Gebauter Himmel auf Erden
Zwischen 1150 und 1250 gab es im Rheinland einen wahren Bauboom: Die zahlreichen romanischen Kirchen zwischen Mosel, Maas und Niederrhein sind an Größe, Schönheit und Experimentierfreude kaum zu überbieten.
Im vorliegenden Prachtband des Kunsthistorikers Jürgen Kaiser werden nach einer ausführlichen Einleitung über die Entwicklung des romanischen Kirchenbaus im Rheinland etwa 50 Bauwerke im Einzelnen vorgestellt. Neben Köln mit seinen 12 großen romanischen Kirchen sind Gotteshäuser zwischen Essen, Aachen und Limburg vertreten - glanzvoll in Szene gesetzt von den Fotografien Florian Monheims.
Jürgen Kaiser: Romanik im Rheinland. Fotografiert von Florian Monheim. Greven Verlag, Köln 2008. ISBN 978-3-7743-0419-2, 240 S., 48 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann
Kundig geführt – mit Knopf im Ohr
Menschen mit Audioguides sind heute in Museen keine Seltenheit. Der Verlag Kunst+Reise greift diesen Trend auf und gibt eine Reihe von Hörführern heraus, die Besucher durch so unterschiedliche Denkmale wie die Dome von Speyer, Worms, Köln, Mainz und Magdeburg, durch das römische Trier und das Obere Mittelrheintal, aber auch über den Potsdamer Platz in der Mitte Berlins, durch die Stuttgarter Weißenhof-Siedlung, das Berlin Schinkels oder die Gärten von Pillnitz begleiten. Bei den zuletzt erschienenen Ausgaben wird die CD durch ein reich bebildertes Büchlein ergänzt. Man kann die Hörführer aber auch im Internet herunterladen.
Barbara Borngaesser: Schloss Pillnitz und seine Gärten. Fernöstliches Flair am Elbufer. Verlag Kunst+Reise, Bad Homburg 2008. ISBN 978-3-940825-08-7, CD: 68 min, Buch: 64 S., 19,80 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann
Geschichte der bildenden Kunst in Deutschland
Mit der Geschichte der bildenden Kunst in Deutschland legt der Prestel Verlag das erste vollständige Nachschlagewerk zur deutschen Kunstgeschichte vor. Mit einem solchen Vorhaben hatte man bereits in den 1980er Jahren in der DDR begonnen, es wurde nach der Wiedervereinigung aber nicht weitergeführt. Die Konzeption entstand ab 2004 in der Folge eines Symposiums an der Universität Köln. Die Herausgeber - allesamt ausgewiesene Fachleute für die jeweilige Epoche - waren sich dabei durchaus bewusst, dass nur ein europäischer Blick zum Erfolg führt und dass kulturelle Zusammenhänge - und nicht politische Gebilde - im Mittelpunkt stehen müssen.
Gleichzeitig zu der mit Leineneinband, Lederrücken und Schmuckschuber sehr edlen Ausgabe des Prestel Verlags erscheinen alle Bände auch beim Deutschen Taschenbuch Verlag als Paperback. Die einzelnen Bände des Prestel Verlags kosten jeweils 140 Euro, die des DTV 80 Euro. Für die Gesamtausgabe von 8 Bänden gibt es beim DTV einen Subskriptionspreis von 520 Euro (bis 31. Januar 2010).
Band I: Karolingische und Ottonische Kunst. Hrsg.: Bruno Reudenbach. 2009, ISBN 978-3-7913-3118-8 (Prestel) bzw. 978-3-423-34301-5 (DTV - ab Mitte November 2009 im Buchhandel).
Band II: Romanik. Hrsg.: Susanne Wittekind. 2009, ISBN 978-3-7913-3119-5 (Prestel) bzw. 978-3-423-34302-2 (DTV).
Band III: Gotik. Hrsg.: Bruno Klein. 2007, ISBN 978-3-7913-3120-1 (Prestel) bzw. 978-3-423-34303-9 (DTV).
Band IV: Spätgotik und Renaissance. Hrsg.: Katharina Krause. 2007, ISBN 978-3-7913-3121-8 (Prestel) bzw. 978-3-423-34304-6 (DTV).
