In der Geschichte der europäischen Gartenkunst bilden der französische Garten im Barock und der englische Landschaftspark die Höhepunkte. Ihre Zeugnisse sind heute noch am häufigsten vertreten, während man die Beispiele aus dem Mittelalter und der Renaissance nur noch selten antrifft. Vorbild für die barocken Fürstenhöfe in Deutschland waren Schloss und Park von Versailles, durch Ludwig XIV. von einem bescheidenen Jagdschloss seines Vaters zur großartigsten Residenz Europas ausgebaut.
Dabei wurde das Schloss zunächst nach den Plänen von Louis le Vau und dann von Jules Hardouin-Mansart zu gewaltiger Größe erweitert. Den Park legte André le Nôtre ab 1663 an. Das von Natur aus für die anspruchsvollen Pläne nicht geeignete Gelände wurde völlig umgestaltet, wofür man zeitweilig bis zu 36.000 Mann einsetzte, darunter auch viele Soldaten.
Europas große Gärten
Von Barockgärten und Landschaftsparks
Vom Mittelbau geht der Blick von der berühmten Spiegelgalerie nach Nordwesten über die breite Mittelachse aus Alleen und dem großen Kanal weit in die Landschaft hinein. Von der rund 3,3 Kilometer langen Hauptachse nehmen das obere und das untere Parterre etwa 400 Meter ein, die danach folgende Allée Royale etwa die gleiche Länge und der Grand Canal rund drei Viertel der Gesamtlänge. Aus den Parterres d'Eau blickt man auf den Brunnen der Latona, die diesen zusammen mit ihren Kindern Apollo und Diana bekrönt. Auf beiden Seiten schräg hinter dem Brunnen sieht man die regelmäßig ornamental angelegten Beete. Nach dem französischen Wort für Stickereien werden sie Broderien genannt.
Die Allée Royale, wegen ihres breiten mittleren Grünstreifens auch als Tapis Vert bezeichnet, wird flankiert durch die Bosketts. Das sind regelmäßig zugeschnittene geometrische Flächen, gesäumt von beschnittenen Hecken und Baumreihen. Ganz schwach ist hinter der Allée Royale noch das Bassin des Apoll zu erkennen, aus dessen Wasserfläche der Sonnengott in seinem Wagen auftaucht. Nach einem schmalen Landstreifen beginnt dann der Grand Canal, an den ganz weit hinten eine Allee anschließt. Ihren Abschluss markieren zwei hohe Pyramidenpappeln.
Nur dem Sonnenkönig als absolutistischem Herrscher und Sieger in vielen Schlachten war es möglich, einen barocken Park so weit in die Fläche auszudehnen. Die natürliche Landschaft ist dabei nicht einbezogen, sondern klar abgegrenzt. Der Blick in der Gegenrichtung aus der Allée Royale zeigt im künstlich terrassierten Gelände den starken Höhenunterschied zum Schloss, auf das die Hauptachse ausgerichtet ist. Die vielen Frösche auf dem Beckenrand des Latona-Brunnens gehen auf die Sage zurück, dass die in den Sümpfen hausenden lykäischen Bauern einst der umherirrenden Göttin und ihren Kindern Diana und Apoll die Zuflucht verweigerten und zur Strafe in Frösche verwandelt wurden. Im Hintergrund erscheinen die exakt beschnittenen Hecken und die kegelförmig gestutzten Bäume der Bosketts.













Ihr Kommentar
Kommentare anderer Leser
Schreiben Sie den ersten Kommentar.
Die Redaktion behält sich die Prüfung, Bearbeitung und Kürzung von Kommentaren vor, bevor sie online gestellt werden.