Wie ein Samttuch legt sich die Schieferdecke über das Würzburger Käppele. Mit ihren geschwungenen Konturen strahlt die eigenwillige Dachlandschaft der Wallfahrtskirche auf dem Nikolausberg schon von weitem eine verspielte Heiterkeit aus. Patina und Lichtreflexe zaubern auf den grauen Stein eine Farbskala von Silber bis Grünbraun.
Das Licht feiert den Schiefer
Zur Geschichte eines Baustoffs
Der Schieferbergbau - ob als Tage- oder Tiefbau - ist ein mühsames Geschäft: Nur etwa fünf Prozent einer Lagerstätte bleiben tatsächlich als fertiger Dach- oder Wandschiefer übrig. In der Spalthütte wird der Rohstein von Hand in millimeterdünne Platten gespalten und dann zugeschnitten.
Arbeitsschritte und Werkzeuge haben sich in den vergangenen Jahrhunderten nicht grundsätzlich verändert - abgesehen davon, dass die Spalthütte heute Fertigungshalle heißt und moderne Maßnahmen zur Staubbekämpfung die Arbeiter vor der gefürchteten Staublunge bewahren. Die Eisenbahn brachte den entscheidenden Durchbruch für den Vertrieb. In Zeiten, in denen dieser auf dem Landweg von Schieferfuhrleuten besorgt werden musste, hatten die Transportkosten den Wert des Steins um ein Vielfaches überstiegen.
Am Aufschwung der Schieferindustrie im 19. Jahrhundert waren jedoch auch veränderte Brandschutzbestimmungen beteiligt. Nachdem immer wieder ganze Dörfer und Städte verheerenden Feuern zum Opfer gefallen waren, wurden in vielen Orten die gängigen Stroh- oder Holzschindeldächer sowie Holzverkleidungen verboten. Außerdem bietet der Naturbaustoff gerade in Gegenden mit rauer Witterung seit jeher den besten Wetterschutz und ist äußerst langlebig.
Unter den verschiedenen Deckungsarten gebührt der traditionellen Altdeutschen Deckung immer noch der erste Rang: Die von Hand und nach Augenmaß zugeschnittenen Decksteine werden in einzelnen, meist schräg ansteigenden Reihen (Gebinden) verlegt. Vom Fußgebinde bis zum First nimmt deren Höhe allmählich ab. Zudem können die Steine in der Breite variieren, so dass die Fläche immer lebendig bleibt.
Seit 1845 gibt es auch den billigeren Schablonenschiefer, der weniger anspruchsvolle schematische Deckungen ermöglicht. Gängige Formen sind Sechseck-Schablonen, mit denen sich rautenförmige Muster bilden lassen, sowie Achteck- oder Rund-Schablonen für Schuppenmuster. Natürlich eignet sich Schiefer nicht nur für Dächer, sondern ebenso für Fassaden. Vor allem bei Fachwerkhäusern dient er als wirksamer Wasser- und Kälteschutz - ein Umstand, der viele historische Schieferfassaden bis heute bewahrt hat.
Der praktische Nutzen eines solchen Schieferbehangs konnte durch Schmuckgestaltung noch geadelt werden. Und so wurden in den typischen Schiefergegenden reiche Dekorformen ausgebildet. Man findet Ornamente und Figuren, die entweder durch entsprechende Anordnung gleichfarbiger Decksteine oder aber durch verschiedenfarbige Schiefer entstanden sind. Solche Musterverschieferungen sind zum Beispiel bei den Umgebindehäusern in der Oberlausitz sehr verbreitet.
Der größte Teil des bei uns verwendeten Materials kommt heute, da wesentlich günstiger, aus dem Ausland. Spanien ist mittlerweile der wichtigste Schieferlieferant in Europa. Importierte Decksteine können allerdings schlecht sortiert oder maschinell geschnitten sein - ein Qualitätsverlust, der vor allem für die Denkmalpflege ein Problem darstellt.
Noch vor Jahrzehnten wurde Schiefer häufig durch industrielle Produkte verdrängt: Kunststoff- und Blechplatten, Teerpappe oder Asbestzement boten scheinbar billige Alternativen, mit denen ganze Dörfer verschandelt wurden. Die sinkende Nachfrage bedeutete zudem das Aus für viele kleine Schiefergruben. Zum Glück werden die Vorzüge des blauen Steins längst wieder gewürdigt, dessen Zweckmäßigkeit nicht nur beim Käppele so faszinierend mit der Form einhergeht.
Dr. Bettina Vaupel
Museen:
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www.schiefermuseum.de (mit Links zu weiteren Schieferschaubergwerken)
Schiefermuseum Ludwigsstadt (Museum des Thüringisch-Fränkischen Schiefergebirges), Lauensteiner Str. 44, 96337 Ludwigsstadt, Tel. 09263/97 45 41 -
www.erholungspark-thueringen.de
Stiftung Thüringer Schieferpark, Am Staatsbruch 1, 07349 Lehesten, Tel. 036653/ 2 60 52 60 -
www.deutsches-schieferbergwerk.de
Eifelmuseum/Dt. Schieferbergwerk, Genovevaburg, 56727 Mayen, Tel. 02651/90 35 61 -
www.besucherbergwerk-fell.de
Besucherbergwerk Fell und Lehrpfad Schieferbergbau, Burgstr. 3, 54341 Fell bei Trier, Tel. 06502/98 85 88 oder 99 40 19













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