Der märkische Sand kann durchaus ein fruchtbares Stück Erde sein, vor allem was das Blühen der Phantasie angeht. Auf dem Wohnsitz der Familie gelang es Wilhelm von Humboldt noch im vorgerückten Alter, jeden Abend aus dem Stegreif ein Sonett zu diktieren. In dem Gedicht vom 26. Dezember 1834 schwärmt er vom Tegeler Schloss, in dem er die letzten 15 Jahre seines Lebens verbrachte und das heute als Humboldt-Schlösschen bekannt ist:
"Ich lieb' euch, meiner Wohnung stille Mauern,
und habe euch mit Liebe aufgebauet;
wenn man des Wohners Sinn im Hause schauet,
wird lang nach mir in euch noch meiner dauern."
Der Gelehrte, Staatsmann und Mitbegründer der Universität Berlin, Wilhelm von Humboldt (1767-1835), bewohnte nicht nur das elterliche Haus, sondern gestaltete das Erbe so, wie es seinem humanistisch-liberalen Bildungsideal und seinen ästhetischen Vorstellungen entsprach. Das, was ihn an der Welt interessierte, sollte auch sein häusliches Ambiente prägen.
© Lars Reimann
Das erste preußische Antikenmuseum: der 1824 fertiggestellte Antikensaal im Humboldt-Schloss, den Karl Friedrich Schinkel an das bestehende Gebäude anfügte.
Um dies zu ermöglichen, erteilte er dem von ihm hochgeschätzten Karl Friedrich Schinkel den Auftrag, das Schloss umzubauen. Schinkel erweiterte bis 1824 das Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert zu einem viertürmigen, wohlproportionierten klassizistischen Kubus - ein architektonisches Bravourstück. Darüber hinaus schuf er angemessene Räume für die Kunstsammlung von Wilhelm und dessen Frau Caroline. Auf diesem Wege entstand das erste preußische Antikenmuseum. Die hervorragenden römischen Marmorkopien nach hellenistischen Vorbildern und eine Studiensammlung von Gipsabgüssen waren nicht nur zur Erbauung für Gelehrte oder Freunde gedacht, sondern auch für Besucher zugänglich. Im Gedenken an Humboldts Geist, einer "Bildung durch Anschauung", die Wohnen und Kunst miteinander verband, bewahrten die engagierten Nachfahren bis heute diese doppelte Nutzung. Die halböffentliche Privatsammlung gilt als Vorläuferin des von Schinkel erbauten, 1830 eingeweihten Alten Museums am Lustgarten auf der Berliner Museumsinsel.
© Lars Reimann
Ein Kleinod des Klassizismus: das Humboldt-Schloss in Berlin-Tegel
Das Schloss hatte auch schwere Zeiten zu überstehen. Im Zweiten Weltkrieg nach Mecklenburg ausgelagertes Mobiliar blieb verschollen, während von der sowjetischen Kunstkommission beschlagnahmte Marmorwerke 1958/59 an die DDR gingen. 1990 gab man sie der Familie zurück. 1988 bis 1991 wurde das Gebäude umfassend restauriert. Bei einem Unwetter im Mai 1993 drang Wasser in das Dach ein, so dass die Farben der Decke und die der West- und Nordwand im Antikensaal abplatzten. Bei der Beseitigung der Schäden unterstützte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Eigentümer mit 25.000 Euro. Auch der Bund und das Landesdenkmalamt Berlin halfen bei der Instandsetzung, auf dass die noble Tradition, das Haus für Interessierte zu öffnen, weiterlebe.
Info: Von Mai bis September bieten die Eigentümer jeweils montags Führungen durch das Haus und den Antikensaal an (10, 11, 15 und 16 Uhr). Gruppen sollten sich vorher schriftlich anmelden. Der Park ist ganzjährig öffentlich zugänglich.
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