Museumsinsel wieder komplett
Seit dem 16. Oktober 2009 kann das Neue Museum in Berlin wieder besichtigt werden. Zu sehen sind die Antikensammlung und die Sammlungen des Museums für Vor- und Frühgeschichte sowie des Ägyptischen Museums, darunter die berühmte Büste der Königin Nofretete. Damit stehen nach fast siebzig Jahren wieder alle fünf Häuser der Berliner Museumsinsel für Besucher offen.
Das Neue Museum, zwischen 1843 und 1855 von Friedrich August Stüler errichtet, war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Der seit 1986 vorbereitete Wiederaufbau begann 1999 nach Plänen des britischen Architekten David Chipperfield. Die vorhandene Substanz wurde sorgsam bewahrt und modern ergänzt.
Zur Eröffnung erschien ein Architekturführer, der das Gebäude in seiner alten und neuen Schönheit erklärt. Der Autor, Adrian von Buttlar, hat als Vorsitzender des Landesdenkmalrats Berlin den Wiederaufbau des Museums in den vergangenen Jahren kritisch begleitet.
Adrian von Buttlar: Neues Museum Berlin. Architekturführer. Hrsg.: Staatliche Museen zu Berlin. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2009. ISBN 978-3-422-06889-6, 104 S., 12 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann
Ferdinand von Quast und die Denkmalpflege
Eine Schlüsselrolle in der Geschichte der deutschen Denkmalpflege kommt Ferdinand von Quast (1807-77) zu, der 1843 zum Konservator der Kunstdenkmale in Preußen ernannt wurde. Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen wollte er diese nicht grundsätzlich verändern, sondern er versucht vielmehr, das Überkommene so gut wie möglich zu bewahren. Beispiele wie die Trierer Basilika und die Stiftskirche in Gernrode am Harz stehen dafür. Aber auch die mittelalterliche Dorfkirche in Berlin-Pankow, deren Abriss er verhindern konnte. Für ihre notwendig gewordene Erweiterung machte er detaillierte Vorschläge, die dann von Friedrich August Stüler vorbildlich umgesetzt wurden.
Ein vom Berliner Landesdenkmalamt herausgegebener Band fasst Beiträge zu Ferdinand von Quast zusammen, die 2007 anlässlich seines 200. Geburtstages entstanden und ein umfassendes Bild von seinem Wirken zeichnen.
Auch die Denkmalpflege hat Geschichte. Ferdinand von Quast (1807-1877), Konservator zwischen Trier und Königsberg. Beiträge zur Denkmalpflege in Berlin, Band 29. Landesdenkmalamt Berlin. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2008. ISBN 978-3-86568-376-2, 124 S., 19,95 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann
Schlösser und Gärten in Brandenburg
Seit 1991 veröffentlicht der Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e.V. Monographien über Schloss-, Guts- und Parkanlagen in Brandenburg. Es werden vor allem die weniger bekannten Ensembles wie in Zernikow (Einen Artikel zum Thema lesen Sie hier...), Steinhöfel und Paretz. Jede Publikation widmet sich ausführlich einem Objekt anhand von Grundrissen, historischem und neuerem Fotomaterial sowie ausführlichen Texten.
Der Freundeskreis, der mit seiner Arbeit das brandenburgische Landesdenkmalamt materiell und ideell unterstützt, möchte mit dieser Publikationsreihe auf gefährdete und manchmal auch verwahrloste Anlagen aufmerksam machen, die noch saniert werden müssen. Sein Engagement wurde 2003 mit dem Brandenburgischen Denkmalpflegepreis gewürdigt.
Die Monografien kosten je nach Umfang drei oder vier Euro, die zweisprachigen in deutsch-polnisch 6 Euro. Zu bestellen beim Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark.
Rezension: Carola Nathan
Das Landleben eines Königs
Johann Heinrich Lehnert war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Pfarrer im Dorf Falkenrehde, das heute zu Ketzin in Brandenburg gehört. Es liegt nur wenige Kilometer von Paretz entfernt, wo sich der preußische König Friedrich Wilhelm III. und seine Frau Luise ab 1797 vom Architekten David Gilly eine einfache Schlossanlage errichten ließen. Dort verbrachten sie jeweils im Spätsommer unbeschwerte Tage.
Lehnert, der dem König zum Vertrauten wurde, skizziert in seinem 1845 das erste Mal und 2001 in einer Neuauflage erschienenen Büchlein die Geschichte des Haveldorfes Paretz. Er schildert aber vor allem das Leben, das Friedrich Wilhelm III. dort mit Luise und später mit seiner zweiten Frau Auguste Gräfin Liegnitz abseits des strengen Hofzeremoniells verbrachte. Der Monarch galt als menschenscheu und introvertiert, das recht ungezwungene Leben in Paretz scheint jedoch auch Einfluss auf seine Gemütsverfassung gehabt zu haben. Die Episoden, die Johann Heinrich Lehnert erzählt, zeugen davon.
Johann Heinrich Lehnert: Das Leben Friedrich Wilhelms III, König von Preußen in Paretz. Märkischer Verlag, Wilhelmshorst 2001. ISBN 978-3-931329-29-7, 90 S., 15 Euro.
Rezension: Carola Nathan
Spätgotische Profanbaukunst – Nicht länger Stiefkind der Forschung
Im Oktober 2006 fand auf Schloss Sachsenburg bei Frankenberg ein Symposium über den Schlossbau in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Mitteldeutschland statt. Die Vorträge von 18 Wissenschaftlern - Kunsthistorikern, Historikern und Restauratoren - liegen seit 2007 als ansprechend bebilderter Tagungsband mit vielen erstmals publizierten, neuen Erkenntnissen vor. Im Mittelpunkt steht die Albrechtsburg in Meißen als Inkunabel der spätmittelalterlichen bzw. frühneuzeitlichen Schlossbaukunst in Deutschland und als Bau- und Kunstdenkmal von europäischem Rang. Die Aufsätze konzentrieren sich auf die Zeitspanne, in der der Schöpfer der Albrechtsburg, Arnold von Westfalen, in Sachsen führender Baumeister war und an vielen Stellen seine Spuren hinterließ. Das Kolloquium diente dazu, Forschungslücken zu füllen, indem die Kunstgeschichte Obersachsens genauer beleuchtet wurde.
Schlossbau der Spätgotik in Mitteldeutschland. Hrsg.: Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen in Zusammenarbeit mit dem Kuratorium Schloss Sachsenburg e. V. und der Deutschen Burgenvereinigung e.V., Landesgruppe Sachsen. Michel Sandstein Verlag, Dresden 2007. ISBN 978-3-940319-23-4, 192 S., 25 Euro.
Rezension: Christiane Schillig