Ulrich Bauer-Bornemann wollte eigentlich Industriedesign studieren. Weil er aber eine abgeschlossene kunsthandwerkliche Lehre benötigte, um sich an der Ulmer Hochschule für Gestaltung einschreiben zu können, ließ er sich zunächst zum Steinbildhauer ausbilden. Das hat er nie bereut. Schon seine Lehre schloss er Ende der 1960er Jahre als Kammersieger, Landessieger und schließlich zweiter Bundessieger ab. Bauer-Bornemann entdeckte seine Liebe zu historischen Originalen. Draußen und im Atelier kopierte, meißelte, schliff und konservierte er Figuren und Schmuckformen. Darunter gab es so wertvolle Kunstwerke wie das Fürstenportal des Bamberger Doms.
Mit Gefühl und Präzision
Der Peter-Parler-Preis wurde verliehen
Jetzt wurde Bauer-Bornemann mit dem Peter-Parler-Preis ausgezeichnet. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) und der Bundesinnungsverband Deutscher Steinmetze vergeben die Auszeichnung alle zwei Jahre für herausragende Leistungen. Bauer-Bornemann und der Geschäftsführer seiner Fachfirma für Konservierung und Restaurierung, Wolfgang Schmidt, überzeugten die Jury einstimmig.
Ihr Respekt galt der ganz besonders kniffligen Aufgabe der Bauherren: sie sollten die zentrale Doppelwendeltreppe im Jagdschloss Platte rekonstruieren. Das auf einem Taunuskamm gelegene Schloss aus dem frühen 19. Jahrhundert ist seit einem Bombenangriff 1945 Ruine und hatte 2003 ein neues Glasdach erhalten. Die freischwingende Treppe aus Mainsandstein jedoch lag noch in Trümmern. Die meisten Stufen waren abhanden gekommen.
Für die atemberaubende Konstruktion, die einem Entwurf von Leonardo da Vinci nachempfunden sein soll, nahmen sich Bauer-Bornemann und Schmidt drei Monate Zeit. Sie sicherten letzte Fragmente und bezogen sie in die neue Treppe ein. Dies erforderte ein großes Maß an Fachwissen und viel Erfahrung, die sich Ulrich Bauer-Bornemann im Laufe der Jahrzehnte angeeignet hatte. Aus seinem Einmannbetrieb in Bamberg ist mittlerweile eine Firma mit 70 Mitarbeitern geworden.
Leider nahmen an der Ausschreibung zum Peter-Parler-Preis 2009 weniger Steinbildhauer als sonst teil. Tröstlich war aber die durchgängig hohe Qualität der eingereichten Arbeiten. Auf der Natursteinmesse "Stone+tec" in Nürnberg wurden vier Geldpreise, drei Belobigungen und ein Persönlichkeitspreis vergeben.
Für das nächste Mal wünscht sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz eine größere Beteiligung der selbständigen Steinmetzmeister und Bildhauer. Schließlich sind sie es, die unser Kulturgut mit ihren geschickten Händen bewahren.
Die Preisträger
Den ersten Preis (7.000 Euro) erhalten Ulrich Bauer-Bornemann und Wolfgang Schmidt, Bauer-Bornemann GmbH, Bamberg, für die Wiederherstellung der Treppe im Jagdschloss Platte bei Wiesbaden.
Den zweiten Preis (4.000 Euro) erhält Eduard Schnell aus Fridingen für die Arbeiten an der evangelischen Stadtkirche in Sigmaringen.
Den dritten Platz (dotiert mit je 2.000 Euro) teilen sich Armin Hellstern von der Armin Hellstern GmbH, Freiburg, für die naturstein-restauratorischen Arbeiten am Münster St. Stephan in Breisach und Thomas Kessler, Diplom-Restaurator (FH), Steinmetz & Bildhauer, Stangenroth, für die Restaurierung des Kreuzweges in Burckardroth.
Belobigungen
Constantin Baki, Esslingen, für die Restaurierung des Galateabrunnens in Stuttgart
Stefan Haustein, Bennert GmbH, Hopfgarten, für die Sanierung des Turms der Peterskirche zu Leipzig
Werner Paetzke für die Fassadensanierung an der barocken Kirche St. Joseph in Hamburg
Christiane Schillig







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