Es ergriff mich wunderbar, es war nicht Sinnenreiz, nicht Sinnenlust, es war die Macht der Kunst. In diesem Anblick lag mein ganzes Leben." Dies schrieb 1804 der 18-jährige Kronprinz Ludwig von Bayern (1786-1868) - hingerissen von Italien, das er zum ersten Mal besuchte. Eigentlich wollte der Göttinger Student die ganze Welt kennenlernen, doch als er Italien sah, wurde ihm dieses Land zum Lebenselixier. An die 40 Mal sollte er für Monate in sein "irdisches Paradies" reisen. An Rom verlor er endgültig sein Herz: "Ich zählte einen zweiten Geburtstag, als ich Rom betrat. Die einzige Stadt, wo der Himmel der Erde sich öffnet."
Küsse für den Fuß der Venus
Bayerns Könige Teil II: Ludwig I. – Künstler, Charmeur und Monarch
Dort wandelte der begeisterungsfähige, temperamentvolle Ludwig nicht nur auf den Pfaden der Kunst, sondern auch auf denen der Liebe. Bis ins hohe Alter blieb er ein heißblütiger Don Juan, dem viele adrette "Weibsbilder" den Kopf verdrehten. Der extrovertierte Schöngeist trug seine Herzensdamen auf Händen, umwarb sie stürmisch mit selbstverfassten Liebesgedichten. Und er wurde erhört, obwohl die Pockenkrankheit seiner Kindertage ihre Spuren hinterlassen hatten: Gesicht und Körper waren vernarbt, er litt an Schwerhörigkeit und hatte dadurch eine "schwere Zunge". Diese Makel machten ihn unsicher, was er durch besonders forsches Auftreten zu verbergen suchte. Die hübschesten seiner Gespielinnen porträtierte Hofmaler Joseph Stieler für die Schönheitengalerie auf Schloss Nymphenburg. Nicht jede war stolz darauf, denn die Sammlung war öffentlich zugänglich. Viele von Ludwigs Affären waren flüchtig, doch in Rom fand er 1821 die vermutlich einzige wirkliche Liebe seines Lebens: die ebenso bezaubernde wie überaus gebildete Marchesa Marianna Florenzi. War es nicht ein Zeichen, dass sich Roma, wie Ludwig schwärmte, rückwärts Amor lese? Der Ehemann der 18-jährigen "himmlischen Schönheit" schien sich Vorteile aus der königlichen Verbindung auszurechnen, denn er sah über diese jahrzehntelange Liaison hinweg. Nach der ersten Begegnung bekam Marianna einen Sohn, den sie Ludovico taufte und den Ludwig väterlich umsorgte. Ludwigs protestantische Ehefrau, Prinzessin Therese von Hildburghausen-Sachsen, litt still. 44 Jahre war er mit ihr verheiratet, der Ehe entsprangen neun Kinder. Doch gleich in der Hochzeitsnacht zeigte er ihr, dass sie seine Eskapaden zu dulden hatte: Er ließ sie allein.
So unstet der kunstbesessene Galan in seinem Wesen war, so pflichtbewusst und fleißig versah er ab 1825 sein Amt als König. Dabei vertrat er in einigen Punkten eine sehr klare Haltung: Er war überzeugter Katholik, überzeugter Patriot und überzeugter Monarch. Schon früh hatten ihm seine geistlichen Erzieher eingeprägt, dass er von Gott für sein Amt auserwählt sei und dass Religion die Grundlage für Recht und Ordnung bilde. Und aus seiner absoluten Ablehnung der Franzosen machte er keinen Hehl - ein stetiger Zündstoff im Vater-Sohn-Konflikt mit Max I. Joseph, der Bayern überhaupt nur halten konnte, weil er sich über Jahre mit Napoleon verbündet hatte. "Wir wollen Deutsche sein, und Bayern bleiben", war sein Credo als König und daher gab er sich zusätzlich den Phantasietitel "Herzog von Franken und in Schwaben", um allen seinen Untertanen ein Gefühl der nationalen Zusammengehörigkeit zu geben. Trotz seiner Disziplin und seines Willens, ein guter Regent zu sein, hatte er mehr künstlerisches als politisches Gespür, und daher war es ein Glück für Bayern, dass er während einer langen Friedensperiode regierte.
Ludwig wollte der oberste Lehrmeister seines Volkes sein, denn "Kunst hat eine erzieherische Wirkung auf den Betrachter." Weil er Kunst als das "täglich Brot" seiner Untertanen ansah, eröffnete er eine Baustelle nach der anderen für Museen, Ruhmeshallen, Ehrentempel, Kirchen und den "Königsbau" zur Erweiterung der Residenz. Als Regent und Bauherr agierte er mit demselben unduldsamen Elan, wie er seine Herzensangelegenheiten anging. Leo Klenze, seines Zeichens Hofarchitekt und in vielen Dingen Berater des Königs, stöhnte darüber, dass Ludwig mit der Baukunst verfuhr wie mit seinen Mätressen: "So wie er diese, bald blond, bald braun, bald groß, bald klein, bald sanft, bald feurig, liebte und wählte, so wechselte auch stets sein Geschmack in der Architektur."
München konnte Ludwig noch nie etwas abgewinnen. Er bekam geradezu Depressionen, wenn er aus Italien in die biedere Stadt zurückkehrte: "Soll ich sagen, was mir am meisten zuwider auf Erden? Münchens Lage und Bau, Münchens Gesellschaft und Luft."













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