Monumente Online

Ausgabe: Dezember 2008

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Kulturdenkmale im Wandel

(c) ML Preiss / (c) ML Preiss Leitartikel

Mit wenig Liebe bedacht

Schloss Schötmar braucht Ihre Zuwendung

Wenn die Äste der Stammbäume veröden und die Erbfolge unklar wird, leidet schnell auch der Sitz eines Adelsgeschlechts. Das Rittergut Schötmar in Bad Salzuflen ist eine solche "Familien-Wiege", die im Laufe der Geschichte mehr Aufs und Abs miterleben musste, als ihr guttaten. Immer mal wieder gab es unter den von Donops und Stietencrons tüchtige Männer und Frauen, die den Besitz der Familie vergrößerten. Aber leider lassen sich auch die mageren Jahre am Schloss Schötmar ablesen, denn neben den tüchtigen gab es - wie dies in der Realität eben ist - zwischenzeitlich weniger zielstrebige Erben. Die sporadische Zuwendung konnte man bislang ganz gut überdecken, denn die jeweiligen Eigentümer behoben zumindest die gröbsten Schäden. Aber irgendwann rächt es sich, wenn die kontinuierliche Pflege fehlt.

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Eingebettet in einen großzügigen Park liegt Schloss Schötmar. Großbildansicht

Mittlerweile liegt die große Aufgabe bei der Stadt Bad Salzuflen, die das Schloss kurz nach der Währungsreform ankaufte, sich damit aber übernahm und in Schwierigkeiten geriet. Zu Beginn der 1980er Jahre wurde es notdürftig renoviert und muss jetzt unbedingt grundlegend saniert werden, weil das Dach und besonders die Fenster undicht und manche Grundmauern feucht sind.
Schließlich besuchen jede Woche 650 Schüler die Musikschule im Schloss Schötmar, um sich in klassischer oder in Pop-Musik unterrichten zu lassen. Die Musikschule ist ein echtes "Highlight" und beliebt bei jungen Menschen - Kleinkindern ab zwei Jahren, die am "Musikgarten" teilnehmen und mit ihren Eltern Lieder singen, Vorschülern, die in einer Grundausbildung erste Erfahrungen mit Instrumenten machen, und Jugendlichen, die sich in den schallgeschützten Kellern musikalisch am Schlagzeug und an der E-Gitarre austoben können, ohne ihre Nachbarn zu stören.

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Am Balkon und an Türen und Fenstern muss dringend etwas getan werden. Großbildansicht

Beinahe hätte die Stadt schon kapituliert und das Schloss veräußert - und damit einen Treffpunkt für Jung und Alt verloren, in dem nicht nur geübt wird, sondern auch Konzerte und Dichterlesungen stattfinden. Mit der Verlegung der städtischen Musikschule in die Räume des ehemaligen Familienbesitzes von Stietencron wurde das Schloss 1983/84 zum Zentrum eines Stadtteils, in dem das kulturelle Leben verkümmert war.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat sich entschlossen, der Stadt bei der Restaurierung unter die Arme zu greifen und möchte nicht nur ein bedeutendes Baudenkmal aus dem Barock retten, sondern gleichzeitig eine wunderschöne, stilvolle Bildungseinrichtung bewahren.

Niemand, der durch Schötmar kommt, kann an dem breit gelagerten stolzen Herrenhaus vorbeisehen. Im Material passt es sich zwar der Umgebung an, aber seine enorme Größe sprengt den örtlichen Maßstab. Zu verdanken ist das Schloss August Moritz Abel Plato von Donop (1694-1762) und seinem überbordenden Selbstbewusstsein. Obwohl sich der Obrist nur selten in Schötmar aufhielt, beschloss er 1729, sein väterliches Rittergut durch ein neues Herrenhaus zu erweitern.

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Risse durchziehen die Säulen am Eingang von Schloss Schötmar. Großbildansicht

Bis dahin waren sowohl Rittergut als auch Adelsgeschlecht von eher regionaler Bedeutung gewesen. Doch nun trumpfte August Moritz auf. Der Weitgereiste beherrschte viele Sprachen und reüssierte auf dem diplomatischen Parkett. 1740 wurde er vom schwedischen König als bevollmächtigter Minister nach London gesandt. Von Donop verhandelte mit den Mächtigen seiner Zeit. Als dem Schloss in Schötmar, dessen Architekt leider nicht bekannt ist, 1758/59 noch der letzte Schliff mit Kaminen, Supraporten und Wandtäfelungen gegeben wurde, diente Moritz August Friedrich dem Großen. Dies sei erwähnt, denn sonst könnte man die Gemälde im eleganten Rokokosaal für Hochstapelei eines provinziellen Gutsbesitzers halten. Dort sind Friedrich der Große und Prinz Heinrich von Preußen nahezu in Lebensgröße verewigt und belegen die Weltläufigkeit des Hausherrn. Die Ausstattung gehört im Übrigen zum Schönsten, das in der ­Region zur Zeit des Rokoko geschaffen wurde. Moritz August hatte den Ruf, eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit offenem, geradem und zugleich gefälligem Wesen zu sein, der die Früchte seines arbeitsreichen Lebens in Schötmar leider kaum genießen konnte. In Westfalen versuchte er 1762 neue Kräfte zu sammeln, aber bereits am 3. November des Jahres starb er in Rinteln.

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Wenig mit Liebe bedacht

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