Deutsche Werkstätten Hellerau
Die Vielzahl von Veranstaltungen zum 90-jährigen Bestehen des Bauhauses rücken das Jubiläum eines Ortes in den Hintergrund, an dem schon 10 Jahre zuvor richtungsweisende Ideen zur Gestaltung von Architektur und Gebrauchsgegenständen sowie zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse umgesetzt wurden - die Gartenstadt in Dresden-Hellerau.
Von den Zielen der englischen Gartenstadtbewegung inspiriert, gründete der Möbelfabrikant und Mitinitiator des Deutschen Werkbundes Karl Schmidt vor 100 Jahren die im Norden Dresdens gelegene Wohnsiedlung. Sie verfügte über Gemeinschafts- und Kultureinrichtungen und nahm als wesentlichen Bestandteil die Deutschen Werkstätten auf, womit eine Einheit von Wohnen und Arbeit entstand, die von den Idealen der Lebensreform geprägt war. Architekten wie Richard Riemerschmid, Hermann Muthesius und Heinrich Tessenow entwarfen die unterschiedlichen Wohnbauten des Ortes und die Fabrikationshallen. Den Anspruch, ästhetisch und qualitativ hochwertige Möbel kostengünstig herzustellen, verfolgte man in den Deutschen Werkstätten mit der Verbindung von Handwerk und serieller Produktion. Einen Gegenpol bildet am nördlichen Rand der Gartenstadt das 1912 nach den Plänen Tessenows errichtete Festspielhaus, dessen funktionale Bauweise richtungsweisend für die Moderne war. In den 1920er Jahren erreichte es als Stätte einer Tanz- und Rhythmikschule internationale Bekanntheit. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat sich 1994/95 an Notsicherungsmaßnahmen am Dach und an dem Ostflügel des Festspielhauses beteiligt, durch die der endgültige Verlust des Gebäudes verhindert werden konnte. Darüber hinaus half die Stiftung im Jahr 2000 bei der Restaurierung des zu den Deutschen Werkstätten gehörenden Pförtnerhäuschens.
Auf den Internetseiten der Deutsche Werkstätten Hellerau GmbH kann man dem "Mythos Hellerau" nachspüren und sich - auch anhand von faszinierenden Bildern - über die Ideen und Personen der Gründerjahre informieren. Daneben präsentiert sich das heutige Unternehmen ganz in der 100-jährigen Tradition und stellt seine aktuellen Projekte und Produkte vor, die zum Teil auch aus Neuauflagen der Klassiker aus den Deutschen Werkstätten bestehen.
Julia Ricker



