Monumente Online

Ausgabe: Dezember 2011

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Bürgerschaftliches Engagement

ML Preiss Streiflicht

Caesar schwimmt

Ein Verein rettete einen der letzten Lieger im Hamburger Hafen

"Was ein Lieger ist, fragen Sie? Die Schute oder der Ponton eines Ewerführers mit Büro und Werkstatt", erklärte uns die begeisterte Hausbootbewohnerin Christine Röthig vom Hamburger Hafen Lieger Verbund e. V. Natürlich, was sonst, möchte man ihr antworten. Doch wer nicht gerade in Deutschlands größtem Hafen lebt, dem dürfte diese Erklärung wenig nützen. Deshalb erläuterte es uns die kundige Retterin des Liegers noch einmal langsam: Ein Lieger liegt fest verankert - im Unterschied zu einem Schiff, Boot oder Floß. Er schwimmt dank seiner Pontonunterlage im Hafenwasser. Man könnte ihn also mit einem Hausboot vergleichen. Doch mit dreißig Metern Länge und sieben Metern Breite ist der Lieger Caesar größer als ein Hausboot. Außerdem wurde Caesar 1902 nicht in erster Linie zum Wohnen gebaut, sondern als Arbeitsfahrzeug, das nahezu unsinkbar ist. Das Polster des Pontons trägt eine immerhin 150 Quadratmeter große und 4,50 Meter hohe Werkshalle. Caesar wurde also als schwimmende Werkstatt konstruiert und zu den Bau- und Verladestellen auf den weit verzweigten Hamburger Wasserwegen gezogen, denn der Lieger besitzt keinen eigenen Antrieb. Um bewegt zu werden, ist er auf einen Schlepper angewiesen.

 (c)  ML Preiss
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Anfang des 20. Jahrhunderts beherrschten die vielen Lieger das Bild des Hamburger Hafens, doch seit den 1960er Jahren wurden sie durch Containerfrachter abgelöst. Damals waren die meisten Hafenlieger bereits im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs untergegangen. Caesar hatte Glück, weil seine Eigentümer mit ihm aus dem Hamburger Hafen geflüchtet waren. Doch nachdem seine Dienste als flexible Werkstatt nicht mehr gebraucht wurden, sollte auch er verschrottet werden.

Im Jahr 2007 wurde Caesar als Kulturdenkmal in die Denkmalliste der Freien und Hansestadt Hamburg eingetragen. Dieser gesetzliche Schutz erlaubte es den Vereinsmitgliedern, die bis dahin ungezählte Arbeitsstunden in die Instandsetzung des Rumpfes und der Gebäudefassade gesteckt hatten, Fördermittel zu beantragen. Im September 2009 sicherte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 10.000 Euro zu; wenig später konnte sie diese Hilfe dank einer Spende der Stani und Werner Muffey-Stiftung Hamburg um 6.500 Euro erhöhen.

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Beeindruckend ist das tatkräftige Engagement von mehreren Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Vereinsmitglieder übernahmen die Projektsteuerung, die Bauleitung und Anleitung der Ponton-Sanierung. Dank ihrer langfristigen Planung konnte der Lieger Caesar bereits Ende März 2010 ins Dock gezogen werden. Zum Tag des offenen Denkmals 2010 kam unter anderem ein großer Teil des Hamburger Senats an Bord des Liegers und zeigte sich begeistert von der Restaurierung und der Kulturarbeit.

Wenn der Pontonrumpf - das Fundament des Liegers - saniert sein wird, kann auch die Halle innen weiter restauriert werden. Leider müssen die Eigentümer Christine Röthig und Jan Peters die einzigartige Sammlung ihrer Hafengefährte, von denen der Lieger Cäsar das Vorzeigestück ist, nun aus gesundheitlichen Gründen abgeben. Die Käufer sollen allerdings auch die Führung des Vereins übernehmen, der den Lieger als Begegnungsstätte und Ausstellungsfläche nutzt.

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Finanzielle Unterstützung durch Dritte wird weiterhin nötig sein, damit die Rumpf-Innenflächen einen Korrosionsschutz bekommen. Auch das Ausbessern des Stahlfußbodens und seine Versiegelung kann durch ehrenamtliche Arbeit allein nicht geleistet werden. Der Verein hofft, dass Caesar nach seiner Sanierung gleichsam als Brückenkopf und Botschafter für den Hamburger Traditionsschiffhafen in der Hamburger HafenCity seinen endgültigen Platz finden wird. Er würde dann Bezug auf die anderen Museen nehmen, die alle über eine Barkassenlinie miteinander verbunden sind, von der Kunstinsel über die Kunsthalle, den Kunstverein und die Deichtorhallen.

Angela Pfotenhauer/Christiane Schillig

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Kommentare anderer Leser

  • Name: Hans Reich 09.01.2012

    Diese Geschichte ist deshalb für mich interessant, weil ich am Bodensee wohne, wir aber dort keine schwimmenden Wohnungen haben. Dass dieses Stück Zeitgeschichte durch Eigeninitiative bewahrt wird, finde ich bemerkenswert.

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