Bühnen höfischen Lebens
Schlösser, Burgen und Klöster locken Besucher nicht nur wegen ihrer Architektur und wegen der sie umgebenden Gärten und Parks, sie bieten oft auch kostbar ausgestattete Räume im Innern. Diese "Bühnen höfischen Lebens" sind Gesamtkunstwerke, bestehend aus Wandverkleidung, Textilien, Stuck, Gemälden und Möbeln, in denen sich nicht nur der Zeitgeschmack, sondern auch der Stand der jeweiligen Schlossherren spiegeln.
Mit dem Band "Raumkunst - Kunstraum", der sich den schönsten Innenräumen widmet, setzen die neun deutschen Schlösserverwaltungen ihre Reihe über die in ihrem Besitz befindlichen Anlagen fort. Zuvor waren die Bände "Reisezeit - Zeitreise" als Führer zu Schlössern und anderen Bauten (1999) sowie "Gartenlust - Lustgarten" (2003) erschienen. "Raumkunst - Kunstraum" gibt ein breit gefächertes Bild von der Kunstfertigkeit der Raumgestalter vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Informationen über Öffnungszeiten, Anreise- und Parkmöglichkeiten und andere nützliche Angaben ergänzen das Buch.
Raumkunst - Kunstraum. Innenräume als Kunstwerke - entdeckt in Schlössern, Burgen und Klöstern in Deutschland. Offizieller Führer der Schlösserverwaltungen Baden-Württemberg, Bayern, Berlin-Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2005. ISBN 978-3-7954-1732-1, 256 S., 14,90 Euro.
Wiedergewonnene barocke Pracht
Ein ganz besonderes Werk der Raumkunst ist seit 2006 wieder in Dresden zu bewundern: das Grüne Gewölbe im Schloss. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurden die von August dem Starken zwischen 1723 und 1730 eingerichteten Sammlungsräume an ihrem angestammten Platz sorgfältig restauriert und rekonstruiert. Die wunderbaren Pretiosen, die in den vergangenen Jahrzehnten andernorts präsentiert wurden, entfalten nun in den speziell für sie geschaffenen barocken Ausstellungsräumen wieder ihre ganze Pracht.
Das unmittelbar nach der Eröffnung im September 2006 erschienene Buch schildert die Etappen der Sicherung und des Wiederaufbaus seit 1945 und zeigt die prachtvollen Räume mit ihren verschiedenen Dekorationen und den umfangreichen Schätzen in zahlreichen Detailaufnahmen.
Das Grüne Gewölbe im Schloss zu Dresden. Rückkehr eines barocken Gesamtkunstwerkes. Hrsg.: Staatsbetrieb Sächsische Immobilien- und Baumanagement und Staatliche Kunstsammlungen Dresden. E. A. Seemann Verlag, Leipzig 2006. ISBN 978-3-86502-148-9, 240 S., 29,90 Euro.
Keramik zum Gebrauch
Hedwig Bollhagen (1907-2001) gehört zu den bedeutendsten Keramik-Künstlern der Moderne. Seit 1927 gestaltete sie vor allem Gebrauchskeramik. Von Werkbund und Bauhaus beeinflusst, schuf sie zahlreiche Entwürfe, die mit ihren zeitlosen, funktionalen Formen und den darauf abgestimmten geometrischen Dekoren zu Klassikern der Moderne wurden. Die von ihr 1934 gegründeten HB-Werkstätten für Keramik in Marwitz bei Berlin produzieren noch heute neben Geschirr auch Fliesen und Bauteile für die Denkmalpflege.
Die Dissertation von Andreas Heger widmet sich umfassend dem Schaffen der Keramikerin Hedwig Bollhagen. Ihr Nachlass wird zur Zeit dank einer von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz verwalteten Treuhandstiftung für die dauerhafte Präsentation in einem Potsdamer Museum aufbereitet. Vom 22. Juni 2007 bis 13. Januar 2008 wird eine große Jubiläumsschau im Haus der Brandenburgisch Preußischen Geschichte das Werk der Künstlerin vorstellen.
Andreas Heger: Keramik zum Gebrauch - Hedwig Bollhagen und die HB-Werkstätten für Keramik. Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 2005. ISBN 978-3-89739-491-9, 532 S., 88 Euro.
Rezensionen: Dr. Dorothee Reimann