Band V: Barock und Rokoko. Hrsg.: Frank Büttner, Meinrad von Engelberg, Eckhard Hollmann und Stephan Hoppe. 2008, ISBN 978-3-7913-3122-5 (Prestel) bzw. 978-3-423-34305-3 (DTV).
Band VI: Klassik und Romantik. Hrsg.: Andreas Beyer. 2006, ISBN 978-3-7913-3123-2 (Prestel) bzw. 978-3-423-34306-0 (DTV).
Band VII: Vom Biedermeier zum Impressionismus. Hrsg.: Hubertus Kohle. 2008, ISBN 978-3-7913-3124-9 (Prestel) bzw. 978-3-423-34307-7 (DTV).
Band VIII: Vom Expressionismus bis heute. Hrsg.: Barbara Lange. 2006, ISBN 978-3-7913-3125-6 (Prestel) bzw. 978-3-423-34308-4 (DTV).
Rezension: Dorothee Reimann
Die Wertheims – eine Warenhausdynastie
Die Anfänge der Wertheims waren bescheiden: 1852 eröffneten sie ein kleines Modewarengeschäft in Stralsund. Erst der Sprung nach Berlin bescherte ihnen einen rasanten Aufstieg, der durch die Nationalsozialisten jäh gebremst wurde.
Erika Fischer und Simone Ladwig-Winters zeichnen das Leben der Familie Wertheim von den Anfängen als fahrende Händler bis zum Tod Georg Wertheims im Jahr 1939 nach und ziehen Parallelen zum allgemeinen jüdischen Leben in Deutschland. In einem Epilog erzählen sie von der späten Wiedergutmachung, die die in den Vereinigten Staaten lebenden Wertheim-Erben erfuhren.
Erica Fischer, Simone Ladwig-Winters: Die Wertheims. Geschichte einer Familie. Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek 2004. ISBN 978-3-499-62292-2. 284 S., 9,95 Euro.
Rezension: Carola Nathan
Warenhausarchitektur
Die Wertheim-Warenhäuser gehörten bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zu den prachtvollsten Gebäuden Berlins. Die Pläne stammten von Alfred Messel, der als Wegbereiter der modernen Architektur in Deutschland gilt.
Robert Habel stellt in seiner Dissertation, die in der vom Landesdenkmalamt Berlin herausgegebenen Reihe "Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin" erschienen ist, die drei Wertheim-Warenhäuser in der Leipziger der Rosenthaler und der Oranienstraße vor. Er geht außerdem auf die Ursprünge der Warenhäuser ein, beschreibt Leben und Werk Alfred Messels sowie dessen Zusammenarbeit mit der Familie Wertheim. Ein Verzeichnis mit allen Werken Messels rundet die umfangreiche Dissertation ab.
Robert Habel: Alfred Messels Wertheimbauten in Berlin. Der Beginn der modernen Architektur in Deutschland. Gebr. Mann Verlag, Berlin 2009. ISBN 978-3-7861-2571-6. 824 S., 118 Euro.
Rezension: Carola Nathan
Rückzug in die Idylle
Mit Schloss und Park Freudenhain in Passau wird erstmals einer größtenteils verlorenen Parklandschaft, die die weitgefächerten Möglichkeiten der Kunst um 1790 zeigt, und einem Schlossbau am Ende barocker Bautradition eine ausführliche Darstellung gewidmet. In Freudenhain vereint sich Aufklärung und Empfindsamkeit, und die spärlichen Überreste der Parkarchitekturen erzählen außerdem von Geheimnissen aus der Welt der Freimaurer. Der Autor Wolfram Hübner, der dieses umfangreiche Werk als Dissertation an der Universität Regensburg vorlegte, setzt sich mit seinen Forschungen dafür ein, dass sowohl der Park als auch das Schloss und die erhaltenen Gebäude der Holländischen Plantage nicht aus dem Gedächtnis verschwinden und dauerhaft geschützt werden.
Wolfram Hübner: Schloss und Park Freudenhain in Passau (1786-1795) und die Vorgängerbauten in Hacklberg. Grüne Reihe - Quellen und Forschungen zur Gartenkunst, Band 26, Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2007. ISBN 978-3-88462-252-0, 358 S., 89 Euro.
Rezension: Christiane Schillig