Monumente Online

Ausgabe: Juli 2007

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Neues Bauen - Aufbruch in die Moderne

c) ML Preiss / ML Preiss Streiflicht

Ein Spiel von Farbe und Licht

Das Erikahaus in Hamburg-Eppendorf

Orange, rote und gelbe Farben leuchten von der Decke und den Wänden. Der Anstrich sieht nach einem Experiment aus dem Jahr 2000 aus. Was den Großen Saal des Erika-Hauses im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf fröhlich macht, ist aber die Farbenlust der zwanziger Jahre.

Beim ehemaligen Schwesternheim Erika war der Architekt und Baudirektor Hamburgs, Fritz Schumacher, am Werk. Er errichtete 1912 bis 1914 das stattliche hanseatische Backsteingebäude mit dem bauchigen Mittelrisalit und zwei flacheren Flügeln, von dessen typischem hohen Dach Fledermausgauben wie Augen hinunterblinzelten. Wohl 1925 ließ Schumacher von einem Künstler das historisierende Blau des ehemaligen Speisesaals in ein überraschendes, ungemein überzeugendes Gelborange und Rot ändern. Es scheint so, als habe er damit nachträglich seine eigene Reformarchitektur veredelt. Für das Universitätsklinikum bedeutete die Restaurierung dieses Saals mehr als einen willkommenen Farbtupfer im Krankenhausalltag. Bislang fehlten auf dem seit 1885 entstandenen riesigen Areal Räume für gesellschaftliche Veranstaltungen und medizinische Kongresse.

 (c)  ML Preiss
© ML Preiss
Ein typischer Fritz-Schumacher-Bau: das Erikahaus Großbildansicht
 (c)  ML Preiss
© ML Preiss
Der restaurierte Speisesaal im Art-Déco-Stil Großbildansicht

Der Mittelbau des Erika-Hauses mit Sälen im Erd- und im Obergeschoss ist für diesen Zweck wie geschaffen. Die vielen nachträglichen Einbauten waren glücklicherweise rückgängig zu machen, teigige Binderfarbenschichten ließen sich lösen und das Fischgrät-Parkett wieder freilegen. Die farbig gefassten hohen Fenster des Risalits haben den Krieg fast ohne Schäden überstanden. Deshalb lohnte sich die Restaurierung, an der sich neben dem Vorstand und dem Freundes- und Förderkreis des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf e. V. die Stadt Hamburg und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz nicht zuletzt aufgrund einer namhaften Spende beteiligt haben. Im Wandelgang, dem Treppenhaus und im völlig entstellten Gartensaal des Erdgeschosses ging die Entdeckungstour der Restauratoren bis 2005 weiter: Es wurden Wände und Türen von Büros entfernt und alte Farben freigekratzt, die originale Farbigkeit auch hier wiederhergestellt.

Wenn man an das Ziel von Fritz Schumacher denkt, der den Schwestern des Klinikums "einen freundlichen und behaglichen Ruhepunkt inmitten ihres schweren Berufes" schaffen wollte, erklären sich die freundlichen Farben im Haus wie von selbst. Die Krankenschwestern konnten hier zumindest für eine kurze Zeit bei einem sonnigen Mittagessen ihren sterilen, weißen Arbeitstag unterbrechen. Sonnige Stunden bei Konzerten oder Tagungen sind nun auch den Patienten und Besuchern des Klinikums vergönnt.

Dr. Christiane Schillig

Kopfgrafik links: Der Risalit verleiht dem Festsaal eine schwungvolle Note.

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