Wandlungsfähigkeit kann eine Tugend sein, wenn es um die Lebenserwartung von Denkmalen geht. Denn Traditionen bewahren und diese über Jahrhunderte fortführen, bedeutet nicht, sich Neuem zu verschließen.
In der bayerischen Universitätsstadt Eichstätt ist diese Rechnung aufgegangen: Man hat Modernes geschaffen, ohne den Blick für das Historische zu verlieren. Schon Gabriel de Gabrieli, der Baudirektor des ehemaligen Fürstbistums, setzte 1716 eine spätbarocke Fassade vor den Westchor des gotischen Doms und erreichte so eine harmonische Verbindung zwischen Alt und Neu. Für das barocke Erscheinungsbild des Städtchens sind neben Gabrieli noch zwei weitere Baumeister verantwortlich. Dass wir deren Werke heute noch bewundern können, ist Karljosef Schattner - von 1957 bis 1991 Diözesanbaumeister - zu verdanken. Ihm gelang es, die Bauten mit viel Phantasie für eine zeitgemäße Nutzung umzugestalten.
Was in Eichstätt im Nachhinein so spielerisch und leicht erscheint, erweist sich andernorts als Bürde. Das Obere Mittelrheintal wurde 2002 von der UNESCO als Welterbe anerkannt. Doch in der Kulturlandschaft, die sich von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz erstreckt, ist der nötige Wandel noch nicht vollzogen. Zwar ist das enge Tal für seine romantischen Burgen und Winzerdörfer weithin berühmt und oft besungen. Wer sich aber auf die Suche nach dem magischen Reiz begibt, der die Menschen über Jahrhunderte angezogen hat, findet entlang der 65 Kilometer leider auch viele leerstehende Häuser, bröckelnden Putz und brachliegende Weinberge. Wir haben nachgefragt, was sich hinter den Kulissen dieses bedeutenden Welterbes abspielt und welche Chancen Betroffene und Verantwortliche für seine Zukunft sehen. Lesen Sie dazu auch unser Expertengespräch.
Unter den Themen dieser Ausgabe finden Sie nicht nur die erhabenen Schätze, sondern ebenso Kurioses aus der Denkmallandschaft. Mit dem Fliegenpilz als "Milchverbrauchswerber" oder der "Transportablen Raumerweiterungshalle" stellen wir Ihnen Alltagskultur der 1950er und 1960er Jahre vor. Wobei letztere - ein sehr erfolgreiches DDR-Produkt - wohl als besonders anpassungsfähig gelten kann.
Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen!
Dr. Bettina Vaupel
Redaktion MONUMENTE Online














