Die verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieg verzögerten über drei Jahrzehnte das baukünstlerische Schaffen in Deutschland. Doch dann leisteten die deutschen Baumeister Großes, indem sie dem Stil des Barock eine eigene Färbung gaben und ihn zur Vollendung brachten. In dieser Ausgabe zeigen wir Ihnen einige Beispiele barocker Baukunst aus dem Förderprogramm der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und berichten, wie die Denkmale den Zusammenbruch des Reichs 1803 und die Zeit bis heute überstanden haben.
Barock steht nicht nur für einen Kunstbegriff, sondern für eine Lebenswelt. Mit dem Westfälischen Frieden erhielten die Fürsten der vielen deutschen Staaten Landeshoheit in allen weltlichen und geistlichen Angelegenheiten. Ihre Souveränität wurde nur durch ihre Treuepflicht gegenüber Kaiser und Reich eingeschränkt.
Doch der drastische Bevölkerungsrückgang, die stagnierende Wirtschaft und der fehlende Anschluss an den atlantischen Welthandel machte es den Fürsten der Klein- und Kleinststaaten unmöglich, einen funktionierenden Regierungsapparat aufzustellen.
Daher bemühten sich die weltlichen und geistlichen Landesfürsten umso eifriger, den großen europäischen Nachbarn ihre politische Selbständigkeit zu demonstrieren, indem sie die Prachtentfaltung des Hofs von Versailles und des Wiener Kaiserhofs nachahmten. Für die Baukunst blieben weiterhin Kirche und Aristokratie die wichtigsten Mäzene und Auftraggeber. Neben zahlreichen kirchlichen und klösterlichen Neubauten entstanden Schlösser, Stadtpalais und Verwaltungsgebäude, da die vorhandenen Bauwerke nun nicht mehr den Ansprüchen und der ausschweifenden Freude am Aufwand entsprachen, die die Landesherren als ihre noble Passion, als ihre Standespflicht ansahen.
Vor allem in Größe und Pathos, im Zusammenspiel von strenger Ordnung und tiefer Bewegtheit in der Formensprache drückte sich ihr Streben nach Repräsentation aus.
So ist das Schloss in Rastatt ein beredtes Zeugnis dafür, wie sich der Baden-Badener Markgraf Ludwig Wilhelm, der berühmte "Türkenlouis", ehrgeizig auf Augenhöhe mit dem französischen Sonnenkönig stellte.
Oder Balthasar Neumann: Er gehört zu der Generation Baumeister und Künstler des Barock, die nicht aus Italien, Frankreich oder Österreich geholt wurden. Neumanns Auftrageber war die Familie von Schönborn, die hohe geistliche Würdenträger im Reich stellte. Mit ihm gemeinsam arbeitete sie große Planungen aus, die, wie in Würzburg, nicht nur einzelne Bauwerke, sondern ganze Stadtanlagen betrafen.
Das frühbarocke Schloss Friedenstein in Gotha hingegen wurde bereits im Dreißigjährigen Krieg begonnen und sollte hinter seiner schmucklosen Gestalt alle Elemente - von Münzstätte bis Bibliothek - eines souveränen Staates in sich vereinen. Denn Barock und Absolutismus umfassten nicht nur politische Selbstdarstellung und Architektur, sondern auch die bildende Kunst, Bildung, Literatur, Theater und Musik, kurz die gesamte Lebensgestaltung der höfischen Gesellschaft.
Auch wenn begüterte Bürger und der Landadel den Vorbildern nacheiferten, waren die bäuerlichen und bürgerlichen Schichten von der Lebensform des Barock kaum betroffen. Außer in Religion und Glaubensfragen - hier war der Einfluss beider Konfessionen groß, was sich bis in die kleinste Dorfkirche auswirkte.
Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht Ihnen die Monumente Online-Redaktion
Christiane Rossner














