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Ausgabe: Juni 2011

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Neue Nutzung von Sakralräumen

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Bücher

Ausgabe Juni 2011

Kirche leer – was dann?

Der Leerstand von Gotteshäusern ist kein neues Phänomen. Deshalb sollte man besonnen damit umgehen und vorausschauend nach Lösungen suchen. Der Abriss oder Verkauf von Kirchen wird inzwischen als das letzte Mittel betrachtet. Ideen für erweiterte Nutzungen sind hingegen gefragt. Der Band "Kirche leer - was dann?", der die gleichnamige Tagung 2009 in Mühlhausen/Thüringen dokumentiert, möchte einen Beitrag zum fortwährenden Dialog unter Denkmalpflegern, Fördervereinen, Kirchenvertretern, Kirchbauinstituten, Architekten und betroffenen Gemeindemitgliedern leisten. Sie sollen Konzepte und Erfahrungen austauschen können. In verschiedenen Aufsätzen zu den Themen "Kirchenleerstand - allgemeine Ursachen und regionale Strategien", "Kirchenerhaltung - Theologische und kirchliche Positionen" sowie "Kirchenumnutzung - Von der denkmalpflegerischen Bewertung bis zur architektonischen Umsetzung" kommen Fachleute mit ihren unterschiedlichen Positionen zu Wort, darunter Landesdenkmalpfleger, Vorsitzende von Förderkreisen, Liturgiewissenschaftler, ein Weihbischof und Architekten.

Auf den letzten Seiten ist die Schlussdiskussion der Tagung in Mühlhausen zusammengetragen. Sie zeigt den inzwischen allgemeinen Konsens, dass eine Gemeinde ihre Kirche vorübergehend für andere Nutzungen bereitstellen, dabei alle nötigen Ein- oder Umbauten aber möglichst reversibel zu gestalten sollte. Einige gelungene Beispiele der Nutzungserweiterungen machen das 141 Seiten starke Buch zu einem ansprechenden Bildband.

Kirche leer - was dann? Neue Nutzungskonzepte für alte Kirchen. Berichte zu Forschung und Praxis der Denkmalpflege in Deutschland, Band 17, hrsg. von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2011. ISBN 978-3-86568-684-8, 141 S., 19,95 Euro.

Rezension: Christiane Schillig

Kirchenbauten zwischen Sakralität und sozialer Wirklichkeit

Kirchenbauten stehen sowohl für Kontinuität als auch für Veränderung. Als Bauwerke sind sie beständig, werden als identifikationsstiftend angesehen. Andererseits zeigt sich gerade bei ihnen der gesellschaftliche Wandel, und das sowohl in der Bau- und Stilgeschichte, die vor allem durch die liturgische Praxis beeinflusst wird, als auch in der Nutzung.

Der vorliegende Band, zu dem Kunsthistoriker, Theologen, aber auch Architekten und Sozialwissenschaftler beigetragen haben, sammelt interdisziplinäre Perspektiven für den aktuellen Umgang mit Kirchenbauten. Dargestellt wird das anhand zahlreicher Beispiele des Kirchenbaus der Gegenwart, darunter die 2001 entstandene katholische Kirche Christus König von Günter Behnisch in Radebeul und die Kapelle im Berliner Olympiastadion von Gerkan, Marg und Partner. Hinzu kommen einige bekannte Umnutzungsprojekte wie die Marienkirche im brandenburgischen Müncheberg, die mit ihrem imposanten Einbau seit 1998 Stadtbibliothek, Gemeinde- und Kulturzentrum ist, sowie die evangelische Eliaskirche in Berlin-Prenzlauer Berg, die heute als "MACHmit!" Museum Kinder in ihre Mauern lockt.

Angelika Nollert, Matthias Volkenandt, Rut-Maria Gollan und Eckard Frick (Hrsg.): Kirchenbauten in der Gegenwart. Architektur zwischen Sakralität und sozialer Wirklichkeit. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2011. ISBN 978-3-7917-2209-2, 256 S., 39,90 Euro.

Rezension: Dorothee Reimann

Die Kunst, Kirchen zu bauen

Kirchen prägen noch immer unsere Städte und Dörfer, auch auf Reisen besuchen und bewundern wir sie gern. Doch sind Hintergründe ihrer verschiedenen Formen und Funktionen heute nur noch wenigen Menschen vertraut.

Johann Hinrich Claussen, Hauptpastor an der Hauptkirche St. Nikolai in Hamburg, legt nun einen einzigartigen Kirchenführer vor, der sich vor allem an junge Leser richtet. Es gelingt ihm, die historische Entwicklung des Kirchenbaus mit der Kunstgeschichte, der jeweiligen theologischen Deutung sowie den Aspekten der Politik und der Frömmigkeitsgeschichte zu verbinden. Dazu führt er uns von der Hauskirche und den ersten Bauten der frühen Christenheit über die Grabeskirche in Jerusalem und die Hagia Sophia als Kirche des Ostens hin zu den Gotteshäusern seit dem Mittelalter. Exemplarisch stehen dabei der Dom von Speyer für die Romanik, die Kathedrale von Amiens für die Gotik, der Petersdom für die katholische Kirche sowie die barocke Dresdner Frauenkirche für den protestantischen Kirchenbau. Als Beispiel für den Historismus wählt er die ehemalige Hauptkirche St. Nikolai im Herzen Hamburgs, die seit 1943 Ruine ist und deshalb 1956 nach Harvestehude "umzog". Mit der Kathedrale von Brasilia gibt Claussen auch dem Kirchenbau des 20. Jahrhunderts Raum. Das Buch beschließt ein fiktiver Rundgang durch ein Gotteshaus, bei dem die wesentlichen Elemente der Einrichtung und deren liturgische Bedeutung erläutert werden.

