MO: Hat der Begriff der Hanse auch für das moderne Europa noch eine Aktualität?
Die Hanse - Ausdruck Europäischen Denkens
Dr. Robert Knüppel: Aktuelle Initiativen wie die in den Niederlanden gegründeten "Hansetage der Neuzeit", die "Hanse Wirtschaftstage", die von Finnland und Schweden ausgehende "Neue Hanse" oder die "Ars Baltica" des Landes Schleswig-Holstein bemühen sich darum, den Geist der Hanse für die Annäherung von Nord- und Osteuropa an Westeuropa nutzbar zu machen. So kann es bei der Wiederbelebung der Hanse nicht darum gehen, die wirtschaftliche und politische Vormachtstellung zurückzugewinnen. Es geht vielmehr darum, den Geist der Geschichte, den Geist der Hanse, als Lebens- und Kulturgemeinschaft für die heutige Politik wieder nutzbar zu machen. Ihren Bürgersinn, in Jahrhunderten erprobt, die Identifizierung des Bürgers mit seiner Stadt und ihren Aufgaben, das grenzüberschreitende Denken und Handeln, ihre Vorurteilslosigkeit und Toleranz im Umgang mit Fremden, das ist das Vermächtnis aus der Vergangenheit, das ermutigen sollte, auch heute im Geiste der einstigen Hanse tätig zu werden.
Kopfgrafik rechts: Der Hafen in Wismar.
Zur Person:
Dr. Robert Knüppel, Jahrgang 1931, ist seit 2003 Generalsekretär der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. 1976-1988 war er Bürgermeister und Oberer Denkmalpfleger der Hansestadt Lübeck und seit 1992 Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie der Brandenburgischen Schlösser GmbH. Darüber hinaus war er 1973-1999 zunächst Vorstandsmitglied und später Vorstandsvorsitzender der Possehl-Stiftung in Lübeck.
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