Das mecklenburgische Dorf Federow am Rande des Müritz-Nationalparks war eigentlich nie für spektakuläre Ereignisse bekannt. Aber 2005 sollte es Stätte einer deutschlandweiten Premiere werden: Aus der örtlichen Kirche wurde die erste und bislang auch einzige Hörspielkirche. Ein sorgfältig installiertes Audio-System bietet bei bester Akustik in der Sommersaison täglich Literatur von Spannung über Erbauung bis Information.
Wie viele andere Dorfkirchen stand auch die Federower Kirche - im 15. Jahrhundert erbaut an Stelle eines Vorgängerbaus aus dem 13. Jahrhundert - leer und war einsturzgefährdet. Jens Franke, Architekt in Potsdam, entwickelte die Idee, den Kirchenraum wieder zu einem Ort des gesprochenen Wortes werden zu lassen.
Tatort Dorfkirche
Die Hörspielkirche in Federow
Zusammen mit der Kirchengemeinde, dem Denkmalpflegeamt, dem Rundfunk Berlin-Brandenburg und dem Norddeutschen Rundfunk sowie dem Hörverlag München erarbeitete er ein Umnutzungskonzept und ein Hörspielprogramm. MONUMENTE berichtete bereits 2003 in seiner Print-Ausgabe von dem Vorhaben.
Nach der ersten "Hör-Saison" begann eine rasante Entwicklung: Mit Fördergeldern aus dem EU-Programm LEADER+, des Landes Mecklenburg-Vorpommern, des Landkreises und der Kirchengemeinde konnte die kleine Feldsteinkirche saniert und der Außenraum gestaltet werden. Eigens entworfene Kirchenfenster wurden eingeweiht.
Neben den Hörspielen hat auch neues altes Leben wieder Einzug gehalten: 2005 wurde der erste Gottesdienst abgehalten, es finden Taufen und Trauungen statt.
Sommer für Sommer besuchen 14.000 Gäste die Dorfkirche und die Veranstaltungen des erfolgreichen Hörspielprogramms. Dazu zählen Kinderhörspiele ebenso wie Features zu Kirchen- und Wissenschaftsthemen, seit 2010 auch eine Einführung in die Gesänge und Rufe heimischer Vogelarten. Besonders gut laufen Krimis. Auch damit schließt sich ein Kreis. Denn hat man in den Kirchenbänken nicht schon immer Geschichten - auch furchtbaren von Mord- und Totschlag - gelauscht?
Beatrice Härig
Die 7. Hörspielsaison im Sommer 2011 - von Jens Franke und Pastor Leif Rother ehrenamtlich organisiert - beginnt am 2. Juni mit einer Lesung. Die Saison endet am Tag des offenen Denkmals, dem 11. September 2011.














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