Monumente Online

Ausgabe: Mai 2006

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Brunnen, Bäder, Talsperren – Baukunst rund ums Wasser

(c)R.Rossner Streiflicht

Die Dreimastbark "Seute Deern"

Wahrzeichen Bremerhavens sucht Förderer

Ob er wohl ein Amerikaner ist, der Klabautermann der "Seute Deern"? Das Holz der Dreimastbark stammt nämlich von der nordamerikanischen Pitch-Pine, einer für den Schiffsbau geeigneten Kiefernart, und in Bäumen wohnen bekanntlich auch die Kobolde. Wird der Baum gefällt, bleibt der Kobold in seinem Holz und findet dann gerne in einem Schiffsmast ein neues Zuhause. Wird der zwergengroße Klabautermann von den Seeleuten respektiert und mit gutem Essen versorgt, ist er ein hilfreicher und guter Schiffsgeist. So scheint er auch die "Seute Deern", Flaggschiff des renommierten Deutschen Schifffahrtsmuseums und Wahrzeichen Bremerhavens, trotz ihres aufregenden und wechselvollen Schicksals, nie ernsthaft verlassen zu haben.

Früher hieß das "süße Mädchen" Elisabeth Bandi und war ein Viermastgaffelschoner. 1919 war er im amerikanischen Gulfport als Frachtsegler gebaut worden. Obwohl die Jungfernfahrt zur Katastrophe geriet - das Schiff nahm Wasser, die Mannschaft drohte zu meutern, weil sie ständig an den Pumpen stand, und der Kapitän verschwand eines Nachts spurlos -, erfüllte die "Elisabeth Bandi" danach treu ihre weiten Frachtreisen unter amerikanischer und später unter finnischer Flagge.

Der Stolz des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven: die
© R.Rossner
Der Stolz des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven: die "Seute Deern" Großbildansicht

1938 kaufte die Hamburger Reederei Essberger den Holzfrachter. Um junge Männer für die Laufbahn zum Marineoffizier ausbilden zu können, wurde das Schiff bei der Werft Blohm & Voss zur Dreimastbark umgebaut, denn die Matrosen müssen ihr Handwerk hoch in den Wanten der Takelage kletternd erlernen. Zur "Seute Deern" umgetauft und mit einem properen Mädchen in Altländer Bauerntracht als Galionsfigur versehen, segelte der Windjammer nun unter deutscher Flagge als frachtfahrendes Schulschiff, bis es im Zweiten Weltkrieg auf der Ostsee zu gefährlich wurde.

Die Galionsfigur gab dem Windjammer seinen heutigen Namen. (c) R.Rossner
© R.Rossner
Die Galionsfigur gab dem Windjammer seinen heutigen Namen. Großbildansicht

Als einziges Schiff der Fracht- und Tankerflotte des Reeders Essberger hat die "Seute Deern" den Krieg überstanden. Sie wurde später zum Hotel- und Restaurantschiff umgebaut und lag in Hamburg sowie im niederländischen Delfzijl vor Anker, bis sie 1966 einen neuen Heimathafen in Bremerhaven fand.
Weil die Weser immer mehr versandete, war Bremerhaven 1827 am Eingang zur Nordsee als Vorhafen Bremens gegründet worden. So konnte die Hansestadt ihre jahrhundertelange Funktion als Überseehafen und Handelsmetropole wahren. Die Bremerhavener mit ihren zahlreichen Werften wurden immer selbstbewusster und fühlten sich nicht mehr als eine "Kolonialsiedlung" Bremens. Aus diesem Gefühl heraus entstand Mitte der 1960er Jahre die Idee, an die große Zeit des Großsegelschiffbaus zu erinnern. Keines der alten hölzernen Schiffe aus den eigenen Werften war erhalten. Was lag näher, als die "Seute Deern", den letzten aus Holz gebauten Tiefwassersegler der deutschen Handelsflotte und größten noch erhaltenen hölzernen Frachtsegler der Welt, zum Wahrzeichen der Schiffbautradition zu wählen? So wurde mit der "Seute Deern" am Alten Hafen, der historischen Keimzelle Bremerhavens, schließlich das Deutsche Schifffahrtsmuseum gegründet.

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