Monumente Online

Ausgabe: Januar 2007

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Zu Land und zu Wasser – Historische Handelswege

(c) ML Preiss, (c) ML Preiss Leitartikel

Wo auch "Kuh und Ochse fahre ..."

Fährt man von Stuttgart entlang der "Straße der Staufer" durch das historische Kernland dieses Herrschergeschlechts - in der alten Stauferstadt Göppingen gibt es unter der Ruine der Stammburg Hohenstaufen eine Dokumentationsstätte -, so führt ab Ulm die Strecke erst einmal schnurgerade zwischen den beiden Routen der "Oberschwäbischen Barockstraße" und der "Bäderstraße" durch die Region der Klöster und Abteien. Dort liegt so kulturhistorisch Interessantes wie etwa die malerische Altstadt von Biberach an der Riß, Bad Schussenried mit dem berühmten barocken Bibliothekssaal im ehemaligen Prämonstratenserkloster, Kloster Weingarten oder Ravensburg, die "Stadt der Türme", die sich nicht nur durch ihre Spiele einen Namen gemacht hat.

 (c)  ML Preiss
© ML Preiss
Blick von der Veitsburg auf Ravensburg. Großbildansicht

Doch was wäre das Hohelied auf die Schwäbische Eisenbahn, wenn ihr nicht auch ein Denkmal gesetzt worden wäre. So empfand es auch der Unternehmer Alfons Walz aus Bad Waldsee und ließ stilecht am alten Bahnhof von Durlesbach eines errichten. Dies muss man wissen, denn der Besuch des Denkmals "Schwäbische Eisenbahn" erfordert durchaus detektivisches Gespür. Vom Zug aus fliegt der stillgelegte Bahnhof Durlesbach auf der Strecke zwischen Aulendorf und Ravensburg vorbei. Von der Straße her ist er ein im Schussental versteckter, idyllischer Picknickplatz westlich von Reute bei Bad Waldsee. Dort am alten Bahnhof, der seit 2003 von einem Düsseldorfer Künstlerpaar restauriert wird, ließ Walz Anfang der 90er Jahre einen alten schwäbischen Schmalspur-Dampfzug, bestehend aus Lokomotive und zwei Waggons, aufstellen. Der Künstler René Auer schuf dazu eine gelungene Bronzegruppe mit Bauer, Bäuerin, Geißbock und lachendem "Kondukteur", der die Gesichtszüge des Unternehmers trägt.

Wer aber das nostalgische Gefühl des Bahnreisens in der guten alten Zeit selbst erleben möchte, der sollte eine der drei Museumsbahnen entlang der Strecke besuchen.

Meist an Wochenenden und Feiertagen schnaufen historische Züge unter vollem Dampf auf wiederbelebten Normal- und Schmalspurstrecken dahin, bieten liebevoll eingerichtete kleine Museen Einblicke in das Leben mit der Eisenbahn. Alles aus Leidenschaft gewartet und bedient von Eisenbahnfreunden, die sich nicht nur an den technischen Konstruktionen alter Dampflokomotiven begeistern können.

 (c)  ML Preiss
© ML Preiss
Das Denkmal "Schwäbische Eisenbahn" am 1907 erbauten Bahnhof von Durlesbach. Großbildansicht

In Göppingen kann man sich ein Stück Eisenbahn-Romantik auch mit nach Hause nehmen. Nach einem Besuch des Märklin-Museums lassen im Museumsladen der 1859 gegründeten Spielwarenfabrik käufliche Eisenbahn-Modelle dann endgültig Kinder- und Männerherzen höher schlagen.
Die Hymne auf die schwäbische Eisenbahn kennen übrigens die meisten, die man auf der Reise trifft. Selbst Nichtschwaben können zumindest die erste Strophe des Volksliedes, und wenn nicht, macht nichts, denn zum Schluss heißt es: "So, jetzt wär das Lied gesunge, s'hätt euch wohl in d' Ohre g'klunge. Wer's no nit bekreife ka, fang's no mal von vorne a!"

Christiane Rossner

Förderprojekte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz an der "Strecke":

Besigheim:
Sogenanntes Steinhaus der Oberen Burg aus dem 13. Jahrhundert (Kirchstraße)

Esslingen:
St. Dionys (Marktplatz 17)
Renaissance Rathaus (Rathausplatz 1)
Villa Merkel von 1873 (Pulverwiesen 25)
Central-Theater von 1913 (Roßmarkt 9)

Ehringen:
Ehemalige Spitalkapelle zum Heiligen Geist von 1498 (Kasernengasse)

Köngen:
Renaissance-Schloss (Oberdorfstraße 2)

Lauffen am Neckar:
Mittelalterliche Stadtmauer

Meckenbeuren-Brochenzell:
Renaissance-Schloss Humpis (Humpisstraße 3)

Ravensburg:
Das mittelalterliche Humpisquartier (Marktstraße 45)

Stuttgart:
Fachwerkhäuser aus dem 18. Jahrhundert (Richtstraße und Weberstraße)

Tettnang:
Schweizer Haus von 1880 (Friedhofstraße)

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