Monumente Online

Ausgabe: Februar 2008

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Handel und Gewerbe

(c) Verlag Waldemar Kramer Frankfurt / (c) Verlag Waldemar Kramer Frankfurt Kleine Kulturgeschichte

"Drei, zwei, eins: meins!"

Eine kleine Kulturgeschichte der Auktionen

Es ist der 12. Juni 2007 in München. Der dritte Hammerschlag im Auktionshaus Ketterer besiegelt es: Für schwindelerregende 2.580.000 Euro ist das Gemälde "Nadja" von Emil Nolde versteigert. Doch dieser atemberaubende Preis nimmt sich im Hinblick auf die mehrstelligen Millionensummen, die in den letzten Jahrzehnten auf dem internationalen Kunstmarkt für ein Werk von Vincent van Gogh oder Pablo Picasso erzielt wurden, fast wie eine Marginalie aus.

 (c)  AKG Images
© AKG Images
"The Auction" heißt das Gemälde von George Bernard O’Neill, gemalt 1857. Als Los 259 wurde es 1996 bei Sotheby’s in London versteigert. Großbildansicht

Was ist es, das die Menschen an Versteigerungen so fasziniert? Dass manche sogar in einen "Bietrausch" verfallen, der der Sucht passionierter Glückspieler kaum nachsteht. Es scheint diese besondere Aura zu sein - vor allem bei Kunstauktionen: In einem gehobenen Ambiente kann man Kunstobjekte prüfen, anfassen, drehen und wenden, denen man in einem Museum nicht zu nahe kommen dürfte. Dieser Atmosphäre einer Auktion kann sich kaum jemand entziehen, da sie doch ein zutiefst menschliches Bedürfnis berührt: etwas Begehrtes in offener Konkurrenz zu anderen zu erlangen. Es ist wie bei der Balz und wie bei der Jagd - erfolgreich ist, wer am meisten zu bieten hat und am geschicktesten taktiert. "Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten" - erst der Schlag des Auktionshammers bringt die Erlösung. Bis dahin haben die Teilnehmer eine Welle der Emotionen durchlebt: Begierde, Erwartung, Spannung, Bangen, Entschlossenheit, Enttäuschung und Glück.

Nach dem Warentausch gehören Auktionen zu den ältesten Handelsarten. Das Verfahren ist im Grunde immer gleich geblieben: An einem bestimmten Ort werden Waren zu einer angekündigten Zeit öffentlich an den Meistbietenden verkauft. Interessenten können die Objekte und Produkte, die in sogenannte Lose aufgeteilt sind, vorher begutachten. Der Auktionator nennt bei den einzelnen Losen ein Einsatzgebot, das in festgelegten Schritten so lange gesteigert wird, bis ein nicht mehr überschrittenes Höchstgebot den Zuschlag erhält.

 (c)  Verlag Waldemar Kramer Frankfurt
© Verlag Waldemar Kramer Frankfurt
"Der Sklavenmarkt" auf einem Sammelbildchen aus den Alben von "Liebig’s Fleisch-Extract", 1904. Großbildansicht

Die begehrten Gegenstände sind dabei so vielfältig wie Versteigerungen alt sind: von Häusern und Grundstücken über Nahrungsmittel, Tiere, Pflanzen, Pfand- und Fundsachen, Hausrat, Bekleidung bis zu Kunst, Juwelen und Antiquitäten. Leider war auch für das unrühmliche Feilbieten von Sklaven jahrhundertelang ein großer Markt vorhanden. Es gibt wohl nichts, was nicht verkauft werden könnte: 1993 ersteigerte ein Kunde bei Sotheby's für 68.000 Dollar die Rechte an einem unbrauchbar gewordenen Mondfahrzeug, das noch heute auf dem Himmelskörper steht. Im 5. Jahrhundert v. Chr. berichtet Herodot von den ältesten uns bekannten Versteigerungen. In den Dörfern Mesopotamiens fand einmal im Jahr ein Heiratsmarkt statt, auf dem die jungen Mädchen versteigert wurden. Die Preise orientierten sich an der Schönheit der Frauen. Für die weniger ansehnlichen wurde Bietern aus dem ersteigerten Gewinn Geld geboten, mit der Auflage, dass sie die Frauen auch ehelichten. Alle Frauen hatten das Recht abzulehnen, und die Käufe wurden storniert.

Artikel zum Thema
Streiflichter
Kleine Kulturgeschichten aller Ausgaben
  • Kleine Kulturgeschichten aller Ausgaben
Newsletter

Einfach und bequem

Lassen Sie sich per E-Mail informieren, wenn eine neue Ausgabe von Monumente Online erscheint.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz