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Ausgabe: Juni 2009

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Handwerkskunst und Serienproduktion

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Bücher

Ausgabe Juni 2009

Frauen des Bauhauses

In diesem Jahr erinnern mehrere Ausstellungen und Publikationen an die Gründung des Staatlichen Bauhauses vor 90 Jahren. Manches von dem, was in diesem Zusammenhang auf dem Bücher- und Zeitschriftenmarkt erscheint, ist nicht neu und basiert auf der Literatur der letzten Jahre. Um so überraschender ist ein Buch über die Frauen, die am Bauhaus unter der Leitung von Walter Gropius studierten, lehrten oder als Ehefrauen der Bauhausmeister die Ideen des Bauhauses in die Welt trugen.
Die Autorin Ulrike Müller hat sich in Archive begeben, hat in Briefen und Nachlässen geforscht und dabei einflussreiche künstlerische Arbeiten von 20 ungewöhnlichen Frauen ans Tageslicht geholt. Es ist das große Verdienst der Autorin, mit ihrem Buch ein unbekanntes Bauhaus-Kapitel aufzuschlagen, das lange in Vergessenheit geraten war. Denn das Bauhaus wollte eben keinen neuen Stil hervorbringen, sondern gesellschaftspolitische Verantwortung übernehmen: Dementsprechend nahmen auch viele Frauen des Bauhauses eine selbstbewusste Haltung ein - und erhielten 1933 Berufsverbot. Sechs der 20 vorgestellten Künstlerinnen wurden in Konzentrationslagern ermordet, andere überlebten den Zweiten Weltkrieg unter schwierigsten Bedingungen.
Der Bauhausgründer Walter Gropius strebte 1919 eine Reform des gesamten Lebens an, er wollte Leben und Arbeiten, Handwerk und Kunst, Theorie und Praxis miteinander verbinden. Als er die Studiengänge und die Werkstätten für Möbel, Keramik, Weberei, Druckgrafik, Wandmalerei, Glas- und Metallgestaltung ausdrücklich auch für weibliche Studierende öffnete, ahnte er nicht, wie viele Frauen sich um einen Studienplatz bewarben. Gropius befürchtete, der hohe Frauenanteil könne dem Ruf der avantgardistischen Schule schaden und warnte vor "kunstgewerblichen Dilettantismus". Auch seine Bauhausmeister wollten die wertvollen Werkstattplätze mit ihren männlichen Studierenden besetzt wissen. Deshalb erschwerte die Leitung kurzerhand die Aufnahmebedingungen für Frauen und schickte die Studentinnen bevorzugt in die wenig angesehene "frauengerechte" Handweberei. Doch es stellte sich heraus, dass es vor allem die Frauen waren - die Weberinnen, Keramikerinnen, Bühnenbildnerinnen, Architektinnen, Fotografinnen, Möbel- und Metalldesignerinnen - die stärker noch als ihre männlichen Kollegen das finanzielle Überleben der innovativen Kunstschule im Blick behielten: Selbst oft bettelarm, gelang es den Künstlerinnen, die vom Bauhaus geforderte, finanziell lukrative Nutzbarmachung ihrer künstlerischen Entwürfe für die industrielle Serienproduktion zu erreichen. Das gilt besonders für die Weberei, die sie zu einer der produktivsten Werkstätten mit großem kommerziellen Erfolg entwickelten.
Wer mehr über das bewegte Leben und Schaffen der 20 Künstlerinnen wissen will, dem sei das Buch von Ulrike Müller wärmstens ans Herz gelegt. Vorgestellt werden: Anni Albers, Gertrud Arndt, Otti Berger, Helene Börner, Marianne Brandt, Friedl Dicker, Ilse Fehling, Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Ise Gropius, Gertrud Grunow, Florence Henri, Margarete Heymann-Loebenstein-Marks, Ida Kerkovius, Lucia Moholy, Benita Otte, Lilly Reich, Lou Scheper-Berkenkamp, Alma Siedhoff-Buscher, Grete Stern, Gunta Stölzl.

