Festungsstadt Köln
Noch heute prägen etwa 2.000 Jahre Festungsgeschichte das Aussehen der Stadt Köln: Von der römischen Stadtmauer, deren Umfang etwa vier Kilometer betrug, bis zur preußischen Festungsanlage, die bis in den Ersten Weltkrieg gebaut wurde und einen Fortgürtel von etwa 40 Kilometern Länge besitzt. Als preußisches Bollwerk im Westen 1815 bis 1918 errichtet, musste die Wehranlage fortwährend an die sich verändernden militärischen Anforderungen angepasst werden. Bis heute ist keines der Festungswerke im originalen Zustand erhalten geblieben. Nach Ende des Ersten Weltkriegs aufgrund der Bedingungen des Versailler Vertrages geschleift, konnten einige der Bauten jedoch teilweise bewahrt und in den damals neu geschaffenen Äußeren Grüngürtel der Stadt integriert werden.
Das erste Standardwerk über die Festung Köln, vorgelegt von einem Autorenteam unter der Leitung von Henriette Meynen, widmet sich der Geschichte und den einzelnen Bestandteilen der preußischen Wehranlage. Daneben beschreibt sie die Lebensverhältnisse in der ehemaligen Festungs- und Garnisonsstadt Köln und geht auf die sonst wenig beachtete stilistische Gestaltung der in erster Linie funktionalen Militärbauten ein. Ein weiteres Augenmerk legt das durch historische Fotos, aktuelle Ansichten, Pläne und Zeichnungen reich bebilderte Werk auf die Umnutzung der noch vorhandenen militärischen Bauten und ihre Wirkung auf das heutige Stadtbild.
Das Buch erscheint als erster Band der Schriftenreihe des Fördervereins Fortis Colonia e.V.
Henriette Meynen (Hrsg.): Festungsstadt Köln. Das Bollwerk im Westen. Emons Verlag, Köln 2010. ISBN 978-3-8970-5780-7, 544 Seiten, 49,95 Euro.
Rezension: Julia Ricker
Festungen in Bayern
Die jeweils modernsten Methoden der Kriegstechnik kamen zum Einsatz, als Herzöge und Kurfürsten, Fürstbischöfe, Fürsten und Reichsstädte auf dem Gebiet des heutigen Bayerns Festungsanlagen errichten ließen, die zur Verteidigung ihrer Territorien bestimmt waren. Die vom 16. bis zum 19. Jahrhundert entstandenen Schutz- und Wehrbauten spiegeln den technischen Fortschritt von der Renaissance bis zum Klassizismus wider.
In seinem Gesamtüberblick zur Festungsarchitektur in Bayern erläutert Daniel Burger die einzelnen Bestandteile einer Festung und beschreibt das Aussehen der verschiedenen Befestigungsmanieren in ihrem historischen Kontext. Der Autor stellt 24 bedeutende Anlagen auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes vor, unter ihnen die Feste Coburg, die Festung Marienberg in Würzburg, die Festungsstadt Neu-Ulm, die wehrhafte Reichsstadt Nürnberg und die Wülzburg bei Weißenburg. Anhand von Plänen, Luftaufnahmen, historischen und aktuellen Fotos ordnet er jede einzelne Wehranlage in ihrem geschichtlichen und städtebaulichen Zusammenhang ein und beschreibt die Besonderheiten ihrer Architektur.
Daniel Burger: Festungen in Bayern. Verlag Schnell + Steiner, Regensburg 2008. ISBN 978-3-7954-1844-1, 208 S., 16,90 Euro.
Rezension: Julia Ricker
Wohnen in der alten Stadt
Wohnen in der Stadt ist wieder im Gespräch: Nachdem seit Ende des 18. Jahrhunderts immer neue hochwertige Wohnviertel außerhalb der Stadtmauern entstanden und deshalb die Attraktivität der historischen Stadt absank, beobachtet man seit den 1970er Jahren eine Rückkehr in die Zentren der Städte bzw. in stadtnahe Bereiche, in denen vielfach exklusiver Wohnraum errichtet wird.
Ein Autorenteam von Stadtplanern, Architekten, Historikern und Soziologen hat eine bis ins 16. Jahrhundert zurückreichende Geschichte des gehobenen städtischen Wohnens in Deutschland und Europa erarbeitet und schlägt damit einen Bogen von den Bürgerhäusern in den freien Reichsstädten bis hin zu aktuellen Projekten wie der Hafencity in Hamburg.
