Himmel in Stein
"In den Kathedralen formen Vorstellungen vom Himmel die Steine, und die Steine verweisen zum Himmel", erläutert der Autor Konrad Kunze den Titel seines Führers durch das Freiburger Münster "Himmel in Stein". Das inzwischen zum Klassiker gewordene Werk erschien 2007 aktualisiert in dreizehnter überarbeiteter Auflage und wurde völlig neu gestaltet. In vier Teilen widmet sich das Buch Einzelaspekten, lädt jede Doppelseite als abgeschlossenes Kapitel über ein Detail zur Lektüre ein. Dabei wird die Rolle des Kirchengebäudes im Leben und Glauben einer mittelalterlichen Stadt beschrieben, wahrgenommen vor dem Hintergrund damaliger Weltsicht und Denkweisen, Lehr- und Lebensformen, so wie sie im Münster in einer "ungeheuren Kristallisation" (Friedrich Schlegel) realisiert wurden. Die Publikation bietet historische Schriften zu einzelnen Bauteilen wie Portalen, Pfeilern und Glasfenstern; es geht um den Grundriss und die Maße, um Skulpturen und um Stifter und Baumeister. Es wird erläutert, warum der neu geborene Gottessohn "süß" ist, und es werden Mantelkinder vorgestellt, ein Wolf in der Kutte und die Treppe des Heils.
Konrad Kunze: Himmel in Stein. Das Freiburger Münster. Vom Sinn mittelalterlicher Kirchenbauten. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2007. ISBN 978-3-451-29254-5, 155 S., 24,90 Euro.
Vom schönsten Turm auf Erden
Dem Turm des Freiburger Münsters wurde beim Falk Verlag ein großzügig bebildertes Buch gewidmet. Es heißt "Botschaft der Liebe" und deutet das sogenannte Wunderwerk des Mittelalters mit viel Respekt. Der Turm, den Jacob Burckhardt als den wohl schönsten auf Erden gepriesen hatte, haben schon viele Experten unter die Lupe genommen, seinen Aufbau exakt erforscht, Vergleiche mit anderen Kirchtürmen gezogen, aber bei Spath geht es vorrangig um die Bedeutung, die der Form innewohnt. Es geht um Maße wie den Goldenen Schnitt, um Symbole und den Sinngehalt der Architektur.
Grundlage für die Deutung ist die Tatsache, dass die Münsterpfarrkirche zwar um 1200 vom letzten Zähringerherzog Bertold V. in Auftrag gegeben worden war, jedoch von den Bürgern bald weitergebaut wurde. Sie waren die Auftrag- und Geldgeber, reich geworden durch den Silberbergbau im Schwarzwald. Der Grundgedanke der Gotik, dem Himmel näher zu kommen, spornte sie an, den Hauptturm über alle bis dahin erprobten Maße hinaus zu errichten.
Emil Spath: Botschaft der Liebe. Der Hauptturm des Freiburger Münsters III, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2007, ISBN 978-3-89870-383-3, 100 S., 19,50 Euro.
Rezensionen: Dr. Christiane Schillig
Dorfkirchen in Sachsen
Seit Jahrhunderten bilden die Kirchen den Mittelpunkt der Dörfer. Zu ihnen haben die Menschen meist eine ganz besondere Beziehung. Und so unscheinbar sie oft sind, überraschen sie bei näherer Betrachtung doch mit einer Vielfalt an Baustilen, Formen und Ausstattungen. Auch im sächsischen Erzgebirge, im Vogtland und im Gebiet um Chemnitz finden sich Kirchen aus allen Jahrhunderten.
Im Buch des Chemnitzer Verlags "Die Kirche mitten im Dorf" haben die Autoren um Eberhard Bräunlich und Matthias Zwarg 52 dieser Gotteshäuser ausgewählt, die sie jeweils auf mehreren Seiten in Text und Bild vorstellen. Dabei wird deutlich, dass jedes dieser Kirchlein seine ganz eigene Geschichte hat. Sogar berühmte Künstler waren hier tätig: So schuf der Erbauer der Dresdner Frauenkirche George Bähr die Dorfkirche im erzgebirgischen Forchheim - ein Förderprojekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz -, und dem berühmten Orgelbauer Gottfried Silbermann sind wertvolle Instrumente Großhartmannsdorf und Fraureuth zu verdanken.
Die Kirche mitten im Dorf. Dorfkirchen in Sachsen. Hrsg.: Eberhard Bräunlich und Matthias Zwarg. Chemnitzer Verlag, Chemnitz 2007. ISBN 978-3-937025-30-8, 184 S., 19,95 Euro.
Rezension: Dr. Dorothee Reimann
Klenzes geheime Memoiren
Leo Klenze (1784-1864) war ab 1815 viele Jahre Hofarchitekt und Berater König Ludwigs I. von Bayern. Er war maßgeblich an der Umgestaltung Münchens beteiligt und erbaute, nachdem ihm der Regent 1834 das Vertrauen entzogen hatte, in Petersburg die Eremitage. Mit Klenzes Nachlass und Werk beschäftigt sich seit über 20 Jahren der Historiker Rudolf Reiser. Anhand der Memoiren des Architekten, die nicht nur informativ, sondern auch so gallig sind, dass Klenze selbst ihre Veröffentlichung erst nach dem Tode seiner Kinder erlaubte, zeichnet Reiser ein fesselndes Bild: Von dem Wirken des vielbeschäftigten Baumeisters und seiner Hassliebe zu dem schöngeistigen Monarchen, der ihn mit seiner sprunghaft-herrischen und ausschweifenden Art gleichermaßen anzog wie abstieß.
Rudolf Reiser: Klenzes geheime Memoiren. Der große Architekt als Chronist und Kritiker. Buchendorfer Verlag, München 2004. ISBN 978-3-937090-08-8, 96 S., 12,80 Euro.
Rezension: Christiane Rossner