Monumente Online

Ausgabe: Dezember 2007

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Stimmungsvolle Kirchenräume

 (c) Roland Rossner / (c) Roland Rossner Leitartikel

Frohe Botschaft aus Freiburg

Impressionen rund um das Münster

Im Dezember fällt das Glauben leicht. Nach diesigen Novembertagen schimmert durch Kerzenlicht Hoffnung in die dunkle Zeit und wird das Gemüt vom Punsch auf den Weihnachtsmärkten erwärmt. Das Stimmungsbarometer ist ab dem ersten Advent auf Milde eingestellt. Dann füllen sich - und dies ist schon Tradition - die Kirchen wieder. Zwar besichtigen Liebhaber sakraler Kunst im Laufe des Jahres auf Reisen oder zum Atemholen nach dem Einkauf immer mal wieder Gotteshäuser. Aber zu Beginn der Messen verlassen sie sie meist.

 (c)  Roland Rossner
© Roland Rossner
Eine feierliche Sonntagabendmesse im Oktober, überstrahlt von der anmutigen Madonna mit Kind. Die Kirchenbänke sind bis auf den letzten Platz besetzt. Großbildansicht

In Freiburg, mit dem von Bürgern errichteten mittelalterlichen Münster im Zentrum, wo sich zum Wochenmarkt jeden Tag viele Tausend Menschen treffen und die Besucherströme aus dem Schwarzwald zusammenkommen, scheint die Welt auch außerhalb der Adventszeit noch in Ordnung: Fest verankert in der Geschichte der Stadt erhebt sich der schlanke, elegante Bau - nicht so sehr himmelwärts strebend wie seine großen Brüder in Straßburg oder Köln. Er ist wie die wohlhabenden Freiburger, die ihr Geld in ihre Glaubensburg anlegten, selbstbewusst und diesseitsbezogen, geerdet durch die satte, rote Farbe des Sandsteins.

Der prägnante Maßwerkturm ist zur Grundsanierung eingerüstet. Auch das Strebewerk im Süden wird bearbeitet. Obwohl Baulärm eindringt und im Inneren die Apostel unter Plastikplanen verschwunden sind, gibt es doch im Strom der Besucher Momente der Stille und der Besinnung im Kirchenraum. Alle lassen sich von der thronenden, schimmernden Madonna anlocken, vergessen beim Anzünden eines Lichts den Alltag um sich herum. Während der Mittagsandacht werden die Touristen, darunter viele junge Leute, ins Leben der Gemeinde einbezogen und freundlich aufgefordert, Platz zu nehmen, gedacht als Einladung und nicht als Pflichtübung. Fast kein Besucher verlässt die Kirche, fast jeder genießt das von zeitgenössischen Klängen durchsetzte Orgelspiel und hört der Vorbeterin zu. Auch an einem ganz normalen Wochentag wie bei unserem Besuch im Oktober.

 (c)  Roland Rossner
© Roland Rossner
Im Moment ist die Ansicht des Chores reizvoller als die der Turmseite, weil der Helm hinter einem Gerüst verschwindet. Großbildansicht

Andernorts muss man in "Zeiten der Ebbe", wenn, so drückt Dompfarrer Claudius Stoffel es aus, "der Glaube erlahmt", auf die Menschen zugehen, sie zu Hause besuchen, "missionieren", wie dies inzwischen Pastoren auf dem Land tun, damit ihnen die Gemeinde nicht ganz verlorengeht. In Freiburg strömen sie von selbst in die Kirche und zwar nicht nur, um die klugen Jungfrauen der Turmhalle, den Holbein-Altar oder das fein gearbeitete spätromanische Kruzifix zu bestaunen, sondern um Spiritualität zu erleben. Das Freiburger Münster ist ein schönes Beispiel dafür, wie eine Kirche als sakraler Raum und als Magnet für Kulturinteressierte eine gelungene Doppelexistenz führt. So wäre es auch anderen Gemeinden zu wünschen. Sicher, das prächtige dreischiffige Münster mit seinem langgestreckten hohen, hellen Chor und den bei jedem Schritt neue Perspektiven eröffnenden Kranz der Kapellen hat es leicht, Aufmerksamkeit zu erregen: mitten in einer lebendigen Stadt, die gesegnet ist mit ihrem angenehmen Klima und unzähligen Sonnenstunden im Jahr.

Den monumentalen Neubau der Kirche gab um 1200 vermutlich Berthold V., der letzte Zähringer-Herzog - ein Geschlecht, dessen Herrschaft Teile der heutigen Schweiz umfasste -, in Auftrag. Da Berthold ohne männliche Nachkommen blieb, starben mit seinem Tod 1218 die Zähringer aus, und die Grafen von Freiburg waren vorübergehend für den Bau verantwortlich. Ende des 13. Jahrhunderts übernahm der Stadtrat die Leitung der Arbeiten. Damit wurde das Münster Angelegenheit der durch den Silberbergbau reich gewordenen Bürger. Mit enormem Eifer und großzügigen Spenden bauten sie ihre Pfarrkirche mit nur einem Turm - zwei waren üblicherweise den Bischofskirchen vorbehalten. Und mit diesem einen Turm gelangten sie in bis dahin unbekannte Höhen von 116 Metern. Ehrgeizig ließen sie alles nach neuesten künstlerischen Entwicklungen gestalten. Zur Zeit des Münsterbaus zählte Freiburg zirka 6.000 Einwohner. Heute sind es rund 200.000.

 (c)  Roland Rossner
© Roland Rossner
Die Innenansicht eines der beiden durchbrochenen Hahnentürme Großbildansicht
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Streiflichter
Bildergalerie

Freiburger Münster

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