Wohnen im Grünen
Das um 1900 in England entworfene Modell der Gartenstadt als Reaktion auf die schlechten Wohnverhältnisse in den Industriestädten ist auch hierzulande auf fruchtbaren Boden gefallen. Als erste Anlage dieser Art in Deutschland gilt die 1907-15 errichtete Werkssiedlung der Ilse Bergbau AG in Marga, einem Stadtteil von Brieske in der brandenburgischen Lausitz.
Der Film von Martina Hiller von Gaertringen und Susanne Isabel Yacoub betrachtet neben dieser in den letzten Jahren auch mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz restaurierten Gartenstadt zwei weitere Anlagen in Brandenburg - die gemeinnützige Obstbausiedlung Eden bei Oranienburg und die ab 1915 errichtete Werkssiedlung der "Königlich-Preußischen Pulverfabrik" , ein Frühwerk des Architekten Paul Schmitthenner im heute zu Brandenburg an der Havel gehörenden Plaue.
Die Autoren stellen die architektonischen und sozialen Besonderheiten der drei Ensembles ebenso vor wie die unterschiedlichen Besitzverhältnisse und die aktuellen Probleme. Dazu sprechen sie auch mit Bewohnern, die teilweise schon seit Generationen dort ansässig sind und sich für die Zukunft der idyllischen Siedlungen einsetzen.
Marga. Eden. Plaue. Gartenstädte in Brandenburg - zwischen Idyll und Aufbruch. Drei Orte. Drei Geschichten. Ein Film von Martina Hiller von Gaertringen und Susanne Isabel Yacoub. L&H Verlag, Berlin 2011. DVD in HD, 48 Min., ISBN 978-3-939629-23-8, ca. 14,80 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann
Ein Stück Stromgeschichte
Meist völlig unbeachtet stehen sie vielerorts im Land, die Transformatorenstationen, kurz Trafohäuschen oder -türme genannt. Einst dienten sie zur Umwandlung der elektrischen Energie aus den Mittelspannungsnetzen in den Niederspannungsbereich, wie er in den Ortsnetzen Verwendung findet. Heute im Zeitalter der modernen Stromversorgung kommt man mit wesentlich kleineren Anlagen aus, deshalb haben die meisten Türme ihre Funktion eingebüßt.
Doch viele Menschen möchten nicht auf die Trafotürme verzichten, denn ihre Architektur ist durchaus vielfältig und passt sich oft der für die jeweilige Region typischen Formensprache an. Deshalb gibt es inzwischen engagierte Bürger, die "ihre" Türme nicht dem Abriss preisgeben wollen, sondern sie mit viel Phantasie einer neuen Nutzung zuführen. Der gerade erschienene kleine Führer zu ehemaligen Trafostationen am Niederrhein, im Sauer- und Siegerland, an Rhein und Nahe sowie im Münster- und Emsland zeigt die ganze Vielfalt: Heute dienen sie als Nistplatz für Störche, als Vogelhotel, als Hochzeitsturm, als kleines Museum oder einfach nur als Landmarke und Kunstobjekt.
Von Turm zu Turm. Tipps und Touren rund um ein Stück Stromgeschichte. Klartext Verlag, Essen 2011. ISBN 978-3-8375-0637-2, 96 S., 9,95 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann
Ein Juwel ist wiedererstanden
Der Luisenstädtische Kanal in der Mitte Berlins zeigt sich heute wieder als Meisterwerk der Stadtplanung und Gartenkunst. Ab 1850 war er nach Plänen von Peter Joseph Lenné angelegt worden und bildete die gestalterische Mitte der neu errichteten Luisenstadt.
Stadtgartendirektor Erwin Barth ist es zu verdanken, dass 1926 aus dem zugeschütteten Kanal ein bezaubernder Park mit dem Engelbecken als Abschluss entstand. Auf der Grenze zwischen den Stadtbezirken Mitte und Kreuzberg gelegen, wurde die Anlage ab 1961 durch Grenzstreifen und Mauer geteilt.
Das Buch von Klaus Duntze, Vorstandmitglied des Bürgervereins Luisenstadt e. V., geht ausführlich auf die Geschichte und das schrittweise Wiedererstehen des Gartendenkmals als grüne Oase seit 1990 ein. Auch das Engelbecken mit seinen Fontänen ist wieder hergestellt. Neben der Berliner Gartendenkmalpflege und deren kürzlich pensioniertem Leiter Dr. Klaus von Krosigk hat der Bürgerverein Luisenstadt einen wesentlichen Anteil an der eindrucksvollen Wiederbelebung der Anlagen.
Klaus Duntze: Der Luisenstädtische Kanal. Mit Beiträgen von Klaus v. Krosigk und Klaus Lingenauber, Landesdenkmalamt Berlin, Fachbereich Gartendenkmalpflege. Berlin Story Verlag, Berlin 2011. ISBN 978-3-86368-014-5, 438 S., 24,80 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann
Rundgänge durch Lübecks Baugeschichte
Die alte Hansestadt Lübeck, seit 1987 auf der Welterbe-Liste der UNESCO, ist vor allem bekannt für die Architektur der Backsteingotik. Doch die Baugeschichte der Stadt hat viel mehr zu bieten. Der kleine Führer von Stephanie Göhler bietet spannende Rundgänge
durch die Architekturlandschaft: Reste aus romanischer Zeit werden ebenso beleuchtet wie die gotischen Kirchen und Bürgerhäuser, Bauten der Renaissance, des Barock, des Klassizismus und des Historismus. Einen breiten Raum nimmt auch das 20. Jahrhundert ein, darunter Jugendstil, Expressionismus und neuere Bauten wie der Konzertsaal der Musikhochschule an der Obertrave. Übersichtskarten erleichtern das Auffinden der Gebäude, zahlreiche Fotos verdeutlichen die Formenvielfalt in der Stadt.
Stephanie Göhler: Lübecker Baugeschichte entdecken. Von der Romanik bis zur Moderne. Wachholtz Verlag, Neumünster 2009. ISBN 978-3-529-01337-9, 160 S., 14,80 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann
Sorgfalt bei Fachwerkhäusern
Die Sanierung von Fachwerkhäusern erfordert besondere Sorgfalt bei der Planung und Bauausführung. Die fugenreiche Kombination von hölzernem Tragwerk und verschiedenartigen Ausfachungsmaterialien reagiert sehr empfindlich auf jegliche Veränderungen. Deshalb stellt das Deutsche Fachwerkzentrum Quedlinburg einen Leitfaden bereit, der Bauherren für die komplexe Problematik, die unter anderem durch Anforderungen der Energieeinsparverordnung entsteht, sensibilisieren soll, aber nicht unbedingt als Empfehlung zum Selbermachen zu verstehen ist.
"Hilfe, ich habe ein Fachwerkhaus". Ein Leitfaden für Bauherren und am Fachwerk Interessierte. Deutsches Fachwerkzentrum Quedlinburg, 2009. 104 S., Für 5 Euro zzgl. Versand zu bestellen beim Deutschen Fachwerkzentrum, Blasiistr. 11, 06484 Quedlinburg, Tel. 03946/81 05 20, kontakt@deutsches-fachwerkzentrum.de.
Rezension: Dorothee Reimann