Der Merseburger Stiftsbaumeister Johann Wilhelm Chryselius veröffentlichte 1790 eine "Anweisung, holzersparende Oefen, Pfannen-, Brat-, Kessel- und Küchenfeuerungen nach richtigen Grundsätzen und Erfahrungen anzulegen". In seiner weitverbreiteten Schrift schmähte er die großen Öfen vergangener Epochen nicht nur als unrentabel, sondern vor allem als hässlich: "Man ist gewohnt, unter dem Namen Kachelofen einen schlechten ungestalteten Ofen sich zu denken; und die meisten sind es auch wirklich; denn es giebt ganz außerordentlich große und plumpe Arten, gewöhnlich werden die Kacheln zu groß gemacht, und wunderbar verziert, z. B. in jeder Kachel ein geharnischter Mann, ein Fisch oder anderes Thier."
Tatsächlich war der mit Holz befeuerte Kachelofen, der in Mitteleuropa das raue Klima ertragen half, jahrhundertelang das beherrschende Element in beheizbaren Räumen. Erst im 18. Jahrhundert wurde er als ein Teil der Innenausstattung begriffen und seine Gestalt bewusst auf die übrige Ausstattung des Zimmers abgestimmt.
Viel Spiel ums Feuer
Eine kleine Kulturgeschichte des Kachelofens
Frühmittelalterliche Vorläufer dieser so dominanten wie beliebten Wärmespender waren einfache Lehm- oder Steinöfen, in die einzelne, meist becherförmig gewölbte Kacheln eingelassen wurden. Diese sollten die Oberfläche vergrößern und damit die Wärmeabstrahlung steigern. Wohl im 14. Jahrhundert wurde der vollausgebildete Kachelofen entwickelt: Mit farbig glasierten und plastisch ausgebildeten Kacheln geriet er schnell zum Objekt künstlerischer Gestaltung. Im Alpengebiet entstanden, hatte sich diese Form der Heizung weiter nach Norden und Osten verbreitet.
Während der einfache, glasierte Kachelofen mit dem Ausgang des Mittelalters auch in den Bauernstuben Einzug hielt, waren reich verzierte Kachelöfen lange Zeit nur in Häusern wohlhabender Bürger und Adeliger anzutreffen. Die ältesten erhaltenen Exemplare stammen aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert. Ihre architektonische Gliederung - der größere beheizbare Feuerkasten wurde von einem schmaleren, turmartigen Aufbau bekrönt - blieb lange Zeit verbindlich. In der Spätgotik war man bereits in der Lage, verschiedene Glasuren auf einer Kachel zu kombinieren und so einzelne Partien unterschiedlich einzufärben. Der berühmte Prunkofen in der Goldenen Stube der Festung Hohensalzburg (1501) enthält über 100 farbige Reliefkacheln, von denen jede ein anderes Motiv zeigt. Für die Heiligendarstellungen und Wappen dienten - wie so oft - Kupferstiche als Vorlage.
Heute haben vollständig erhaltene Öfen Seltenheitswert. Meistens sind nur Fragmente oder einzelne Schmuckkacheln überliefert, die immerhin eine Ahnung von der Vielfalt der Motive vermitteln können. Aufschluss über Aufbau und Gestaltung von Kachelöfen zu jener Zeit geben daher auch Druckgraphiken und Gemälde, die Einblicke in Ratsstuben, Rittersäle, Wirtshäuser, Spinn- oder Badestuben gewähren. Mit der Renaissance änderte sich zunächst nur die Art der Verzierung: Bei den prachtvollen Exemplaren schlugen sich die künstlerischen Errungenschaften jener Zeit natürlich auch auf den größer werdenden Kacheln nieder. Die Figuren, sogar ganze Szenen, wurden nun bevorzugt in perspektivisch dargestellte Architekturen eingebunden, und die Öfen waren nicht selten Träger ausgeklügelter humanistischer Bildprogramme.












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