Monumente Online

Ausgabe: Oktober 2010

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Kulturelle Einflüsse auf Architektur und Kunst

(c) R. Rossner / (c) R. Rossner Streiflicht

Denkmal in Not

Die Stauferburg Magenheim ist in Gefahr

Zunächst war es nur ein wenig Regen, der nach einem Schauer auf den Dachboden der Burg Magenheim in Cleebronn tropfte. Einige Wochen später mussten bereits zwei Wannen herbeigeschafft werden, um das Wasser aufzufangen. Doch das ganze Ausmaß der dramatischen Schäden wurde erst sichtbar, nachdem das Dach in diesem Sommer geöffnet worden war.

Schädlinge wie der Holzbock und der Echte Hausschwamm haben sich eingenistet. Das durchfeuchtete hölzerne Dachtragwerk ist in vielen Bereichen zerstört und muss ersetzt werden. Manche Balken fehlen ganz, so dass die Konstruktion ins Wanken geraten und der Dachstuhl zum Teil nicht mehr tragfähig ist. 450.000 Euro wird die Restaurierung mindestens kosten.

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Seit Sommer 2010 ist Burg Magenheim eingerüstet. Großbildansicht

Wenn die Schäden nicht rasch und umfassend behoben werden, steht es trotz der bereits durchgeführten Sicherungsmaßnahmen um eine der bedeutendsten noch erhaltenen Wohnburgen aus der Stauferzeit nicht zum Besten. Ihre Eigentümer Renate Brigitta und Frank Ferdinand von Lamezan haben einen beträchtlichen Teil ihres Privatvermögens in die Sanierung gesteckt. In 15 Bauabschnitten wurde das Gebäude vom Keller bis zum Obergeschoss instand gesetzt und damit privat und öffentlich voll nutzbar gemacht, wurden 60 Fenster und die Umfassungsmauern restauriert.

Das Ehepaar von Lamezan ist der heutige Eigentümer in einer langen Besitzer-Kette und empfindet sich als "derzeitige Sachwalter" der Burg, die hoch über dem württembergischen Städtchen Cleebronn thront. Um sie der Nachwelt, dem Ort und dem Land Baden-Württemberg zu erhalten, erwarben sie sie 1992 und errichteten 2007 die "Kulturstiftung Burg Magenheim", die von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz treuhänderisch verwaltet wird. Die Burg soll - so haben es die von Lamezans verfügt - in die Deutsche Stiftung Denkmalschutz übergehen.

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Renate Brigitta Freifrau von Lamezan sieht sich und ihren Mann als "derzeitige Sachwalter" der Burg. Großbildansicht

Tausende von Baudenkmalen würden nicht mehr existieren, wenn sich nicht engagierte Menschen mit ihrer ganzen Kraft und mit ihrem gesamten Vermögen dafür einsetzten, sie der Nachwelt zu erhalten. Auch das Ehepaar von Lamezan zählt zu diesen Visionären, die an die Zukunft eines Gebäudes glauben, weil sie Achtung vor der Leistung unserer Ahnen haben.

In diesem Fall vor den Herren von Magenheim, die im 12. und 13. Jahrhundert zu den einflussreichsten und vornehmsten Rittern im Zabergäu zählten. Man stößt auf ihren Namen im Umfeld der Bischöfe von Speyer und Worms, der Pfalzgrafen bei Rhein und sogar des Könighofs. Ob Kaiser Barbarossa, wie gern erzählt wird, wirklich zu Gast auf Burg Magenheim war, konnte bislang nicht bewiesen werden, ist aber wegen der Bedeutung des Rittergeschlechts durchaus wahrscheinlich.
Die Magenheimer förderten das wirtschaftliche, soziale sowie kulturelle Leben in ihrem Herrschaftsbereich, sie stifteten ein Frauenkloster und erbauten einige Kirchen. Aus der Familie ging auch ein bedeutender Baumeister und Bildhauer hervor: Zeisolff II., der das Paradies - die Vorhalle - des Klosters Maulbronn um 1230 geschaffen hat. Weil das Wappen der Magenheimer mit den beiden gegenläufigen Viertelmonden an Konsolen im Bischofsgang des Magdeburger Doms, in der Ebracher Michaelskapelle und an anderen Orten zu finden ist, kann man davon ausgehen, dass Zeisolff auch dort gearbeitet hat. Ein weiterer Künstler aus dem Mittelalter, dessen Name uns heute noch geläufig ist, steht ebenfalls in Beziehung zu der Burg: der Minnesänger Gottfried von Neifen, dessen Schwester Maria 1275 Ulrich von Magenheim heiratete.

Ab 1210 bauen sich die Ritter auf einem Bergsporn in "Klebern", dem heutigen Cleebronn, einen stattlichen, steinernen Palas. In den folgenden 200 Jahren muss die Familie nach und nach ihre Ländereien verkaufen, und das Geschlecht stirbt 1410 mit dem Tod Heinrichs von Magenheim aus.

Die weiteren Jahrhunderte sind durch häufige Besitzerwechsel geprägt, wobei das Anwesen immer wieder an das Haus Württemberg fällt. Wichtige Spuren haben die Herren von Liebenstein hinterlassen, die die Burg 1592-1657 im Stil der Zeit umbauten, sowie die Cleebronner Familien Böhringer und Schlösser, die in den 1930er Jahren bzw. zum Stauferjahr 1977 wichtige Sanierungsmaßnahmen durchführten.

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Hoch über dem Ort Cleebronn thront Burg Magenheim. Großbildansicht

Von der Gesamtanlage, die von den Dorfbewohnern liebevoll als "Cleebronner Schlössle" bezeichnet wird, ist lediglich die Kernburg erhalten. Das unterhalb liegende ehemalige Schafhaus ist das einzige noch vorhandene Wirtschaftsgebäude.

Nach wie vor wird der Besucher vom kühn aufragenden Palas mit seinem beeindruckenden Renaissance-Giebel begrüßt, den der württembergische Hofbaumeister Georg Behr (um 1527-1600) schuf. Über eine doppelbogige Brücke, die den Halsgraben überspannt, und das gotische Eingangstor erreicht man den Burghof. Er ist im Süden und Westen von mächtigen Stützmauern umgeben und wird außerdem vom Palas und einer Remise begrenzt.

Im idyllischen Burghof, in dem ein riesiger Kastanienbaum Schatten spendet und rote Rosen am Mauerwerk ranken, haben schon viele Brautpaare bei schönem Wetter zum Empfang geladen, denn im Palas befindet sich eine Außenstelle des Cleebronner Standesamtes. Ganz in der Tradition der Herren von Magenheim und genauso erfolgreich beleben die von Lamezans mit solchen und anderen Veranstaltungen die Burg und den Ort. Bürgermeister Thomas Vogl nennt das Ehepaar daher auch "ein Geschenk für Cleebronn".

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In der Kapelle finden Trauungen und Konzerte statt. Großbildansicht

Zu den Konzerten der "Vier Jahreszeiten" kommen Besucher aus Nah und Fern. Bekannte Künstler treten dort ebenso auf wie unbekannte, die die Burgbesitzer gerne fördern. Und die Cellistin Renate Brigitta Freifrau von Lamezan nimmt an Aufführungen mit ihren Ensembles teil. Das Sommerkonzert findet bei trockener Witterung im Schlossgarten mit Pavillon außerhalb des Burggeländes statt. Bei ungemütlichem Wetter wird in der Kapelle des Palas konzertiert, die auf der Empore auch über eine Orgel verfügt.

"Als wir die Burg erwarben", erzählt Freifrau von Lamezan, "war die Kapelle mit ihrer einmaligen Brettstapeldecke in fünf Zimmer unterteilt und war baufällig." Doch sie erkannte das Potential dieses Raumes und was daraus werden könnte. So erging es ihr auch mit dem angrenzenden ehemaligen Stall, aus dem eine gemütliche Burgschenke wurde.

Belebt wird die Burg aber nicht nur durch Konzerte, Führungen, insbesondere für Schulklassen, und private Festivitäten. In der Kapelle finden Vorträge über die Staufer, Minnegesang und die geschichtliche sowie kunstgeschichtliche Bedeutung der Burg statt. Auf großes Interesse stoßen auch die Forschungsarbeiten Freifrau von Lamezans, über die sie regelmäßig berichtet.

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Beim Öffnen des Daches wurde das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar. Großbildansicht

Schwerpunkt ihrer bald 40-jährigen Feldforschung in 15 Ländern sind Spanien und Schweden, wo sie bronzezeitliche und ältere Steingravuren in Form von Abreibungen auf Papier (Frottagen) dokumentierte und damit den heutigen Oberflächenzustand der alten Vermächtnisse in Stein sichtbar machte. Die beiden Hauptmuseen Vitlycke und Underslös im schwedischen Tanum/Bohuslän haben bereits Frottagen Frau von Lamezans übernommen und damit ins UNESCO-Welterbe integriert. Sie ist weiterhin mit Vorträgen und Ausstellungen aktiv. Neben diesen wissenschaftlichen Arbeiten und dem Konzertieren (Violoncello und Orgel) pflegt Freifrau von Lamezan ihren erkrankten Mann und treibt schwungvoll die derzeitige große Baumaßnahme voran.

Die Arbeiten wurden - und dies ist durchaus üblich bei einem Baudenkmal - immer wieder durch Unvorhergesehenes begleitet. Es ist deshalb auch nicht sicher, ob die errechneten Mittel für die Sanierung des Daches ausreichen. Die Schäden wurden durch Feuchtigkeit verursacht, die auch durch Löcher in den Dachziegeln eindringen konnte. Man hatte sie im vorigen Jahrhundert bei der Installation einer Blitzschutzanlage gebohrt und mit Mörtel verschlossen, der im Laufe der Zeit ausgewaschen wurde.

Seit das Gerüst steht, weiß man, in welch schlechtem Zustand sich das historische Gebäude immer noch befindet. Außerdem muss befürchtet werden, dass die Anbindung der Schweifgiebel an den Dachstuhl mangelhaft ist. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat zwar Mittel aus den ihr zufließenden Erlösen der Lotterie GlücksSpirale zugesagt, und auch das Land Baden-Württemberg wird helfen. Dennoch muss ein hoher Anteil der Kosten von den Eigentümern selbst aufgebracht werden. Und das Ende der Restaurierung von Burg Magenheim ist noch nicht in Sicht.

Daher bitten wir um Spenden für dieses wertvolle Denkmal, das trotz des unermüdlichen Engagements der jeweiligen "Sachwalter" immer noch in Not ist.

Carola Nathan

Informationen:
Kulturstiftung Burg Magenheim, Tel. und Fax 07135/1 41 54  

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