Den Rheingau neu betrachtet
Mit einer dem Rheingau gewidmeten Ausgabe ist der Monumente edition ein bemerkenswerter Neuzugang gelungen: Aus den bewährten Händen der Autoren Angela Pfotenhauer und Elmar Lixenfeld präsentiert der Band erstmals die einzigartige Naturlandschaft oberhalb des Rheins zwischen Lorchhausen und Walluf in Kombination mit seiner Kulturgeschichte. Seit den Rhein-Wanderungen von Clemens Brentano und Achim von Arnim um 1800 wurde der Rheingau mit seiner unverwechselbaren Hügellandschaft zum Bestandteil der Rheinromantik - und ist es bis heute. Obwohl vergleichsweise klein - rund 35 Kilometer am Rhein entlang und zwischen sechs und acht Kilometer hinauf ins Rheingaugebirge - ist die seit der Römerzeit von Weinanbau geprägte Region auch durch ihr "Gebück" bekannt. Diese extrem verdichtete Buchenhecke diente bis vor 250 Jahren als von Menschenhand angelegter, natürlicher Schutzwall.
Neben einigen Förderprojekten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz - etwa Schloss Vollrads in Oestrich-Winkel oder der "Rheingauer Dom" in Geisenheim - stellt der eindrucksvoll bebilderte Band dem interessierten Leser eine Reihe historischer Orte mit bemerkenswerten Denkmalen vor in einem Gebiet, das vor allem durch seinen Weinbau mit hervorragenden Lagen bekannt ist.
Angela Pfotenhauer/Elmar Lixenfeld: Der Rheingau. Hrsg.: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn. MONUMENTE Publikationen, Bonn 2011. ISBN Paperback: 978-3-86795-036-7, 144 S., 14,80 Euro; ISBN Festeinband: 978-3-86795-035-0, 144 S., 19,80 Euro.
Rezension: Catherina Winzer
Oberes Mittelrhein-Tal – Eine Landschaft lädt zum Schwärmen ein
Die Rheinlandschaft hat "ein unersetzliches Panorama, von jedem besungen, der je einen Vers zu schmieden vermochte", befand Heinrich Böll 1960. Und tatsächlich entstand manches Lied oder Gedicht hier im Oberen Mittelrheintal, denn schon immer übte dieser Landstrich auf Menschen aus der ganzen Welt einen magischen Reiz aus.
Bekannte Literaten und Maler haben das Rheintal im späten 18. Jahrhundert als Reiseziel entdeckt. Und so wundert es niemanden, dass die Romantik der Burgen und weinseligen Winzerdörfer entlang des Flusses vielfach gerühmt wurde. Die wohl größte Auszeichnung erhielt die Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal mit der Ernennung zum UNESCO-Welterbe im Sommer 2002.
Zu einer Reise dorthin lädt der Band "Oberes Mittelrheintal von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz" ein, der von den Autoren Dr. Angela Pfotenhauer und Elmar Lixenfeld in Text und Bild liebevoll zusammengestellt wurde. Sie widmen sich unter anderem dem Weinanbau, den es flächendeckend am oberen Mittelrhein erst seit dem 13. Jahrhundert gibt. In dieser Zeit hatte auch der Bau von Burgen Konjunktur. Viele von ihnen sind entlang der sich über 65 Kilometer erstreckenden Kulturlandschaft links und rechts des Rheins zu entdecken. Natürlich erfährt man auch einiges über die Legenden und Mythen, die sich um den Rhein ranken: Der sicher bekannteste Mythos gilt dem "Tal der Loreley", dessen Ursprung in einer kleinen Romanpassage des Dichters Clemens Brentano liegt.
Oberes Mittelrheintal. Von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz. Welterbe. Hrsg.: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn. MONUMENTE Publikationen, Bonn 2006. Paperback: ISBN 978-3-936942-76-7, 144 S., 14,80 Euro. Festeinband: ISBN 978-3-936942-77-4, 144 S., 19,90 Euro.