Ulrike Müller: Bauhaus-Frauen. Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design. Elisabeth Sandmann Verlag, München 2009. ISBN 978-3-938045-36-7, 160 Seiten, 29,95 EUR.
Rezension: Angela Pfotenhauer

Bauhaus alphabetisch

Die meisten der Frauen im oben beschriebenen Buch findet man im gerade bei Seemann erschienenen Bauhaus-Lexikon wieder. In etwa 500 Stichworten werden hier neben den Namen von Bauhaus-Lehrern und -Schülern und deren Biografien auch von ihnen geschaffene Gebäude, Kunstwerke, Gebrauchsgegenstände und Produktentwürfe zusammengefasst. Ein Überblick entsteht nicht nur durch die zahlreichen Querverweise, sondern auch durch 20 ausführliche Artikel, die den einzelnen Themenkreisen dieser vor 90 Jahren in Weimar gegründeten Institution gewidmet sind. Obwohl das Bauhaus nur 14 Jahre Bestand hatte, gelang es Lehrern und Schülern, Kunst und Design nachhaltig zu verändern, versammelte sich doch hier die Avantgarde der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

SEEMANNs Bauhaus-Lexikon. Hrsg.: Hajo Düchting. E. A. Seemann Verlag, Leipzig 2009. ISBN 978-3-86502-203-5, 352 S., 35 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann

Knopf im Ohr

Als Margarete Steiff 1880 die ersten acht Stofftiere für den Verkauf herstellte, hat sie sich vermutlich nicht träumen lassen, welchen rasanten Aufschwung ihre Firma in den folgenden Jahrzehnten nehmen würde. Bis heute wird in Giengen an der Brenz Spielzeug hergestellt - immer noch in den Hallen, die Margaretes Neffe Richard Anfang des 20. Jahrhunderts entworfen hat.
Das erfolgreichste Produkt der Margarete Steiff GmbH ist zweifelsohne der ebenfalls von Richard Steiff entwickelte Teddybär mit den beweglichen Gliedmaßen. Zum 100. Geburtstag dieses beliebten Plüschtieres wurde seine Geschichte von der Geburtsstunde bis zum Sammlerstück aufgeschrieben. In dem über 180 Seiten reich bebilderten Buch räumt der Autor mit den Legenden auf, die um die Namensgebung des Teddys kreisen.
Vom selben Autor stammt das 2005 erschienene Buch zum 125. Firmenjubiläum der Margarete Steiff GmbH. Dort sind die bescheidenen Anfänge der beeindruckenden Unternehmerin und ihrer Familie dargestellt und die Chancen sowie Herausforderungen, denen sich die Firma stellen musste. Ein Kapitel ist dem "Jungfrauenaquarium" gewidmet, den von Richard Steiff entworfenen lichtdurchfluteten Fabrikgebäuden, in denen zunächst vorwiegend unverheiratete Schneiderinnen und Näherinnen arbeiteten.

Günther Pfeiffer: 100 Jahre Steiff Teddybären. Das Original seit 1902. HEEL Verlag GmbH, Königswinter 2001. 184 S., 39,90 Euro. ISBN 978-3-89880-023-5.
Günther Pfeiffer: 125 Jahre Steiff Firmengeschichte. Die Margarete Steiff GmbH. HEEL Verlag GmbH, Königswinter 2005. 192 S., 39,95 Euro. ISBN 978-3-89880-387-8
Rezension: Carola Nathan

Bauen im Bestand

In den letzten Jahrzehnten verloren viele Bauten des Industriezeitalters ihre ursprüngliche Funktion. Oft von hohem architektonischen und sozialgeschichtlichen Wert stehen zahlreiche von ihnen unter Denkmalschutz und warten darauf, in unserer Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft neu genutzt zu werden. Im kürzlich erschienenen zweiten Band der Edition Bauhandwerk stellen Collin Klostermeier und Thomas Wieckhorst, beide Redakteure der Zeitschrift Bauhandwerk, 13 herausragende Beispiele von Sanierungen und Umnutzungen ehemaliger Fabrik- und Speichergebäude - vor allem zu Büros und Wohnungen - ausführlich vor.
Im 2006 erschienenen 1. Band der Edition widmeten sich die beiden Autoren Objekten aus acht Jahrhunderten Architekturgeschichte. An 28 Beispielen werden die jeweils spezifischen Probleme und Ergebnisse der Sanierung und Restaurierung dargestellt. Einbezogen sind Bauten verschiedenster Funktionen und Stilrichtungen - vom gotischen Altenberger Dom und dem Biblischen Haus in Görlitz über barocke und klassizistische Bürgerhäuser, die Alte Nationalgalerie auf der Berliner Museumsinsel und van de Veldes Villa Esche in Chemnitz bis hin zu Bauten der Klassischen Moderne und Nachkriegsarchitektur. Ziel war in allen Fällen eine den heutigen Bedürfnissen entsprechende Nutzung.

