Monumente Online

Ausgabe: März 2007

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Interieurs - Bühnen gesellschaftlichen Lebens

 c) G. Kiesow / c) G. Kiesow Sehen lernen

Vom echten Marmor bis zum Marmorieren

Wussten Sie, dass es Stuckmarmor schon in der Antike gab?

Ist ja kein echter Marmor, nur ein Ersatz." Diese abfällige Bemerkung vernimmt man oft vor Bauwerken mit Stuckmarmor. In Wirklichkeit ist es heute teurer, Stuckmarmor herzustellen, als echten Marmor zu beschaffen. Die einzelnen Arbeitsschritte erfordern einen beachtlichen Zeitaufwand und große handwerkliche Fähigkeiten.

 (c)  G. Kiesow
© G. Kiesow
Stuckmarmor in verschiedenen Farbtönen schmückt die Wände im Palais Altenstein in Fulda. Großbildansicht

Schon in der Antike stellte man Stuckmarmor her, nachdem die Marmorsorten mit besonders reicher Maserung und Farbigkeit erschöpft waren, und man genoss es, nun selbst die Wirkung dieser edelsten der Baumaterialien bestimmen zu können. Aus Alabastergips, Leim und verschiedenen Farbpigmenten werden Breimassen hergestellt und dann so ineinander gemischt, wie man sich die Wirkung wünscht. Man erinnere sich an den Marmorkuchen, nur gibt es beim Stuckmarmor nicht nur hellen und dunklen Teig, sondern die Breimassen können viele verschiedene Färbungen haben.

Die Wanddekorationen im Palais Altenstein in Fulda aus dem Spätrokoko der Zeit um 1770 weisen vier verschiedene Ausprägungen von Stuckmarmor auf, in drei Variationen von Rot im Hauptfeld und den beiden unteren querliegenden Feldern, sowie in Grau- und Blautönen im Bereich des Sockels. Die überaus kunstvolle Mischung der farbigen Breimassen wird deutlich. Diese wurden nach dem Ineinandermischen auf die Maueroberfläche aufgetragen, mit dem Spachtel geglättet und dann nach dem Aushärten so lange geschliffen, bis jener Hochglanz entstand, der dem echten Marmor gleicht. Echten Marmor kann man von Stuckmarmor bereits durch Handauflegen unterscheiden, er wird sich immer deutlich kühler anfassen, und bei großen Bauteilen weist er außerdem Fugen auf.

So erkennt man in der 1710-18 entstandenen Rotunde des Schlosses in Wiesbaden-Biebrich, dass die Kolossalsäulen nicht aus einem Stück bestehen, sondern die beiden Fugen in der oberen Hälfte auf die Zusammensetzung von drei verschiedenen Trommeln aus echtem Lahnmarmor hinweisen. Dagegen kann das Gebälk in derselben Rotunde unmöglich aus echtem Marmor bestehen, denn es findet sich keine einzige Fuge. In dieser ringförmigen Großform hätte man es aber nicht aus Lahnmarmor hergestellen können. Es muss also Stuckmarmor sein.

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Während die Säulen im Schloss von Wiesbaden-Biebrich aus echtem Marmor bestehen, wurde die Ringform des Gebälks aus Stuckmarmor gefertigt. Großbildansicht
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