Rezension: Gisela Sander
Ostfriesland für Entdecker – Mehr als Ferieninseln und Küste
Im Binnenland zwischen Dollart und Jadebusen bietet fast jeder Ort eine kleine Sehenswürdigkeit. Das weiß Professor Dr. Gottfried Kiesow, Kuratoriumsvorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, bereits seit den 1960er Jahren: Als er für die niedersächsische Denkmalpflege tätig war und den reichen Denkmalbestand kennenlernte, erwachte seine Faszination für das Land der Moore und Kanäle. Mit dem "Architekturführer Ostfriesland" möchte er nun sein Wissen und seine Begeisterung für die geschichts- und kulturträchtige Region, die mehr zu bieten hat als Küste und Ferieninseln, mit den Lesern teilen und lädt sie dazu ein, "seine" Denkmale vor Ort zu erkunden.
Nach einer naturräumlichen, geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Einführung in die ostfriesische Landschaft, in der einst Polderfürsten und Häuptlinge eine Rolle spielten, empfiehlt er in seinem Buch Stadtrundgänge - etwa durch Emden mit der zur Bibliothek umgenutzten ehemaligen Großen Kirche, durch Leer mit seinen typischen Giebelhäusern sowie durch Aurich und Norden. Besonders komfortabel sind die Kartenausschnitte der größeren Städte, denn eine Nummerierung zeigt auf den ersten Blick die Standorte der Denkmale, die Kiesow ausführlich erklärt.
Da es kaum möglich ist, alle Sehenswürdigkeiten auf einer Reise durch Ostfriesland zu besichtigen, gibt Gottfried Kiesow seinem Reiseführer ein "Bewertungssystem" bei. Ein Stern bedeutet, dass dieses Denkmal absolut "sehenswert" ist. Denkmale von "regionaler" und "überregionaler Bedeutung" erhielten von Kiesow jeweils einen weiteren Stern. Zusätzlich sind die Stätten gekennzeichnet, die man sich ansehen kann, weil sie "am Wege liegen".
Architekturführer Ostfriesland. Hrsg.: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn. MONUMENTE Publikationen, Bonn 2010. ISBN 978-3-86795-021-3, 384 S., 24,80 Euro.
Rezension: Gisela Sander
Lenné im Rheinland
Noch bis zum 16. Oktober ist im Rahmen der diesjährigen Bundesgartenschau auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz eine Ausstellung zu sehen, die sich dem 1789 in Bonn geborenen Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné und seinen Schöpfungen im Rheinland widmet. Den Grundstein für seine beispiellose Karriere hatte er 1815 mit einer städtebaulichen Planung in Koblenz gelegt.
Der vorliegende Begleitband zur Ausstellung stellt neue wissenschaftliche Erkenntnisse über Lennés Wirken in seiner rheinischen Heimat dar und führt zu Gartendenkmalen, die bis heute erhalten sind.
Peter Joseph Lenné - Eine Gartenreise im Rheinland. Begleitpublikation zur Sonderausstellung der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz/Landesmuseum Koblenz. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2011. ISBN 978-3-7954-2506-7, 296 S., 29,95 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann
Katharina Pawlowna – Königin von Württemberg
Katharina Pawlowna (1788-1819), Tochter des russischen Zaren Paul I. und Sophie Dorotheas von Württemberg alias Maria Fjodorowna, war eine ebenso schillernde wie politisch ambitionierte Persönlichkeit. Dem Ziel, Russland als europäische Großmacht zu etablieren und selbst an einen Kaiserhof zu heiraten, galt ihr ganzes Wirken.
Es gelang ihr zumindest, Königin zu werden: 1816 zog sie als zweite Gemahlin des Württembergischen Kronprinzen in Stuttgart ein, der kurz darauf seinen Vater auf dem Thron beerbte. An der Seite von Wilhelm I. engagierte sie sich sozial und stieß zahlreiche Reformen an. Auch wenn die Verbindung aufgrund ihres frühen Ablebens nur drei Jahre währte, ging sie als äußerst populäre Landesmutter in die Annalen ein.
Die lesenswerte
Biografie des Historikers Detlef Jena basiert auf neuen Forschungen und räumt auch mit diversen Mythen auf, mit denen der überraschende Tod der Dreißigjährigen gerne ausgeschmückt wurde. Ein spannendes Buch, das nebenbei die europäischen Machtspiele im Zeitalter Napoleons beleuchtet. Man erfährt nicht nur Wissenswertes über die ganz große Politik, sondern auch über das das im 19. Jahrhundert aufstrebende Königreich Württemberg.
Detlef Jena: Katharina Pawlowna. Großfürstin von Russland - Königin von Württemberg. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2003. ISBN 978-3-7917-1804-0, 360 S., 29,90 Euro.
Rezension: Bettina Vaupel
Streifzüge durch die Kurpfalz
Auf seiner Entdeckungstour entführt der Historiker Hartmut Ellrich, gebürtiger Mannheimer und Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die Leser in die Kurpfalz von heute und lenkt den Blick auf das reiche kulturelle Erbe dieser Kulturlandschaft zu beiden Seiten des Oberrheins. Die Pfalzgrafschaft bei Rhein - so ihr offizieller Name - gehörte bis 1803 zu den bedeutendsten Herrschaftsgebieten des Reiches. Die Region bildet heute ein Dreiländereck zwischen Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen rund um die ehemalige Residenzstadt Mannheim.
Die einzelnen Kapitel des Buches widmen sich Stätten des Glaubens wie dem Dom zu Speyer, Adelsbauten wie dem Heidelberger und dem Hambacher Schloss, berühmten Parks wie dem Schwetzinger Schlossgarten sowie bedeutenden Persönlichkeiten - vom Jäger aus Kurpfalz über Friedrich Schiller bis zu Carl Benz. Das Leben an den Flüssen Rhein und Neckar findet in dem mit umfassenden Personen- und Ortsregistern und zahlreichen Literaturangaben ausgestatteten Buch aber ebenso Raum wie ein kulinarischer Streifzug durch die Kurpfälzer Küche.
Hartmut Ellrich: Streifzüge durch die Kurpfalz. Kunst und Kultur - Land und Leute. G. Braun Buchverlag, Karlsruhe 2010. ISBN 978-3-7650-8549-9, 286 S., 19,90 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann
Eine Stadt wie aus dem Bilderbuch
"Die schönste Stadt Deutschlands" hat Gottfried Kiesow Görlitz einst genannt. Schließlich ist die Stadt ganz im Osten Deutschlands ein geschlossen erhaltenes Gesamtkunstwerk. Die Baudenkmale aus der Zeit der Gotik, der Renaissance und des Barock in der Altstadt werden ergänzt durch eine Vielzahl historistischer Bauten. Keine denkmalpflegerischen Sünden wie Straßenverbreiterungen oder maßstablose Neubauten stören den Gesamteindruck der Stadt, die in diesem Jahr durch die Sächsische Landesaustellung zur via regia noch einen besonderen Akzent erhielt. Auch durch diese bedeutende Handelsstraße kamen verschiedene Einflüsse aus ganz Europa in die Stadt an der Neiße.
Der neue, gut bebilderte Architekturführer des Kunsthistorikers Jürgen Paul beginnt mit einer Einführung in die spannende Görlitzer Geschichte - von der selbstbewussten Kaufmannsstadt im Schnittpunkt zwischen Prag, Breslau, Dresden und Berlin bis hin zur geteilten Grenzstadt. Heute im vereinten Europa gelingt ihr wieder eine durchaus dynamische Entwicklung - und das nicht nur wegen der erfolgreichen sukzessiven Restaurierung des reichen Denkmalbestands. Anschließend werden die Leser in drei Rundgängen durch die Altstadt, die angrenzenden Stadtteile sowie auf die andere Seite der Neiße ins heute polnische Zgorzelec geleitet.
Jürgen Paul: Görlitz. Architektur - Kunst - Geschichte. Fotografien von Frank Höhler. Hrsg.: Kulturhistorisches Museum Görlitz und Ostdeutsche Sparkassenstiftung. Sandstein Verlag, Dresden 2011. ISBN 978-3-942422-35-2, 184 S., 15 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann
Zurück in die Uckermark
Seit vielen Jahren verlassen mehr Menschen die strukturschwache Uckermark im Nordosten Brandenburgs als sich dort ansiedeln. Vor allem junge Frauen ziehen in andere Regionen Deutschlands, weil sie meinen, dort größere Chancen auf einen guten Ausbildungsplatz zu haben.
