Monumente Online

Ausgabe: Oktober 2007

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Kulissen des Pferdesports

(c) Bayerische Schlösserverwaltung München / (c) R. Rossner Bonn Kleine Kulturgeschichte

"Der gute Max"

Bayerns Könige Teil I: Vom Fürstentum zum Königreich

In diesen Tagen wird in München wieder gefeiert. Wie jedes Jahr strömen Menschenmassen zum weltberühmten Oktoberfest auf die Theresienwiese. Mit vielen "Maß Helles, Hendln und Musi" wollen sie "a Mordsgaudi" haben.
Die wenigsten wissen, dass das 16-tägige Volksfest ein Kind des bayerischen Königshauses ist: Am 12. Oktober 1810 heiratete Kronprinz Ludwig Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Da auch Bayerns Bürger an der Hochzeit teilhaben sollten, lud Maximilian I. Joseph, von seinen Untertanen König Max genannt, sie vor die Tore Münchens ein. Höhepunkt war ein Pferderennen, das alle so begeisterte, dass König Max beschloss, das Volksfest zu wiederholen. Die Festwiese heißt seither Theresienwiese, und das Oktoberfest war geboren.

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König Maximilian I. Joseph, 1824 gemalt vom Münchner Hofmaler Joseph Stieler Großbildansicht

Das Volksfest spiegelt das wider, was die meisten mit Bayerns eigenwilliger Seele verbinden - pralle Lebenslust und Patriotismus. Nur ganze 112 Jahre - von 1806 bis 1918 - war Bayern Königreich. Diese Zeit aber reichte aus, um das Land zu prägen. Besagter Max, Bayerns erster König, war auf der einen Seite ein umgänglicher, volksnaher Monarch, auf der anderen aber nüchterner Taktierer, dem es gelang, die Grundlage des heutigen Freistaates zu schaffen. So konnten seine Nachfolger auf dem Königsthron, allen voran Ludwig I. und Ludwig II., mit ihrem Sinn für Kunst, Architektur und Genuss dem von der Natur verwöhnten Alpenland die königliche Pracht verleihen, die es mit der beeindruckenden Residenzstadt München und den grandiosen Königsschlössern heute noch präsentiert. Ein Wermutstropfen allerdings trübt den Bayernstolz über die Monarchie. Trotz Widerlegungsversuchen haftet dem Königreich Bayern der Makel einer "Krone von Napoleons Gnaden" an. König Max bezeichnete es selbst als "Sauglück", dass er bei der schwierigen Erbfolge innerhalb der Wittelsbacher-Linien überhaupt Kurfürst von Bayern geworden war. Unmittelbar dazu beigetragen hatte, dass sein protestantischer Vater, Pfalzgraf Friedrich Michael von Birkenfeld-Zweibrücken aus der pfälzischen Linie der Wittelsbacher, 1746 klugerweise zum katholischen Glauben übergetreten war. Denn nur ein Katholik durfte Bayern regieren. Zudem konnte der pfälzische Kurfürst Karl Theodor 1777 die Kurwürde seines Fürstentums mit der Bayerns vereinen. Weil er kinderlos blieb und Maxens erbberechtigter älterer Bruder starb, wurde der 43-Jährige 1799 Kurfürst Maximilian IV. Joseph von Bayern.

Zu dem Zeitpunkt hatte dieser schon bewegte Jahre hinter sich. 1756 in Mannheim geboren, war ihm die militärische Laufbahn bestimmt. Da sein Vater früh starb und seine Mutter ob ihres "losen" Lebenswandels verstoßen wurde, kam Max in die Obhut seines Onkels Herzog Christian von Zweibrücken. Dieser erzog ihn im französischen Geist, der ihn nie mehr verließ. Der Gönner des Onkels, König Ludwig XVI., ernannte Max mit 20 Jahren zum Kommandeur seines Regiments Royal Alsace in Straßburg. 1785 heiratete Max die Prinzessin Auguste Wilhelmine von Hessen-Darmstadt. Den kurz darauf geborenen Stammhalter nannten sie dem französischen König zu Ehren Ludwig. Ironie des Schicksals: Gerade dieser spätere König Ludwig I. von Bayern entwickelte sich schon in jungen Jahren zum ausgeprägten Franzosenhasser. Kein Wunder, denn 1794 musste Max mit seiner Familie vor den französischen Revolutionstruppen fliehen. 1796 endete die Vertreibung im Exil in Ansbach. Es traf ihn schwer, dass innerhalb eines Jahres sein Bruder Karl August und 1796 seine lungenkranke Frau starben.

In Karlsruhe entflammte Maximilian für Karoline Friederike, Tochter des ebenfalls geflüchteten Erbprinzen Karl Ludwig von Baden. "J'en suis fou", schrieb er "verrückt vor Liebe" den skeptischen Schwiegereltern in spe. Auch die um 20 Jahre jüngere Karoline war von dem heimat- und mittellosen Witwer mit den fünf Kindern angetan. Bevor man 1797 zum Altar schritt, wurde vereinbart, dass die Braut protestantisch bleiben durfte, auch wenn gemeinsame Kinder katholisch erzogen werden sollten. Damit eröffnete Karoline den Reigen der evangelischen Königinnen auf dem Bayernthron. Weitere acht Kinder waren dem Paar beschert, vornehmlich Töchter, die Max vorteilhaft in die französischen, deutschen und österreichischen Königs- und Kaiserhäuser verheiratete. Beim Einzug in seine zukünftige Residenzstadt München 1799 ließen ihn die Bürger begeistert hochleben. Diese Nähe zum Volk lag dem kontaktfreudigen, in seinem Wesen bodenständigen Kurfürsten.

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Bayerns Minister Montgelas, sitzend auf dem Podest zwischen dem französischen Diplomaten Talleyrand (l.) und dem Vorsitzenden des Wiener Kongresses, Fürst von Metternich (r.), dahinter Fürst von Hardenberg (M.) und Metternichs Berater von Gentz Großbildansicht

Max besaß politischen Instinkt, aber keine Regierungserfahrung. Zu seinem Glück hatte er seit den Ansbacher Zeiten Maximilian von Montgelas (1759-1838) an seiner Seite. Der Münchner Halbfranzose war unter Karl Theodor Minister gewesen, musste aber 1785 fliehen, als der geheime Illuminaten-Orden, dem er angehörte, verboten wurde. Als ausgefuchster Diplomat und Politiker war er für Max ab 1799 Gold wert. Mit Montgelas als leitendem Minister war es ihm möglich, 20 Jahre lang in den unruhigen Zeiten der Napoleonischen Kriege so geschickt zu taktieren, dass Bayern zum größten deutschen Mittelstaat heranwuchs. Beim Reichsdeputationshauptschluss von 1803, einem umwälzenden Entschädigungsgeschäft für die Reichsfürsten aufgrund des Verlustes der linksrheinischen Gebiete an die Franzosen, gehörte Bayern durch die Aufhebung zahlreicher geistlicher Territorien zu den großen Gewinnern.

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