich der Bau- und Architekturpolitik dargestellt.

Thorsten Dame: Elektropolis Berlin: Die Energie der Großstadt. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2011. ISBN 978-3-7861-2642-3, 611 S., 89 Euro.

Friedegard Hürter

Ungeliebtes Erbe

Viele Gebäude der Nachkriegszeit sind nicht nur wegen ihrer Form in die Kritik geraten. Aufgrund mangelnder Baupflege geben sie heute zuweilen ein trauriges Bild ab und können mit aktuellen Energie- und Sicherheitsstandards nicht mehr mithalten. Doch wie geht man mit den oft ungeliebten Bauten der Nachkriegsmoderne um - abreißen oder erhalten und sanieren?
Die 2009 von wissenschaftlichen Mitarbeitern der TU Braunschweig gegründete Initiative "Netzwerk Braunschweiger Schule" will mit ihrer Publikation zum Dialog zwischen Fachleuten und Nutzern der Nachkriegsmoderne sowie mit der Öffentlichkeit beitragen.

17 Autoren erfassen und analysieren hierzu die derzeitigen Zustands- und Sanierungsbesonderheiten und stellen Positionen aus Theorie und Praxis der Architektur und Denkmalpflege gegenüber.

Nachkriegsmoderne kontrovers: Positionen der Gegenwart. Hrsg.: Olaf Gisbertz für das Netzwerk Braunschweiger Schule. Jovis Verlag, Berlin 2012. ISBN 978-3-86859-122-4, 208 S., 32 Euro.

Friedegard Hürter

Mühlen

Überall im Land werden in den letzten Jahren Mühlen restauriert, oft versucht man sie auch wieder in Gang zu setzen. Staunend stehen dann Jung und Alt vor der alten Technik, die durch Einfachheit und Perfektion begeistert. Mühlen sind die ältesten Maschinen der Menschheit. Angetrieben durch Wind und Wasser wurden hier einst Getreide und Ölsamen gemahlen, Holz gesägt, Papier oder Kreide hergestellt, Tücher gewalkt oder Färberwaid verarbeitet.

Im Buch "Kleine Mühlenkunde" stellen Philipp Oppermann vom Internationalen Mühlenmuseum Gifhorn und Torsten Rüdinger von der Historischen Mühle im Park von Sanssouci Geschichte und Funktionsweisen der Mühlen dar, gehen auf Fragen der Denkmalpflege sowie auf Umnutzungen der Gebäude ein und weisen auf Mühlenmuseen und touristische Routen hin.

Torsten Rüdinger und Philipp Oppermann: Kleine Mühlenkunde. Deutsche Technikgeschichte vom Reibstein zur Industriemühle. Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) e. V. Edition Terra, Berlin/Potsdam 2. Aufl. 2012. ISBN 978-3-9811626-7-7, 194 S., 16,80 Euro.

Dorothee Reimann

Experimentierfeld der Gartenkunst

Schon lange sind es nicht mehr die rußverschmierten Gesichter der Kumpel und Stahlkocher, die man mit dem Ruhrgebiet verbindet. Wo früher Männer bei harter Arbeit schwitzten, wird heute Theater gespielt, getanzt oder eingekauft. Viele Zechen, historische Fabrikgebäude und oftmals auch das umgebende Gelände stehen unter Denkmalschutz. Das Revier hat sich in den letzten 30 Jahren von einer Industrie- zu einer der größten Kulturregionen der Welt verändert. Tanja Hasselberg untersucht in ihrem Buch - ausgehend von einer historischen Betrachtung - die Industriekultur und natur des Ruhrgebiets und dokumentiert, dass Industriebrachen zum Experimentierfeld der Gartenkunst geworden sind. 182 Fotos belegen eindrucksvoll, wie Parks und Gärten durch ihre Vielfalt und durch ihre Kontraste zur Architektur bestechen können.

Tanja Hasselberg: Parks und Gärten auf Brachen. Umnutzung industrieller Flächen im Ruhrgebiet. Mit Fotografien von Jürgen Gregori. Landschaftsverband Rheinland, Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege, Band 77. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2011. ISBN 978-3-88462-316-9, 259 S., 48 Euro.

Daniela Heinemann

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