Die halbe Welt - so schien es - war am zweiten Septemberwochenende in Lüneburg auf den Beinen. Und kam in den Genuss, eingerahmt von properen Giebelhäusern und bekrönt von mächtigen Backsteinkirchen, Geschichte rund herum zu erleben. Man hätte sich für den neuen Schirmherrn unser Stiftung, Bundespräsident Christian Wulff, keinen passenderen Ort zur bundesweiten Eröffnung des "Tags des offenen Denkmals" vorstellen können als den Marktplatz vor einem der schönsten deutschen Rathäuser. Die Sonne zeigte, dass sie die sommerliche Strahlkraft noch nicht verloren hatte und tauchte Lüneburg und seine rund 1.400 Denkmale in ein Vorzeigelicht. In Sonntagslaune war Christian Wulff gemeinsam mit seiner Frau Bettina und dem zweijährigen Sohn Linus angereist, um sich bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für das 25-jährige Engagement zu bedanken, durch das Tausende historische Gebäude gerettet und restauriert wurden.
Unterwegs in die Geschichte
Bundespräsident Christian Wulff eröffnete den Tag des offenen Denkmals in Lüneburg
Sehr gerne habe er die Schirmherrschaft übernommen, betonte Wulff, und er wolle zur Arbeit unserer Stiftung und der vielen ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürger sowie der öffentlichen Hand seinen Teil beitragen, damit sich alle Kräfte für den Denkmalschutz bündelten. Denn dieser, so fügte er hinzu, werde weiterhin ein fortwährender Kampf sein, auch gegen Unkenntnis und leere Kassen.
Das Festzelt am Markt zog die Menschen wie ein Magnet an. Interessiert vernahmen viele der fast 20.000 Besucher die Botschaften und Appelle des Bundespräsidenten, des Oberbürgermeisters der Hansestadt, Ulrich Mädge, der Ministerin für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen, Professor Dr. Johanna Wanka, sowie des Präsidenten des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege, Dr. Stefan Winghart, und des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Professor Dr. Dr.-Ing. E. h. Gottfried Kiesow. Der "Tag des offenen Denkmals" stand 2010 unter dem Motto "Kultur in Bewegung - Reisen, Handel und Verkehr". Bundesweit gab es in mehr als 2.600 Städten und Gemeinden 7.500 Denkmale zu erkunden, die normalerweise verschlossen sind.
Als 1860 die Eisenbahnlinie Hamburg-Lehrte eingerichtet wurde, verwaiste der Lüneburger Hafen. Heute sind sowohl der Kran als auch die damals revolutionären Dampflokomotiven Denkmale einer vergangenen Epoche.
Den geschichtlichen Wandel mit seinen Brüchen und Rissen im Blick erlebten mehr als 4,5 Millionen Menschen bei ihren Spaziergängen durch die Alt- und Innenstädte, durch Speicher und Lagerhallen, zu Schiffen und stillgelegten Straßenbahnen.
Während sich die Menschen im ganzen Land ein Bild von der Vielfalt des gebauten Erbes machten, klang im Lüneburger Rathaus die offizielle Veranstaltung aus. Den dort anwesenden, freiwillig im Denkmalschutz Engagierten gab der Bundespräsident zum Abschluss aufmunternde Worte mit auf den Weg: Einer wissenschaftlichen Studie zufolge leben Ehrenamtliche länger, weil sie Freude an dem haben, was sie tun.
Christiane Schillig