Collin Klostermeier und Thomas Wieckhorst: Umbauen, Sanieren, Restaurieren. 28 Gebäude aus 8 Jahrhunderten. Edition Bauhandwerk Bd. 1, Bauverlag, Gütersloh 2006. ISBN 978-3-7625-3612-3, 328 S., 59,90 Euro.
-: Fabriken und Speicher neu genutzt. 13 industrielle Gebäude mit neuer Funktion. Edition Bauhandwerk Bd. 2. Bauverlag, Gütersloh 2009. ISBN 978-3-7625-3613-0, 176 S., 49,90 Euro.
Rezension: Dorothee Reimann

Medizinhistorischer Stadtführer München

Gemeinhin fährt der Kulturreisende, selbst der Architekturinteressierte, nicht in andere Städte, um sich dort Krankenhäuser anzuschauen. Auch in der eigenen Stadt nähern sich die meisten diesen Gebäuden - verständlicherweise - nur wegen der beruflichen Pflicht, aus gesundheitlichem Zwang oder einem unumgehbaren Besuchs-Muss zufolge. Dabei gibt es unter den Kliniken und allgemein den gesundheitlichen Einrichtungen architektonisch Attraktives zu entdecken - und vieles ist folgerichtig unter Denkmalschutz gestellt. Unter diesen Denkmalen finden sich nicht nur bekannte Anlagen wie die seit 300 Jahren zu einem eigenen Stadtteil gewachsene Charité in Berlin oder die Universitätsklinik in Hamburg-Eppendorf, sondern seit 2008 mit dem Klinikum Aachen beispielsweise auch neuere Einrichtungen. Der High-Tech-Bau aus den Jahren 1971-85 schockiert viele noch heute mit seinem futuristischen, fabrikartigen Entwurf, der das Innere nach Außen kehrt und die fortschreitende Technik radikal zum Ausdruck bringt.
München zeigt unter den Krankenanstalten keine solche Kompromisslosigkeit. Im Gegenteil: Wer den 2008 erschienenen Medizinhistorischen Stadtführer München in die Hand nimmt und einem - oder allen fünf - der vorgeschlagenen Rundgänge durch die Innenstadt folgt, dem fällt auf, wie prägend und meist auch ästhetisch eingebunden diese Zweckbauten im Stadtbild sind. Die mit zahlreichen Abbildungen versehene, detaillierte und durchdacht angeordnete Zusammenstellung der mit der Heilkunde verbundenen Bauten öffnet die Augen für einen speziellen, aber wesentlichen Aspekt der Stadt und dafür, wie sehr Medizingeschichte zur Geschichte einer Stadt dazugehört. Die Autoren Wolfgang Burgmair und Wolfgang Locher haben dabei bis weit in die Anfänge der Medizingeschichte Münchens zurückgegriffen: Pest- und Waisenhäuser, mittelalterliche Spitäler und Bäder werden in den informativen Kurztexten genauso vorgestellt wie die neueren Gebäude des im 19. Jahrhundert angelegten Klinikviertels.
Der Medizinhistorische Führer München wird sicherlich Nachfolger für andere Städte finden. Denen allerdings wäre ein Architektenverzeichnis zu wünschen - ohne die angenehme Handlichkeit des Buches strapazieren zu wollen.

Wolfgang Burgmair und Wolfgang Locher: Medizinhistorischer Stadtführer München. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2008. ISBN 978-3-89870-378-9, 160 S., 19,90 Euro.
Rezension: Beatrice Härig

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