Ein zinnenbekrönter, schlanker Turm schraubt sich in die Höhe. Er überragt ein verwittertes Schloss im hügeligen Park. Unbeschnittene Bäume und wildwachsende Sträucher laden dazu ein, Entdeckungstouren zu machen, zu klettern und sich ein verborgenes Plätzchen zu suchen. Über dem herrschaftlichen Eingang grüßen zwei Mohren. Dahinter öffnet sich eine Art Rittersaal, von dem aus verwinkelte Gänge und Treppen in exotische Reiche führen. So könnte ein Märchenschloss aussehen, wie es sich Kinder in ihren Träumen vorstellen.
Kindertraum in Gefahr
Das Mohrenhaus von Radebeul
Dieses Haus gibt es wirklich, und tatsächlich steht es Kindern zum Spielen, Toben und Lernen zur Verfügung. Bis 2004 wurden hier in Radebeul bei Dresden 105 Kinder in einer Tagesstätte betreut. Aber die ehemalige Fabrikantenvilla an den von Wein bewachsenen Elbhängen war dermaßen verfallen, dass die Südloggia und der romantische neogotische Turm gesperrt werden und die Kinder schließlich sogar das Haus verlassen mussten, weil morsche Treppen und der wacklige Balkon zu gefährlich für sie waren. Die Kleinen zogen aus, damit Notsicherungen vorgenommen werden konnten. Seit Ende August letzten Jahres sind sie wieder zurück in ihrem Haus in der Moritzburger Straße, das in Teilen weiter vor sich hin bröckelt.
Seit 1992 betreibt der Deutsche Kinderschutzbund die Einrichtung mit Kindertagesstätte, Hort und einem Jugendtreff in dem städtischen Haus, das 1544 - damals als Weinberghaus - erstmals erwähnt wurde. Schon seit 1993 bemühen sich engagierte Mitarbeiter im Hochbauamt und bei der Denkmalpflege darum, Geldquellen für die dringend notwendige Sanierung zu erschließen. Ist dies doch ein idealer Ort, um die blühende Phantasie, die Kinder von Natur aus haben, am Leben zu halten und ihnen einen Alltag zu ermöglichen, in dem die Jungen sich mühelos in Ritter und die Mädchen in Burgfräulein verwandeln können. Der Park ist hügelig genug, um hier im Winter Schlitten zu fahren, und so ausgedehnt, dass man im Sommer Picknickdecken ausbreiten und das Frühstück in die Natur verlegen kann.
Den hübschen Namen trägt das 1868/69 von den Dresdner Architektenbrüdern Ziller errichtete und 1911/12 von Max Herfurth im Jugendstil umgestaltete Haus des Historismus, weil es auf zwei Weinbergen errichtet wurde, die die Radebeuler "Mohrenköpfe" getauft hatten. Sie ähnelten wohl in der steilen, abgerundeten Form dem süßen, schokoladeüberzogenen Schaumgebäck.












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