Eine Gondelfahrt als Welterbe, aufgenommen in die Liste der UNESCO, gibt es das? Ungewöhnlich, aber so geschehen am 24. Juni dieses Jahres in Dresden. Der Direktor des Welterbezentrums der UNESCO, Francesco Bandarin, war höchstpersönlich aus Paris nach Dresden gekommen und überreichte die Urkunde. Ein Jahr zuvor hatte im fernen China das Welterbekomitee zusammengesessen und befunden, dass die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal einen "außergewöhnlichen und universellen Wert" besitze und sie in die Kategorie der "sich weiter entwickelnden Kulturlandschaften" aufgenommen. "Die außergewöhnlich qualitätvolle und umsichtige Entwicklung und Gestaltung eines Stadtraumes" sollte gewürdigt werden, die "in rücksichtsvoller Bezugnahme auf eine wertvolle Flusslandschaft - und dies kontinuierlich über Jahrhunderte hinweg" geschehen sei.
"Wo man von Schönheit trunken wird"
Das Dresdner Elbtal - eine Flusslandschaft als Welterbe
Nun sind dies staubtrockene, bürokratische Worte für eine Landschaft, die das pure Gegenteil kategorisierter Nüchternheit darstellt. Worte, die eigentlich einen harmonischen Wohlklang aus Stadt und Natur, wunderbare An- und Aussichten, eine leichte und bewegte, aber doch auch ruhige Stimmung meinen. Und eben die bezaubernde Idee einer Gondelfahrt in sich tragen.
Wie man so schön sagt, ist das Elbtal von Söbrigen bis Übigau mit der Aufnahme in die Welterbeliste geadelt worden. In diesem Fall passt der Ausdruck perfekt. Denn wie bei fast allem in und um Dresden hat auch hierbei August der Starke, von 1694 bis 1733 Kurfürst von Sachsen, ab 1697 auch König von Polen, das Fundament gelegt.
Er hatte von einer Kavaliersreise aus Italien die Idee mitgebracht, aus der Elbe einen sächsischen Canal Grande zu machen. Mit barockem Pomp wollte er auf dem Fluss Gondelfahrten zelebrieren. Schließlich hatte er einen Ruf zu verteidigen, galt er im Europa des beginnenden 18. Jahrhunderts doch als ein Großmeister der prunkvollen Inszenierungen. Legendär die prachtvolle Kunst seiner beschwingten Barockmetropole, legendär auch die nicht enden wollenden Feste in der Residenzstadt. Zu denen sollten sich nun als neue Attraktion bombastisch aufgemachte Schiffsparaden gesellen. Für die wollte er die Gegebenheiten des lieblichen Elbtals um Dresden nutzen und dabei - nach venezianischem Vorbild - seine architektonischen Schätze präsentieren.
Die Hinterlassenschaften dieser barocken Vergnügungen sind nun, gut 250 Jahre später, von der UNESCO gewürdigt worden. In den Welterbestatus wurde nämlich der Bereich aufgenommen, den man auf der augusteischen Schifffahrtsroute von Bord aus sehen konnte. Insgesamt sind das über 19 Quadratkilometer.
In Schloss Übigau im Westen der Stadt geht die höfische Gesellschaft, die August der Starke auf seine Boote geladen hat, zu Schiff. Hier startet das Spektakel. Es bleibt der Fantasie jedes Einzelnen überlassen, sich das aufwendige Begleitprogramm der Wasserfeste auszumalen. Vorbei geht es elbaufwärts an der Silhouette Dresdens mit Schloss und Hofkirche, dem Zwinger und der Brühlschen Terrasse, dann durch die sanfte Flusslandschaft. Wiesen und Hänge im satten Grün, zeitweilig steil ansteigend, rahmen die Festgesellschaft auf den Schiffen.
Kleine Kirchen in Pastelltönen bilden bunte Tupfer in der Natur, manche am Berg gelegen, andere direkt am Ufer stehend. Zum Teil sind die Hügel auf der Nordseite des Flusses mit Wein bepflanzt, die geraden Reihen der Reben geben dem barocken Auge ein wenig das befriedigende Gefühl von bezwungener Natur. Und von der kommt nach fast zwanzig Flusskilometern am Endpunkt der historischen Schifffahrt mehr als genug: Die grandiose Schlossanlage von Pillnitz am Nordufer kündigt sich mit einem durchkomponierten Park an. Die Hauptachse begleitet parallel das Ufer, bis sie im Schlosshof in einen Lustgarten mit kunstvollen Parterre-Beeten mündet. "Indianische Lustgebäude" wünschte sich der sächsische Kurfürst für das ländliche Sommervergnügen, und die Chinoiserien, verbunden mit den warmen Farben der Gebäude, vermitteln gekonnt eine vollendete Heiterkeit. Eine breite Freitreppe vor dem Wasserpalais führt vom Fluss auf das Niveau der Schlossanlage, die höfische Feiergesellschaft hat das Ziel ihrer Reise erreicht und entsteigt ihren Gondeln.
August selbst hatte die Schlossanlage um 1720 auf Zeichnungen entworfen. Sie wurde allerdings von seinem Hofarchitekten Matthäus Daniel Pöppelmann behutsam in einen realisierbaren Rahmen korrigiert. Geschadet hat das, wie man am Ergebnis sieht, nicht. Ein zentraler Schlossbau wird umgeben von zwei Palais, einer Menagerie und einem großen Garten mit Orangerie. Ihren besonderen Charakter erhalten die Pillnitzer Schlossgebäude durch die orientalisierenden Formen. Nicht unbedingt neu als Bauidee in jener Zeit, aber perfekt wie kaum woanders ausgeführt. Jede Nichtigkeit wird zum Anlass genommen, die Gondolieri Kurs auf Pillnitz nehmen zu lassen. Jagd-, Jahrmarkt-, Schützen-, Schäfer-, Bauern-, Kriegs-, Tier- oder Karnevalsmaskeraden müssen als Gründe für die immer häufigeren "Campements" vor Ort herhalten.
Selbst preußische Könige lassen sich zu begeisterten Sätzen über das Elbtal hinreißen: Als Friedrich Wilhelm II. 1791 zu einem Besuch in Pillnitz eintrifft, ruft er aus: "Wohin man blickt, wird man von Schönheit trunken!"
Und das wahrhaft Schöne ist: In dieser Harmonie lässt sich das Elbtal auch heute noch erleben. Natürlich hat sich einiges seit Augusts Zeiten verändert: Die kleinen Weiler am Ufer - zum Teil noch immer dörflichen Charakters - sind mittlerweile Teil der Großstadt Dresden geworden. Denn der gesamte Bereich des Welterbes Dresdner Elbtal liegt trotz seiner Größe auf Stadtgebiet. In den östlichen Vororten auf Altstädter Seite errichtete man in der Gründerzeit Villa an Villa, hier wurden Dörfer zu vornehmen Wohngebieten.













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