Monumente Online

Ausgabe: Dezember 2007

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Stimmungsvolle Kirchenräume

 (c) Roland Rossner / (c) Roland Rossner Leitartikel

Das Freiburger Münster

Interview mit der Münsterbaumeisterin Yvonne Faller

MO: Das Freiburger Münster ist ein herausragendes Beispiel für den Kunstbetrieb und das bürgerliche Selbstbewusstsein des Mittelalters. Das gewaltige Bauwerk wurde von etwa 1200 bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts aus dem Sandstein der näheren Umgebung errichtet und gehört zu den wenigen großen gotischen Kirchen, die noch in mittelalterlicher Zeit einschließlich ihres Turmes fertiggestellt wurden. Als katholische Pfarr-, Stadt- und Bürgerkirche der Stadt Freiburg erbaut, wurde das Münster 1821/27 zum Bischofssitz der neu gegründeten Erzdiözese Freiburg und aus dem Münsterpfarrer wurde der Dompfarrer. Welche unterschiedlichen Bedeutungen liegen den Begriffen Dom und Münster zugrunde?

Yvonne Faller: Auf diese Frage kann ich leider keine präzise und eindeutige Antwort geben, es bestehen nach wie vor Interpretationsmöglichkeiten, vor allem, was die Bezeichnung Münster betrifft. Beim Dom ist es etwas einfacher, ein Dom ist eine Bischofskirche, ist die entsprechende deutsche Bezeichnung für Kathedrale, es ist der Sitz eines Erzbischofes. Das Freiburger Münster könnte seit 1827 als Dom bezeichnet werden, da in diesem Jahr der Sitz des Erzbistums von Konstanz nach Freiburg verlegt wurde. Einige Institutionen am Freiburger Münster tragen auch die entsprechenden Namen so z. B. Dompfarrer, Domsingschule, Domprobst, Domdekan und einige andere. Dennoch werden viele Kathedralen, die als solche gebaut wurden, Münster genannt. So z. B. Straßburg, Basel und Konstanz. Und um die Verwirrung noch größer zu machen, wird die ehemalige Klosterkirche in St. Blasien Dom genannt, ohne dass dieser Kirchenbau jemals eine Bischofskirche war. Auf die Frage, was die Bezeichnung Münster bedeutet, gibt es keine eindeutigen Antworten. Der Name leitet sich von monasterium (Kloster) ab, obwohl der Kirchenbau z. B. in Freiburg nicht mit einem Kloster verbunden war. Viele Großkirchen in der Region werden als Münster bezeichnet (Breisach, Radolfzell), dennoch handelt es sich nicht um eine regionale Namensgebung, da auch weiter nördlich zahlreiche Kirchen als Münster bezeichnet werden.

MO: Die rechtliche Situation des Freiburger Münsters ist eine ganz besondere, denn von Beginn an gehörte das Gebäude juristisch gesehen nicht der Kirche. Wem gehört das Münster?

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© Roland Rossner
Wasserspeier in Gestalt grotesker tierischer oder menschlicher Wesen dienen zur Ableitung des Regenwassers. Großbildansicht

Yvonne Faller: Auch diese Frage ist nicht so eindeutig zu beantworten und sehr komplex. Ich kann nur eine stark vereinfachte Zusammenfassung liefern. Im Grundbuch eingetragene Eigentümerin des Münsters ist auch heute noch die Münsterfabrik ("fabrica ecclesiae"), eine Institution die bereits im Mittelalter gegründet wurde. Zwar begannen die Herzöge von Zähringen um 1200 mit dem Kirchenbau, sie trugen am Anfang den Hauptaufwand für Bau und Ausstattung, das Münster "gehörte" sozusagen ihnen. Mitte des 13. Jahrhunderts übernahm jedoch die Freiburger Bürgerschaft die Verantwortung und finanzierte über Stiftungen Weiterbau und Fertigstellung des Münsters. Bereits 1314 war zum ersten Mal von der "fabrica ecclesiae" die Rede. Diese Institution umfasst den Münsterbau und den zu seiner Erhaltung bestimmten Fonds, da für die Verwaltung und die Verteilung der Mittel eine entsprechende Organisation nötig war. Die Münsterfabrik blieb auch selbständig und baupflichtig, als das Münster 1464 der Universität "einverleibt" wurde. Schwieriger wurde es später, als 1827 das Münster zur Kathedralkirche erhoben wurde. Es wurde eine entsprechende Domfabrik gegründet, welche die Rechte am Freiburger Münster jedoch nur hinsichtlich der Nutznießung hat. Die Zuständigkeiten am Münster wurden klar aufgeteilt: Der Domfabrik obliegt es, die Bedürfnisse des Kathedralgottesdienstes zu sichern, die Münsterfabrik ist verantwortlich für den Pfarrgottesdienst. Auch die Zuständigkeiten für Orgeln, Glocken und Turmuhr sind minutiös aufgeteilt.

MO: Neben dem Münsterfabrikfonds trägt seit dem Ende des 19. Jahrhunderts der Münsterbauverein zum Erhalt des Baudenkmals bei. Worin unterscheiden sich beide Institutionen, und in welchen unterschiedlichen Bereichen arbeiten sie?

Yvonne Faller: Der Münsterbauverein wurde 1890 gegründet und nimmt seitdem die Aufgabe wahr, das äußere Steinwerk zu erhalten und zu pflegen. Die Unterhaltung von Fenstern, Dächern und dem Innenraum wird vom Erzbischöflichen Bauamt koordiniert. Die Finanzierung ist, wie vorher bereits angedeutet, zwischen Münsterfabrik und dem erzbischöflichen Ordinariat im Einzelnen geregelt.

Der Münsterbauverein unterhält die Münsterbauhütte, eine Steinmetzwerkstatt, in der zur Zeit 17 Bildhauer und Steinmetze beschäftigt sind, den beschädigten Sandstein zu restaurieren oder durch neuen zu ersetzen. Finanziert wird die Arbeit des Münsterbauvereines durch Mitgliedsbeiträge von augenblicklich 5.300 Mitgliedern und von Spenden, die zusätzlich eingeworben werden. Die konkreten Erhaltungsarbeiten am Münster werden unterstützt: Zu einem Drittel durch Zuwendungen des Landes aus der Denkmalpflege, zu einem Drittel durch Mittel der Erzdiözese und zu einem Sechstel durch Zuwendung der Stadt Freiburg.

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Yvonne Faller im Gespräch mit zwei Mitarbeitern in der Glockenturmschreinerei des Freiburger Münsters. Großbildansicht
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Streiflichter
Nachgefragt

Zur Person:

Yvonne Faller ist seit 2005 Münsterbaumeisterin in Freiburg.

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