Baudenkmale sind von Natur aus bodenständig und in ihrer Heimat verwurzelt. Wenn MONUMENTE Online sich in dieser Ausgabe thematisch fremden Welten und fernen Sternen nähert, scheint dies von der Denkmalpflege weg zu führen. Das ist aber keineswegs so, denn Baudenkmale können auch Weltoffenheit verkörpern und begrenzte Vorstellungen sprengen.
Sprichwörtlich für das Erweitern des Horizonts steht die Sternwarte in Hamburg-Bergedorf, eingebettet in einen historischen Astronomiepark. Das 1-Meter-Spiegelteleskop-Gebäude entsprach bei seiner Errichtung neuesten technischen Erfordernissen und ist zugleich ein sorgfältig gestaltetes, ästhetisch reizvolles Monument. Umso dramatischer, dass es in seiner Existenz bedroht ist und dringend die Hilfe spendenfreudiger Bürger benötigt! Gerettet ist hingegen der Große Refraktor, ein Linsenfernrohr, auf dem Telegrafenberg von Potsdam. Dort blickte schon Kaiser Wilhelm II. am Abend des 15. November 1891 über den Tellerrand seines Reiches hinweg und beobachtete eine Mondfinsternis. Einen Hauch ferner Welten atmet auch Bremerhaven, das 140 Jahre lang als beliebtester Starthafen für Auswanderer die "Stadt des Abschieds" hieß. An der Columbuskaje gingen über sieben Millionen Menschen an Bord, um ein neues Leben zu beginnen. Mit dem Deutschen Auswandererhaus wurde an Stelle ehemaliger Lagerhallen der Norddeutschen Lloyd ein Erinnerungsort erster Güte geschaffen. Exotisches trug der Pietist August Hermann Francke zusammen. Er baute für den Unterricht an seiner Armen- und Waisenkinderschule der Franckeschen Stiftungen eine Naturalienkammer - heute Museum - auf. Waschgold aus der Donau, Silbererze aus Indien und Sachsen, Muscheln, Taranteln, ein russisches Panzerhemd und ein drahtgeflochtenes Weltensystem sollten dazu dienen, den Gedanken der Kinder Flügel zu verleihen und das Fremde verstehen zu lernen.
Auch bei den anderen Geschichten, die wir Ihnen in dieser Ausgabe der MONUMENTE Online erzählen, dreht sich vieles um ferne Welten. Wir möchten Sie dazu anregen, genau hinzuschauen, um das Unbekannte im scheinbar Bekannten der heimischen Kulturlandschaft wiederzuentdecken. Freuen Sie sich auf Odysseus in einer christlichen Kirche und einen Chinesischen Pavillon in Dresden.
Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen!
Dr. Christiane Schillig
Redaktion MONUMENTE-Online














