Monumente Online

Ausgabe: Oktober 2009

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Architektur zum Genießen

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Editorial

Architektur war zu allen Zeiten mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Vitruv, ein römischer Baumeister und Schriftsteller aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert, sah in der Architektur drei Prinzipien verwirklicht: die Stabilität (Firmitas), die Nützlichkeit (Utilitas) und die Anmut (Venustas). Auch wenn seine Aufteilung noch immer gültig ist, rückte die Zweckmäßigkeit zumindest seit Beginn des 20. Jahrhunderts in den Vordergrund. In dieser Ausgabe der MONUMENTE Online möchten wir uns einmal besonders dem dritten Vitruv´schen Aspekt widmen, der Anmut. Die künstlerische Seite der Architektur ist natürlich die umstrittenste und deshalb vielleicht die spannendste. Unter dem Motto "Bauen für alle Sinne" gehen viele Beitrage von den Eindrücken und Gefühlen der Betrachter, Besucher und Bewohner der vorgestellten Bauwerke aus.

Architektur kann Genuss für viele Sinne bedeuten, ist oftmals Inszenierung, ruft Entzücken, Gruseln, Demut und Freude hervor. Sie bestimmt unser alltägliches Leben mindestens ebenso wie Musik, Literatur oder Malerei, weil moderne Menschen nahezu ununterbrochen von Gebautem umgeben sind.

Ein Beitrag dieser Ausgabe widmet sich der Entwicklung von Warenhauspalästen. Sie sind so konzipiert, die Besucher durch ihre prächtigen, einladenden Lichthöfe zum Bleiben und zum Kaufen zu animieren. Man durchwandert verschiedene Abteilungen, schnuppert an Parfums und Cremes, kostet edle Schokoladen, probiert Kleider aus feinen Stoffen an. Erfolgreiche Warenhäuser nehmen Kunden mit allen Sinnen gefangen. Ein Fest für die Sinne in einer ganz anderen Art kann auch ein Aufenthalt in den Kaiserbädern auf Usedom sein. Die frische Seeluft und das Meeresrauschen ergänzen sich mit der schön anzusehenden Villenarchitektur zu einem stimmigen Erlebnis.

Ein wunderbares Beispiel dafür, dass der Mensch sich gern dem schönen Schein hingibt, ist die katholische Pfarrkirche St. Martini im fränkischen Wiesentheid. Dem Besucher wird eine gewaltige Kuppelkirche des Barock vorgegaukelt, die den Besucher noch heute das Staunen lehrt.

Lassen auch Sie sich von einer Welt der Illusionen verführen - die nicht immer die Welt des Zirkus sein muss - und werfen Sie ein paar Blicke in unsere neue Ausgabe.

Christiane Schillig
Redaktion Monumente Online

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