Meisterhäuser in Dessau
Das Bauhaus wird in diesem Jahr 90 Jahre alt. Der von Walter Gropius gegründeten Hochschule für Gestaltung kommt in der Geschichte von Architektur, Design und Kunst des 20. Jahrhunderts eine besondere Stellung zu. Die pädagogisch innovative Ausbildungsstätte war Produktionsort und versammelte gleichzeitig herausragende Architekten und Künstler der Zeit. Aus den Bauhauswerkstätten gingen Entwürfe hervor, die auf eine funktionale und ästhetische Gestaltung zielten - von der Lampe bis zum Wohnhaus wurden sie für die industrielle Massenproduktion entwickelt.
Die Geschichte des Bauhauses verlief nicht geradlinig: Wechsel der Leitung und der Lehrenden, künstlerische Einflüsse von außen und die politische Situation bewirkten einen stetigen Wandel. 1925 erfolgte der Umzug der Kunstgewerbeschule von Weimar nach Dessau. In der Nähe des von ihm entworfenen Bauhausgebäudes ließ Walter Gropius ein Direktorenhaus sowie drei Meisterhäuser als Unterkunft für die Professoren bauen, die gleichzeitig Musterhäuser für modernes Wohnen waren. Bauherr war die Stadt Dessau, die Bauhausmeister wohnten zur Miete. Kubische Formen, Flachdächer und große Fensteröffnungen sind die besonderen Kennzeichen dieser Bauten. Einen Kontrast zur strahlend weißen Außenarchitektur bildet die farbenfrohe Dekoration der Innenräume. Besonders faszinierend ist die Gestaltung der Wohnräume von Wassily Kandinsky und Paul Klee, die nach den Vorgaben beider realisiert wurde und mit ihrem künstlerischen Werk in Verbindung zu setzen ist. Noch heute sind das Doppelhaus von Kandinsky und Klee, das von Oskar Schlemmer und Georg Muche sowie die Haushälfte von Lyonel Feininger erhalten. Die Haushälfte von Laszlo Moholy-Nagy und das Direktorenhaus von Walter Gropius wurden 1945 zerstört. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat 1994 und 1999 die Restaurierung der Häuser Feininger und Kandinsky/Klee finanziell gefördert.
Die Internetseiten der Stiftung Bauhaus Dessau informieren anschaulich über die bewegte Geschichte der sieben Häuser und ihre ersten Bewohner. In einem umfangreichen Bildarchiv findet man historische Ansichten der einzelnen Gebäude und erhält durch aktuelle Aufnahmen, die nach den jüngsten Restaurierungsmaßnahmen entstanden sind, einen besonders guten Eindruck von der ursprünglichen farblichen Gestaltung und Ausstattung der einzelnen Wohnungen.
Julia Ricker



