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Ausgabe: Dezember 2008

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Kulturdenkmale im Wandel

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Ausgabe Dezember 2008

Eine Landschaft zum Schwärmen

Die Rheinlandschaft hat "ein unersetzliches Panorama, von jedem besungen, der je einen Vers zu schmieden vermochte", befand Heinrich Böll 1960. Und tatsächlich hat manches Lied oder Gedicht seinen Ursprung hier im Oberen Mittelrheintal, denn schon immer übte dieser Landstrich auf Menschen aus der ganzen Welt einen magischen Reiz aus. Bekannte Literaten und Maler haben das Rheintal im späten 18. Jahrhundert als Reiseziel entdeckt. Und so wundert es niemanden, dass die Romantik der Burgen und weinseligen Winzerdörfer entlang des Flusses vielfach gerühmt wurde. Die wohl größte Auszeichnung erhielt die Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal mit der Ernennung zum Weltkulturerbe im Sommer 2002.

Zu einer Reise dorthin lädt der Band "Oberes Mittelrheintal von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz" ein. Er widmet sich unter anderem dem Weinbau, dessen Blütezeit das 13. Jahrhundert war. In dieser Zeit hatte auch der Bau von Burgen Konjunktur. Viele von ihnen sind entlang der sich über 65 Kilometer erstreckenden Kulturlandschaft links und rechts des Rheins zu entdecken. In diesem Band der MONUMENTE edition erfährt man zudem einiges über die Legenden und Mythen, die sich um den Rhein ranken: Der sicher bekannteste Mythos gilt dem "Tal der Loreley", dessen Ursprung in einer kleinen Romanpassage des Dichters Clemens Brentano liegt.

Angela Pfotenhauer (Text) und Elmar Lixenfeld (Fotos): Oberes Mittelrheintal von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz. Hrsg.: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2006. 144 Seiten. Festeinband: ISBN 978-3-936942-77-4, 19,80 Euro; Paperback: ISBN 978-3-936942-76-7, 14,80 Euro.

Rezension: Gisela Sander

Modernes Bauen in historischer Umgebung

Das Baugeschehen in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg führte zumeist zu einem beziehungslosen Nebeneinander von historischer und moderner Architektur. Dieter Oesterlen (1911-94), Gottfried Böhm (geb. 1920) und Karljosef Schattner (geb. 1924) - der Architekt, der seit den 1950er Jahren in Eichstätt tätig war - zählen zu den wenigen, die sich bereits vor dem Denkmalschutzjahr 1975 für einen Dialog zwischen Alt und Neu eingesetzt haben.

In seinem Buch "Bauen in historischer Umgebung" stellt der Kunsthistoriker Frank Dengler nicht nur das umfangreiche Werk dieser drei bedeutenden Baumeister der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor, sondern beschäftigt sich auch eingehend mit ihren jeweiligen Vorbildern und den theoretischen Prinzipien, die diese für den Umgang mit historischer Bausubstanz im Verlauf der Jahrzehnte entwickelt haben.

Frank Dengler: Die Architekten Dieter Oesterlen, Gottfried Böhm und Karljosef Schattner. Studien zur Kunstgeschichte, Bd. 151. Georg Olms Verlag, Hildesheim - Zürich - New York 2003. ISBN 978-3-487-11882-6, 730 S., 98 Euro.

Rezension: Dr. Dorothee Reimann

Josef, der Zimmermann - ein volkstümlicher Heiliger

Wie viele Menschen mögen wohl wissen, dass der heilige Josef seit 1870 der Schutzpatron der katholischen Kirche ist? Bis in unsere Zeit hat der Ehemann Marias und Ziehvater von Jesus eine erstaunliche "Karriere" gemacht. In der Bibel nur an wenigen Stellen mit knappen Worten erwähnt, gewann er seit dem Mittelalter in Kirche und Volksglauben und somit auch in der Kunst ständig an Ansehen und Bedeutung. Dem "Vater aller Väter" hat der Josef Fink Verlag einen unterhaltsamen Bildband für theologisch, literatur- und kunstgeschichtlich Interessierte gewidmet. In 38 Beiträgen analysieren namhafte Autoren nicht nur die biblische Gestalt Josef und zeigen seine Darstellung in der Bildenden Kunst, Literatur und Musik auf, sondern stellen auch an zahlreichen Beispielen von Frömmigkeit und Brauchtum seine Beliebtheit beim Volk vor. Entstanden ist ein kurzweiliges Buch mit großformatigen Abbildungen sowie informativen und besinnlichen Texten.

Der heilige Josef. Theologie, Kunst, Volksfrömmigkeit. Hrsg.: Hans-Otto Mühleisen, Hans Pörnbacher und Karl Pörnbacher. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2008. ISBN 978-3-89870-285-0, 256 S., 250 Abb., 24 Euro.

Rezension: Christiane Rossner

Die Hahnentorburg als Denkmal

Auf der Impressum-Seite prangt neben den bibliographischen Informationen das grün-gelbe Logo der Karnevalsgesellschaft "EhrenGarde der Stadt Köln 1902 e.V.". Nicht ohne Grund, denn die Jecken vom Rhein haben zwei Autoren beauftragt, ein Buch über ihr Vereins-Domizil im Herzen von Köln, die Hahnentorburg, herauszugeben. Kann aus dieser Konstellation ein seriöses Werk entstehen? Es kann, wie Axel Schwarz und Marcus Leifeld - beide fest mit dem Kölner Karneval verbunden, ob aktiv bei der EhrenGarde oder als promovierender Brauchtums- und Stadtforscher - überzeugend bewiesen haben. Zum Abschluss der Restaurierungsarbeiten gaben sie diversen Fachleuten Platz, sachlich und fundiert die Geschichte, die Bedeutung und die Sanierung des wichtigen Kölner Baudenkmals darzulegen. Auf insgesamt 200 Seiten behandeln namhafte Historiker und Kunstgeschichtler, Denkmalpfleger, Architekten und Restauratoren die Hahnentorburg unter verschiedenen Aspekten. Verbunden mit den zahlreichen Abbildungen und der großzügigen Gestaltung des Buches ist damit dem stadtbildprägenden Bauwerk selbst ein Denkmal gesetzt worden.

Die Hahnentorburg. Vom mittelalterlichen Stadttor zum Domizil der EhrenGarde der Stadt Köln 1902 e.V. Hrsg. für die EhrenGarde der Stadt Köln 1902 e.V. von Axel Schwarz und Marcus Leifeld, Köln 2008. ISBN 978-3-00-024835-1, 200 S., 29,90 Euro.

Rezension: Beatrice Härig

Der Stuttgarter Hauptbahnhof

Den "Nabel Schwabens" hatte Paul Bonatz im Sinn, als er 1914-28 den Stuttgarter Hauptbahnhof errichtete. Mit den großen Rundbogenöffnungen und dem weithin sichtbaren Turm sollte der monumentale Bau das Tor der modernen Industriemetropole darstellen. Heute zählt die dreiflügelige Anlage, mit der ihr Schöpfer die Abwendung vom Historismus vollzog, zu den architektonisch bedeutendsten Bahnhöfen des 20. Jahrhunderts. Wenn es allerdings nach den Verfechtern des Projektes "Stuttgart 21" geht, wird von dem Denkmal nicht mehr allzuviel übrig bleiben. Im Zuge der geplanten Neugestaltung der Stadtmitte droht nämlich der Teilabriss.

Da kommt die kürzlich erschienene Monographie gerade recht: Matthias Roser, Bonatz-Experte und Initiator der "Arbeitsgemeinschaft Hauptbahnhof Stuttgart", schildert darin die wechselvolle Geschichte des Bauwerks vom Architektenwettbewerb bis hin zu den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau. Eine gattungsgeschichtliche Einordnung und die kritische Darstellung der neuesten Projekte ergänzen das Buch.

Matthias Roser: Der Stuttgarter Hauptbahnhof. Vom Kulturdenkmal zum Abrisskandidaten? Schmetterling Verlag, Stuttgart 2008. ISBN 978-3-89657-133-5, 152 S., 18,80 Euro.

Rezension: Dr. Bettina Vaupel

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