Um diesen Trend zu stoppen, haben sich mehrere Initiativen gebildet. Eine von ihnen ist "Zuhause in Brandenburg e. V.". Der Verein hat von 2008 bis 2010 Uckermärker befragt, warum sie nach dem Verlassen ihrer Heimat wieder zurückgekehrt sind.
In dem Band "Wandern und Rückkehren in der Uckermark", der bei "Zuhause in Brandenburg e. V." bestellt werden kann, sind 4 von 13 Interviews abgedruckt. Außerdem gibt es Analysen zum Beispiel über die Motivation der Rückkehrer.
Ariane Böttcher: Wandern und Rückkehren in der Uckermark. Ein regionales Projekt gegen Abwanderung. Hrsg.: Zuhause in Brandenburg e. V., Templin 2010. ISBN 978-3-00-031120-8. 44 S., 6 Euro. www.zuhause-in-brandenburg.de
Rezension: Carola Nathan
Ein handlicher Wegbegleiter für die Uckermark
Die Uckermark ist der größte Landkreis Deutschlands, aber auch einer der am dünnsten besiedelten. Seine landschaftlichen Schönheiten sollte man wandernd, mit dem Rad oder mit dem Boot erkunden.
Joachim Nölte und Marc Dannenbaum haben in Zusammenarbeit mit der Tourismus Marketing Uckermark GmbH einen handlichen Begleiter für derlei Touren zusammengestellt. In zehn Kapiteln folgen sie dem Märkischen Landweg, der durch die Naturschutzgebiete der Uckermark führt, aber auch die Städte Lychen, Templin, Angermünde und Schwedt streift.
Die Autoren beschreiben historische Stätten, Flora und Fauna. Außerdem geben sie wertvolle Informationen und Tipps, nennen wichtige Adressen und lassen in jedem Kapitel Uckermärker zu Wort kommen.
Joachim Nölte, Marc Dannenbaum: Uckermark. Ein Wegbegleiter. terra press GmbH, Berlin 2011. ISBN 978-3-9812477-8-7. 159 S., 14,80 Euro.
Rezension: Carola Nathan
Kulturlandschaften – gefällt mir!
Im Mai 2011 veranstaltete der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland zusammen mit dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V. in Magdeburg die Tagung "Vermittlung von Kulturlandschaft an Kinder und Jugendliche". Der BHU vereinigt die Bürger- und Heimatvereine in Deutschland unter seinem Dach und engagiert sich seit Jahren für den Schutz unserer vielfältigen historischen Landschaften.
Auf der Tagung, deren Ergebnisse nun in einem Band vorliegen, wurden verschiedene Initiativen vorgestellt - im schulischen wie außerschulischen Bereich und mit jüngeren Menschen jeden Alters. Experten sprachen beispielsweise über die Arbeit mit sogenannten Junior Rangern, über Projektwochen in historischen Weinbaulandschaften oder über die Einbeziehung von jungen Familien in die Aufgaben von Heimatvereinen.
Dr. Susanne Braun, informierte über "denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule", für das sie bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) zuständig ist. Seit 2002 richtet sich dieses Programm der Stiftung an junge Menschen. Sie sollen lernen, ihre Umwelt genauer wahrzunehmen und das kulturelle Erbe als Teil der eigenen Geschichte zu begreifen. Für das Schuljahr 2009/2010 haben DSD und BHU das Themenfeld "Historische Kulturlandschaften: Erfassen, Bewerten, Pflegen und deren Werte vermitteln" als Schwerpunkt gewählt, das die Schulen in sehr unterschiedlichen Ansätzen umgesetzt haben.
Vermittlung von Kulturlandschaft an Kinder und Jugendliche. Hrsg.: Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU), Bonn 2011. 108 S. Gegen eine Spende erhältlich beim BHU: www.bhu.de, bhu@bhu.de, Tel. 0228/22 40 91
Rezension: Carola Nathan