Tilman Harlander (Hrsg.): Stadtwohnen. Geschichte, Städtebau, Perspektiven. Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg, und Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007. ISBN 978-3-421-03560-8, 400 S., 49,95 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann
Historische Städte in Deutschland
Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung und des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung hat die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in Deutschland seit 2004 eine wissenschaftliche Erhebung des Gesamtbestands an "historischen Stadtkernen und Stadtbereichen mit besonderer Denkmalbedeutung in der Bundesrepublik Deutschland" durchgeführt, deren Ergebnisse jetzt im Band "Historische Städte in Deutschland" veröffentlicht sind. Anlass für den Auftrag war die Ausdehnung des Förderprogramms Städtebaulicher Denkmalschutz auf die westlichen Länder im Jahr 2009.
Dieser Bestandsaufnahme liegen Definitionen und Kriterien zugrunde, die dem aktuellen fachlichen Diskussionsstand entsprechen. Getrennt nach Bundesländern wurden sowohl historische Stadtkerne als auch altstädtische Teilbereiche, planmäßige Stadterweiterungen des 19./20. Jahrhunderts, Siedlungen, Garten- und Satellitenstädte des 20. Jahrhunderts sowie großflächige Industriebereiche, Kasernenanlagen, Krankenanstalten und Kurgebiete aufgenommen.
Historische Städte in Deutschland. Stadtkerne und Stadtbereiche mit besonderer Denkmalbedeutung. Eine Bestandserhebung. Städtebauliche Denkmalpflege. Berichte zu Forschung und Praxis der Denkmalpflege in Deutschland. Erarbeitet von der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland, Wiesbaden 2010. Michael Imhof Verlag Petersberg. ISBN 978-3-86568-646-6, 110 S., 14,95 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann
Im Lichte der Erneuerung
August Hermann Franckes (1663-1727) Schulstadt von 1698, die bald zu einer Einrichtung europäischen Ranges in der Zeit der Frühaufklärung avancierte, feierte im vergangenen Jahr ein ganz besonderes Jubiläum: 20 Jahre Wiederaufbau der Franckeschen Stiftungen in Halle. "Dieser Ort", so war anlässlich des Besuchs von Bundesinnenminister Thomas de Maizière zu hören, "zeigt besonders deutlich, was die Einheit gebracht hat." Der aufwendig bebilderte Katalog "Gebaute Utopien" diskutiert die Rolle der Schulstadt Franckes insbesondere vor dem Hintergrund der Geschichte europäischer Stadtentwürfe. Zwei Jahre recherchierte man in Archiven, Bibliotheken und Sammlungen in Europa und den USA für die Jahresausstellung, die im Herbst 2010 zu Ende ging. Die acht Hauptessays des Kataloges, beispielsweise "Die Zukunft der Stadt in der Frühen Neuzeit" oder "Protestantische Siedlungs- und Stadtgründungen in Europa und Nordamerika im 18. und 19. Jahrhundert", erschließen über die Franckeschen Stiftungen hinaus viele weitere Themenfelder - eine entdeckungsreiche Bilanz über einen Ort, an dem heute wieder kulturelle Bildung auf höchstem Niveau praktiziert wird.
Holger Zaunstöck (Hrsg.): Gebaute Utopien: Franckes Schulstadt in der Geschichte europäischer Stadtentwürfe. Katalog zur Jahresausstellung der Franckeschen Stiftungen vom 8. Mai bis 3. Oktober 2010. (Kataloge der Franckeschen Stiftungen, 25). Halle (Saale) 2010. ISBN 978-3-447-06336-4, 264 S., 203 Abb., 24 Euro.
Rezension: Catharina Winzer
Alfred Grenander und Berlin
Ein Schwede hat wie kaum ein anderer das Bild der wachsenden Metropole Berlin in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts geprägt: der Architekt und Designer Alfred Grenander (1863-1931). Schließlich kennt wohl jeder Berliner seine Bauten, gestaltete er doch fast alle in dieser Zeit entstandenen U-Bahnhöfe mit ihren kraftvoll farbigen und sanft schimmernden Fliesendekors.
Weniger bekannt ist dagegen, dass Alfred Grenander auch beeindruckende Industriebauten, Landhäuser, Raumausstattungen und Möbel entwarf und so neben Peter Behrens, Alfred Messel und Hermann Muthesius zu den Hauptvertretern der Architekturreform vor dem Ersten Weltkrieg zählt. Der kürzlich erschienene Band "Ein Schwede in Berlin", der die Ergebnisse eines Forschungsprojekts am Fachgebiet Kunstgeschichte der TU Berlin und einer Tagung vom Februar 2007 zusammenfasst, präsentiert das vielfältige Werk, dessen herausragende Stellung zudem durch Aufsätze namhafter Autoren, die einen Überblick dieser wichtigen Phase der beginnenden Moderne geben, herausgearbeitet wird.
Christoph Brachmann und Thomas Steigenberger (Hrsg.): Ein Schwede in Berlin. Der Architekt und Designer Alfred Grenander und die Berliner Architektur (1890-1914). Didymos-Verlag, Korb 2010. ISBN 978-3-939020-81-3, 568 S., 79 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann