Monumente Online

Ausgabe: August 2010

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Macht und Repräsentation im Barock

(c) R. Rossner Streiflicht

"Wat doch dat Leben för’n Wessel hett!"

Das Prinzenhaus in Plön

Heute, wo sich das Prinzenhaus auf dem Plöner Schlossareal längst zu einer bedeutenden Adresse im kulturellen Leben entwickelt hat, kann man sich kaum vorstellen, dass am ersten bundesweiten Tag des offenen Denkmals 1993 gerade einmal fünf Besucher zu einer Führung von Silke Hunzinger durch den Schlossgarten und das Prinzenhaus kamen. Sie, die heute Denkmalpflegerin des Kreises ist, hatte gerade ihre Magisterarbeit über den Plöner Schlossgarten beendet und darin erstmals umfassend dargestellt, welches Kleinod des Rokoko das von außen eher unscheinbare Prinzenhaus birgt.

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© R. Rossner
Die Gartenfront des Prinzenhauses Großbildansicht

Doch in Plön und Umgebung war das offenbar in Vergessenheit geraten, weil die Räume über viele Jahrzehnte für die Öffentlichkeit weitgehend unzugänglich waren. Seit den 1920er Jahren wohnten hier Schüler der Internatsschulen, die im großen Schloss ihren Sitz hatten: Staatliche Bildungsanstalt von 1920 bis 1933, danach bis 1945 Nationalpolitische Erziehungsanstalt, ab 1946 Staatliches Internat des Landes Schleswig-Holstein.

Große Aufmerksamkeit erregte das Gebäude dagegen in der Zeit von 1896 bis 1910, denn in diesen Jahren drückten die Söhne Kaiser Wilhelms II. hier die Schulbank. Zu diesem Zweck war das spätbarocke Gartenhaus, das der Herzog Friedrich Carl von Sonderburg-Plön vor etwa 250 Jahren errichten ließ, aufwendig umgebaut worden. Erst seitdem trägt es den Namen "Prinzenhaus".

Plön war 1623 Residenz des Herzogtums Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön geworden. In den Jahren 1633-36 errichtete man oberhalb des Großen Plöner Sees das imposante Schloss, das mit seinen markanten Giebelreihen weithin sichtbar das Städtchen bekrönt. 1729 übernahm der 23-jährige Herzog Friedrich Carl die Regierung. Gestützt auf seine absolute Macht und getrieben von patriarchalischer Fürsorge für seine Untertanen, begann er sofort mit einer Vielzahl von für ganz Schleswig-Holstein vorbildlichen Reformen.

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Der zweistöckige Gartensaal mit der Musikempore ist reich verziert. Der Stuck stammt von Bartholomeo Bossi. Großbildansicht

Doch mehr noch ist Herzog Friedrich Carl durch seine Bautätigkeit in Plön hervorgetreten. Auf dem Plateau westlich des Schlosses ließ er ab 1730 einen großen Barockgarten anlegen. In dessen Zentrum entstand 1744-51 ein Lustschlösschen, das Große Gartenhaus, errichtet vom Plöner Hofbaumeister Johann Gottfried Rosenberg (1709-79), der gleichzeitig auch für den Bau des Marstalls und der Reithalle an der zwischen Schloss und Barockgarten gelegenen Reitbahn verantwortlich war. Vorbild für die Maison de Plaisance, ein Meisterwerk des Spätbarock, war das Jagdschloss Falkenlust in Brühl bei Köln, erbaut 1729-37 nach Plänen des Münchner Hofbaumeisters François Cuvilliés.

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© ML Preiss
Der Flora-Saal über dem Vestibül. Das Deckengemälde des Hofmalers Johanan Philipp Bleiel zeigt den Triumph der Flora, die Supraporten allegorische Darstellungen der Künste und Wissenschaften. Großbildansicht

Der Glanzpunkt des Lustschlösschens ist der zweistöckige reich mit Stuck verzierte Gartensaal, den man durch ein Vestibül betritt. Beidseitig schließen sich Kabinette an. Die obere Etage glänzt mit dem Flora-Saal über dem Vestibül, von dem aus man die Musikempore des Saals betreten kann. Von dieser Empore erklangen einst Werke Georg Philipp Telemanns und der Komponisten Friedrichs des Großen, Franz Benda und Johann Gottlieb Graun.

Die Kabinette des Obergeschosses nutzte das Herzogspaar als Wohnräume. Entgegen der sonst vorherrschenden Symmetrie war der Zugang zum Schlafzimmer ursprünglich in einem Seitenraum versteckt. Denn ebenso wie das gleichzeitig erbaute Schloss Sanssouci in Potsdam diente das Gartenhaus nicht nur der Repräsentation sondern vor allem auch dem Rückzug ins Private.

Mit seiner Ehefrau Christine Armgard von Reventlow hatte Herzog Friedrich Carl keine männlichen Nachkommen. Deshalb setzte er 1756 den dänischen König Friedrich V. zu seinem allgemeinen Erben ein. Das Herzogtum gehörte dann von 1761 bis zum Deutsch-Dänischen Krieg 1864 zu Dänemark, ab 1866 zu Preußen. 1868 zog eine preußische Kadettenanstalt im großen Schloss ein.

In den 1840er Jahren verwandelte der Plöner Hofgarteninspektor Christian Schaumburg den Garten in einen Landschaftspark, der aber die barocke Grundstruktur mit ihren Blickachsen beibehielt. Das Gartenhaus wurde bis 1871 privat bewohnt, danach erhielt es der Kadettenpfarrer als Dienstwohnung.

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© ML Preiss
Das Marmorkabinett heute: Die Wände bestehen aus Stuckmarmor, auf den Gemälden sind Schäferszenen und Stillleben zu sehen. Großbildansicht

1895 setzte plötzlich Bautätigkeit am Gartenhaus ein. Aufgeregt meldeten die Plöner Zeitungen, dass die Söhne des Kaisers in Plön erzogen werden sollten. Zwei Gründe waren wohl für die Wahl dieses Ortes ausschlaggebend: die Herkunft der Kaiserin Auguste Viktoria aus Schleswig-Holstein und der Wunsch des Kaiserhauses, das so lange dänisch regierte Land fester an das Reich zu binden.

Schon am 18. April 1896 zogen der 1882 geborene Kronprinz Wilhelm und sein ein Jahr jüngerer Bruder Eitel Friedrich unter großem Jubel der Bevölkerung ins Prinzenhaus ein - ein "fürstlich-festlicher" Tag für Plön, wie sich ein Mitschüler der beiden erinnert. Nach und nach folgten auch die anderen vier Söhne Kaiser Wilhelms, als letzter legte Prinz Joachim im September 1910 hier sein Abitur ab.

 (c)  Stadtarchiv Plön
© Stadtarchiv Plön
Das Marmorkabinett als Unterrichtsraum der Kaiserprinzen Großbildansicht

Die Unterrichtsräume waren in den unteren Kabinetten des ehemaligen Lustschlosses eingerichtet, der Gartensaal diente als Speisesaal. Im Parterre der 1895/96 entstandenen Seitenflügel wohnten die Kaisersöhne, außerdem gab es in den Anbauten Lehrerwohnungen, Wirtschaftsräume und sanitäre Einrichtungen. Der ursprüngliche Treppenaufgang wurde herausgenommen, im neuen Südflügel entstand ein repräsentatives Treppenhaus und im Nordflügel eine Nebentreppe für die Dienerschaft.

Doch nicht nur am Prinzenhaus war gebaut worden: An der Eisenbahnstrecke am Seeufer entstand eine eigene Prinzenstation, die es insbesondere der Kaiserin ermöglichte, ihre Söhne ohne großes öffentliches Aufsehen zu besuchen. Der Mitschüler Gustav Hillard - selbst Zögling der Kadettenschule - erinnert sich: War Auguste Viktoria angekündigt, wurde stets ein über dem Kamin des südlichen Kabinetts hängendes Gemälde verhüllt, das sie für anstößig hielt. Es zeigte das Urteil des Paris mit den nur spärlich bekleideten Göttinnen.

Leider ist dieses Gemälde ebenso verschollen wie die Büsten aus den beiden Kabinetten im Erdgeschoss, die Allegorien der vier Jahreszeiten sowie der vier Elemente darstellten. Ein Teil der Porträtsammlung mit Bildnissen des Herzogspaares, des dänischen Königspaares und weiterer befreundeter Ehepaare, die im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf verwahrt waren, ist aber als Dauerleihgabe ins Prinzenhaus zurückgekehrt.

 (c)  Stadtarchiv Plön
© Stadtarchiv Plön
Eine Kutschfahrt der Prinzen vor der Gartenfassade Großbildansicht

Die zahlreichen Stimmen, die gleich nach Schließung der Prinzenschule die Besorgnis aussprachen, dass der Glanz des Hauses mit seinem nahezu unveränderten Rokoko-Kern verlorengehen könne, blieben weitgehend ungehört. Und so zeigte sich das Gebäude nach dem Auszug des Mädcheninternats 1997 äußerst vernachlässigt. Unzählige Farbschichten beeinträchtigten die Wirkung der Stuckdekorationen, Vandalismus tat ein Übriges. Fenster und Türen des Erdgeschosses mussten mit Holz gesichert werden.

Das Land Schleswig-Holstein suchte zunächst nach einem Investor für das Prinzenhaus. Die Bewerber boten aber keine Garantie für eine denkmalpflegerisch korrekte Sanierung und Nutzung. Deshalb wandte man sich an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die das Haus und den umgebenden Garten Anfang 2000 in ihren Besitz nahm.

 (c)  R. Rossner
© R. Rossner
Stuckdetail aus dem Gartensaal. Großbildansicht

In enger Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Kreis Plön sowie dem Landesdenkmalamt wurde das Prinzenhaus saniert und restauriert. Am 16. Mai 2003 war es dann soweit: Mit einer Eröffnungsfeier bei strahlendem Wetter wurde das Haus der Öffentlichkeit übergeben.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz übertrug an diesem Tag auch das Nutzungsrecht an den Verein Prinzenhaus zu Plön e. V. Häufig finden nun in den stimmungsvollen Räumen Konzerte, Lesungen, Empfänge und Ausstellungen statt, außerdem können sich hier Paare trauen lassen. Eine Dauerausstellung im Nordflügel veranschaulicht die spannende Geschichte des Hauses. Sie zeigt, wie in den historischen Räumen gelebt wurde und wie sich der jeweilige Zeitgeist in der Ausstattung widerspiegelte.

"Herzogslusthus toerst ick wär - denn kömen Kaiserprinzen her - toletz wär ick noch Kriegslazarett wat doch dat Leben för'n Wessel hett."

Dieses holprige Gedicht zierte einst einen Gutschein der Stadt Plön im Wert von 75 Pfennigen, der 1921 als Notgeld ausgegeben wurde. Über dem Text war das Prinzenhaus abgebildet. Wie würde der plattdeutsche Dichter wohl heute sein Gedicht fortsetzen? Sicher wäre er glücklich, dass aller "Wessel" - Wechsel - zu einem guten Ende geführt hat.

Dorothee Reimann

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