Die 19jährige Caro wusste schon in der Schule, dass sie später praktisch und künstlerisch arbeiten wollte. Sie hilft einem Gemälderestaurator: "Es macht großen Spaß, mal vom Kopf wegzukommen und mit den Händen zu schaffen." Das bestätigt auch Ina: "Ich arbeite in einer Porzellanklinik. Es ist ein Einfrau-Betrieb, und wir restaurieren vor allem beschädigte Sanitärkeramik von Museen und Privatleuten. Vorher hatte ich zu Porzellan gar keine Beziehung, jetzt gefällt mir diese feinfühlige Arbeit sehr. Aber acht Stunden nur sitzen, das strengt an."
Jugend baut
Als die Stiftung das Projekt entwickelte, schwebte ihr die Tradition der mittelalterlichen Bauhütten vor, in deren sozialer Gemeinschaft Kunst und Handwerk eine Einheit bildeten. Im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) ist die Arbeit der Jugendbauhütten staatlich anerkannt, und zwar unter der Bezeichnung Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege (FJD). Angesprochen sind junge Menschen im Alter von 18 bis 26 Jahren, die Interesse an Denkmalkultur und Handwerk haben und sich ein Jahr lang darin orientieren möchten. Besondere schulische Voraussetzungen bestehen zur Teilnahme nicht, nur die Schule sollte abgeschlossen sein. Die Freiwilligen erhalten Verpflegungs- und Taschengeld sowie Zuschüsse zur Unterbringung, damit sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. "Wir merken schon", bestätigt Eva Wissing, "dass die Freiwilligen ein Jahr lang keine Geldsorgen haben und sich in Ruhe in den verschiedenen Gewerken wie in Lehm, Holz, Stein, Glas und Metall umschauen können. Da am Ende des Jahres auch kein Prüfungstress ansteht, sind sie offen und saugen das Neue wie ein Schwamm auf."
Als kompetenten pädagogischen Partner für die Jugendbauhütten wurden die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste e. V. (ijgd) gewonnen. Ihre Mitarbeiter leiten die Jugendbauhütten vor Ort, organisieren das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege und betreuen die Jugendlichen. In den fachlichen Bereichen arbeiten sie eng mit verschiedenen Weiterbildungseinrichtungen des Handwerks zusammen.
1999 startete in Sachsen-Anhalt mit der Jugendbauhütte Quedlinburg das mit Spannung verfolgte Pilotprojekt. Unter der Leitung von Silke Strauch vom ijgd verlief das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege dort so erfolgreich, dass im Jahr 2001 die Jugendbauhütten in Duisburg/Raesfeld, Wismar und im hessischen Romrod gegründet wurden.
Die Jugendbauhütten fanden bei allen Beteiligten solchen Anklang, dass ab September 2003 Stralsund/Szczecin, Görlitz, Mühlhausen (Thüringen) und Brandenburg/Berlin folgten. Insgesamt haben bisher 600 junge Menschen eine Jugendbauhütte besucht.
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