Mal züchtig, mal kokett: Als Postkartenmotiv hat "Rotkäppchen" seine eigene Geschichte, die auf dem Goethezeitportal dokumentiert wird. Zahlreiche Illustrationen bis ins 20. Jahrhundert hinein belegen die unterschiedlichen Interpretationen von beliebten Märchenstoffen wie "Hänsel und Gretel" oder "Der Wolf und die sieben Geißlein", die sich hier in der Fassung der Brüder Grimm sowie in der Version von Ludwig Bechstein studieren lassen. Eine 'köstliche' Ergänzung bieten die Bilder zum Märchen vom "Schlaraffenland". Auch weniger bekannte Volksmärchen und Sagen wie die vom "zweibeweibten" Grafen von Gleichen, vom grausamen König Watzmann oder von den Abenteuern des Freiherrn von Münchhausen werden veranschaulicht.
Das Goethezeitportal wurde 2002 am Institut für Deutsche Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität München gegründet und hat sich der "wissenschaftlichen Förderung und kulturellen Vermittlung von Literatur, Kunst und Kultur auf medialer Basis" verschrieben. Auf der Internetseite werden literarische Werke der Zeit und ihre Illustrationen vorgestellt, wobei den Legenden, Märchen- und Sagenmotiven ein umfangreiches Kapitel gewidmet ist. Darüber hinaus finden sich in der Datenbank allgemeine Informationen zu den Künstlern der sogenannten Goethezeit zwischen 1770 und 1830, die eigentlich ein Konstrukt disparater literatur- und stilgeschichtlicher Epochen ist.
Hohe und populäre Kunst stehen im Goethezeitportal gleichberechtigt nebeneinander, die Kombination von Texten und Bildern lässt bewusst eigene Gedanken zu. Über das Medium Internet sollen vor allem junge Menschen zur Beschäftigung mit einer Epoche der deutschen Kulturgeschichte angeregt werden, die auch unserer heutigen Gesellschaft Orientierung geben kann. Das Portal dient keineswegs nur dem wissenschaftlichen Austausch, sondern versteht sich als ein Netzwerk für alle, die sich für die Goethezeit interessieren.
Bettina Vaupel