Johann Hinrich Claussen: Gottes Häuser oder die Kunst, Kirchen zu bauen und zu verstehen. Verlag C.H.Beck, München 2010. ISBN 978-3-406-60718-9, 288 S., 24,95 Euro.

Rezension: Dorothee Reimann

Der betende Raum

St. Johann Baptist in Neu-Ulm, der Schlüsselbau des Kirchenbaumeisters Dominikus Böhm (1880-1955), ist eine der ersten katholischen Kirchen, die für die moderne Ausrichtung des Sakralbaus im 20. Jahrhundert stehen. Böhms zwischen 1922 und 1926 entstandener Um- und Erweiterungsbau der Garnisonskirche des 19. Jahrhunderts besticht durch die meisterhafte Verarbeitung moderner Materialien und durch sein mystisches Lichtspiel im Innern. Die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz treuhänderisch verwaltete Julius-Rohm-Stiftung unterstützt die Restaurierung des Gotteshauses seit einigen Jahren.

Neben der umfassenden Architekturstudie von St. Johann Baptist stellt das Buch den historischen Kontext dar, in dem Böhm sich zusammen mit anderen Architekten intensiv mit der Kirchenbaukunst auseinandergesetzt hat. Dabei ging es ihm keinesfalls um einen Bruch mit den Traditionen, sondern um eine Weiterentwicklung traditioneller Formen und Grundrisse im katholischen Kirchenbau.

Manuela Klauser: Der betende Raum. Dominikus Böhms Kirche St. Johann Baptist in Neu-Ulm. Ein Schlüsselbau der modernen Sakralarchitektur. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2010. ISBN 978-3-89870-644-5, 102 S., 16,80 Euro.

Rezension: Dorothee Reimann

Kirchenumnutzungen in Westfalen

Das Buch "Gotteshäuser zu verkaufen" ist das Ergebnis einer Projektskizze im Rahmen eines Volontariats in der Volkskundlichen Kommission des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe zum Thema "Kirchenumnutzungen in Westfalen". Die Autorin hat sich damit auseinandergesetzt, wie emotional Kirchenschließungen und -umnutzungen von großen Teilen der Bevölkerung aufgenommen werden, auch wenn die Institution Kirche heute vielerorts an Bedeutung verloren hat. Geht es um Schließung, Abriss oder Umnutzung, formieren sich Fördervereine, Bürgerinitiativen oder Aktionsgruppen, die für die Erhaltung des Gotteshauses oder eine angemessene Nutzung kämpfen. In dem Spannungsverhältnis zwischen Wertepluralismus und Bedeutungsverlust der Kirchen einerseits und dem offensichtlichen Wunsch nach Leitbildern andererseits setzt die Studie der Volkskundlichen Kommission an. Das Forschungsprojekt von Katrin Bauer beleuchtet die Voraussetzungen, Prozesse und die Konsequenzen von Kirchenaufgaben und -umnutzungen aus der Sicht der Betroffenen. Es wird aufgezeigt, welche Auswirkungen die Profanierung von Kirchen für Menschen und ihre Alltagskultur haben und wie Kirchenangestellte oder Gemeindemitglieder beispielsweise damit umgehen. Schließlich wird analysiert, welche Bedeutung dem Kirchengebäude in einer vermeintlich entkirchlichten Gesellschaft zukommt und welche gesellschaftlichen Trends in Umnutzungen ausgedrückt werden.

Unter der Überschrift "Ein Kirchengebäude ist für mich ein Zeichen für..." lesen wir abschließend eine Vielzahl von Äußerungen darüber, was Kirche den Menschen im 21. Jahrhundert bedeutet. Entscheidend für die meisten ist der ganz persönliche Erfahrungsbereich, der Mikrokosmos. Das Bild der Kirche wird geprägt von den persönlichen Erfahrungen der Einzelnen, die Institution als übergeordnete Ebene spielt dabei offensichtlich eine geringe Rolle. Ergänzend zum Buch gibt es im Umschlag eine DVD mit einem Film über Münsters Kirchen und einem Gespräch der Autorin mit ihrem Vater zu den brennendsten Fragen der Umnutzung. In 45 Minuten kann man sich schnell und grundlegend einen Überblick über die Probleme und Lösungsansätze zum Thema Kirchenschließungen verschaffen.

Katrin Bauer: Gotteshäuser zu verkaufen, Gemeindefusionen, Kirchenschließungen und Kirchenumnutzungen. (Hrsg.): Volkskundliche Kommission für Westfalen, Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Band 117, Waxmann Verlag, Münster 2011, 177 S. 29,90 Euro.

Rezension: Christiane Schillig

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