Monumente Online

Ausgabe: Dezember 2008

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Kulturdenkmale im Wandel

(c) Dioezesanmuseum Rottenburg / (c) Roland Rossner Kleine Kulturgeschichte

Gottes Mann auf Erden

Der heilige Josef in der Kunst

Er hält Wache, er schürt das wärmende Feuer, er kocht und wäscht, aber im entscheidenden Moment sind Ochse und Esel näher am Geschehen als er. Josef, der Mann Marias, ist bei der Geburt Christi in die zweite Reihe verbannt. Trotzdem gibt es in der christlichen Überlieferung keinen vorbildlicheren Ehemann und Vater als Josef, den Zimmermann. Er ist der von Gott Erwählte, der Maria und Jesus umsorgt und beschützt. Oberhaupt einer Familie, die noch nicht einmal als seine eigene zu bezeichnen ist. Denn seine junge Verlobte Maria wurde schwanger, er jedoch hatte das Kind nicht mit ihr gezeugt.

 (c)  AKG Images Berlin, Erich Lessing
© AKG Images Berlin, Erich Lessing
1403 zeigt Conrad von Soest auf dem Wildunger Altar, wie Josef sich hingebungsvoll als Koch betätigt. Großbildansicht

Eine schwierige Situation - auch für Maria, die von seinem guten Willen abhängig war. Nur an wenigen Stellen wird Josef in den Evangelien von Matthäus und Lukas mit knappen Worten erwähnt. Er spielt eine Nebenrolle im Neuen Testament, und als historische Person ist er kaum noch fassbar.

Wie bei der Verehrung von Heiligen geläufig, wurden seine Taten, aus denen ein tiefer Glaube spricht, in Kirche und Kunst umso mehr hervorgehoben, so dass Josef, der einfache Mann und Handwerker, zum Patron der katholischen Kirche aufstieg. Bereichert werden die mageren biblischen Berichte durch die sogenannten Apokryphen, Schriften religiösen Inhalts, die nicht zu den kanonischen Büchern der Bibel zählen. Allen voran schmückt das Protevangelium des Jakobus, das nach 150 verfasst wurde, das Leben Marias und damit auch Josefs mit aufschlussreichen Geschichten aus, die zu einer Quelle der Inspiration für Gläubige und Künstler wurden.

So weiß Jakobus zu berichten, dass Josef bereits ein betagter Mann mit erwachsenen Söhnen ist, als Gott ihn zum Nährvater - so sein Ehrentitel in der Kirche - seines Sohnes auserwählt. Maria hingegen wird als Kleinkind den Priestern anvertraut und im Tempel großgezogen. Damit sie das "Heiligtum nicht beflecke", muss sie mit zwölf Jahren verheiratet werden. Zu diesem Zweck werden die heiratsfähigen Männer aufgefordert, Stäbe am Altar niederzulegen. Anhand des Staborakels wollen die Priester den richtigen Ehemann erkennen. Unter den zwölf Freiern erbringt Josefs Stab das Zeichen: Er grünt und blüht, zudem lässt sich eine Taube als göttliche Bestätigung auf seinem Kopf nieder. Damit kann der Hohepriester das Paar verloben, und Josef nimmt Maria bei sich auf.

 (c)  Hans Würdinger
© Hans Würdinger
Familienidylle vermittelt diese barocke Deckenmalerei von 1730 in der ehemaligen Klosterkirche Vornbach am Inn. Die "Heilige Familie" bei der Heimarbeit: Maria näht, Josef schreinert und Jesus fegt die Späne zusammen. Großbildansicht

Als "tekton" ist Josef viel unterwegs. Als er nach sechs Monaten heimkehrt, findet er seine Frau schwanger vor. Da er ein "gerechter" Mann ist, will er sich von ihr in aller Stille trennen und sie nicht öffentlich bloßstellen. Während er überlegt, wie dies zu bewerkstelligen sei, erscheint ihm im Traum ein Engel des Herrn: "Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen." (Mt. 1, 20b-21). Der Baumeister und Zimmermann fügt sich und wird bis an sein Lebensende für Mutter und Kind sorgen.

Seine wichtigste Prüfung steht ihm bei der Volkszählung bevor, die auf Geheiß von Kaiser Augustus durchgeführt wird. Er muss mit der hochschwangeren Maria in seinen Geburtsort Bethlehem reisen. Hierbei weist das Matthäus-Evangelium einen langen und komplizierten Stammbaum aus, der Josef als Nachkommen aus dem Stamme Juda und aus dem königlichen Geschlecht Davids bezeugt - mit dem Ziel, Jesus als den im Alten Testament verheißenen Messias zu legitimieren.

 (c)  Roland Rossner
© Roland Rossner
1891–94 schuf August Martin einen heilsgeschichtlichen Bilderzyklus im Bonner Münster. Links sieht man die Darbringung im Tempel, rechts die Flucht nach Ägypten. Sie wird in den Apokryphen mit weiteren Erzählungen ausgeschmückt. So zerbrechen bei der Ankunft Jesu die Götzenbilder. Großbildansicht
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