Welch großartige Inszenierung! Eine beeindruckende Fülle an Exponaten empfängt uns in dem riesigen, hellen, aber schlichten Raum. Wie auf einer dreidimensionalen Landkarte bewegen wir uns zwischen den Inseln Ozeaniens, staunen über Boote, Statuen, exotische Pflanzen, Meerestiere und Korallenriffe.
Die Welt des Hugo Schauinsland
Das Übersee-Museum in Bremen
Entstanden ist das "Städtische Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde" 1896, angeregt durch den Erfolg der "Nordwestdeutschen Gewerbe- und Industrieausstellung", die 1890 im Bremer Bürgerpark stattfand. Hier präsentierte sich Bremen als bedeutende Handelsstadt mit vielfältigen überseeischen Geschäftsbeziehungen. Neben Handelsgütern wurden deshalb auch natur- und völkerkundliche Exponate ausgestellt - alles in allem ein letzter Anstoß für ein von Stadt und Bürgern gleichermaßen gefördertes Museum.
Gründungsdirektor war der Zoologe Hugo Schauinsland. Natur, Handel, Lebenswelten und Kultur auf der Erde wollte er als ein einheitliches Ganzes zeigen. Das neue Museum sollte der Bildung aller dienen, nicht ausschließlich der Wissenschaft. Auch war geplant, stets alles, was das Museum besaß, auszustellen, deshalb gab es zunächst keine Magazinräume. Die Bestände kamen aus verschiedenen Quellen: Die Sammlungen des "Naturwissenschaftlichen Vereins", der aus der im 18. Jahrhundert gegründeten "Physikalischen Gesellschaft", der späteren "Gesellschaft Museum", hervorgegangen war, gingen 1875 zusammen mit der ethnographischen Sammlung der "Anthropologischen Kommission" in städtischen Besitz über. Auch Bremer Kaufleute steuerten Vieles bei. Und Hugo Schauinsland erwarb selbst bei zahlreichen Reisen in ferne Gefilde Exponate für das Museum.
Doch schon während des Baus erwies sich das Haus als zu klein, so dass es bereits 1907-11 auf die heutige Größe erweitert werden musste. Dabei ist der zweite Lichthof entstanden, die Front zum Bahnhof wurde verbreitert. Im Zweiten Weltkrieg zerstörte eine Brandbombe den ersten Lichthof, der dann in den fünfziger Jahren in der heutigen schlichten Form wieder aufgebaut wurde. Auch die gläserne Kuppel wurde nicht wieder errichtet, doch erst bei der Restaurierung in den letzten Jahren erhielten die beiden Lichthöfe die hellen Glasdächer. Auch die beiden Ausstellungen über Ozeanien und Asien wurden in diesem Zusammenhang neu konzipiert. Eine neue Treppe zwischen den Lichthöfen erschließt die Galerien der oberen Etagen. Dort finden die Ausstellungen über die anderen Kontinente Platz, die derzeit noch auf eine Neuordnung warten. Sie wird mit der Restaurierung der Hauses im Inneren Schritt für Schritt vorangebracht.
Doch auch von außen muss der markante Bau dringend saniert werden, denn die Schäden an den Fassaden, an den Balustraden, Gesimsen und Ziergiebeln sowie an den figürlichen Sandsteinreliefs sind unübersehbar. Für die Sicherung der Fassaden stellte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz deshalb 2006 24.000 Euro zur Verfügung. Außerdem unterstützt auch die Stadt Bremen die Sanierungsmaßnahmen des Museums.
Denn obwohl das Äußere bisher nicht sehr ansprechend ist, gehört das Haus zu den beim Publikum beliebtesten deutschen Museen - als "Welt unter einem Dach", wie Hugo Schauinsland es einst genannt hat.
Dr. Dorothee Reimann
Übersee-Museum Bremen, Bahnhofsplatz 13, 28195 Bremen
geöffnet: Di-Fr 9 bis 18 Uhr, Sa, So 10 bis 18 Uhr












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