Monumente Online

Ausgabe: Juli 2005

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Geschichte hautnah: Wohnen im Baudenkmal

(c) ML PREISS Leitartikel

Wohnen in Pirnas Altstadt

Die zweifache Wiedergeburt eines Barockhauses

Drei Zahlen beschreiben das Problem: Lebten in Pirnas Altstadt 1984 noch rund 2.200 Einwohner, so sank die Zahl bis 1988/89 auf 790. Heute sind es 1.400, die in die gerade einmal zwei Fußballfelder große Altstadt zurückgekehrt sind. Mögen die Zahlen auch noch steigen, sie belegen die Schwierigkeiten, eine alte Stadt nach jahrzehntelanger Vernachlässigung wieder mit neuem Leben zu erfüllen. Die mittelalterliche Bausubstanz - 1465 wurde hier der Ablassprediger Johannes Tetzel geboren - war nach vierzig Jahren Sozialismus so geschwächt, um nicht zu sagen ruiniert, dass gegen Ende der DDR sogar Abrisspläne für die Altstadt existierten. Pirnaer Bürger machten dagegen Front und gründeten in der Stadt eine Bürgerinitiative.

marktplatz (c) F. Füssel
© F. Füssel
Am 15. August 2002 hatte das Elbhochwasser auch den Marktplatz von Pirna erreicht. Großbildansicht

Mögen seitdem auch anderthalb Jahrzehnte ins Land gegangen sein, die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt, genauer der Altstadt, geht nur schleppend voran. Das gilt auch dann, wenn die Arbeitslosenzahlen mit 17,5 Prozent im Bereich Pirna für sächsische Verhältnisse noch relativ gering sind. Die Aufbruchstimmung war jedenfalls Mitte der neunziger Jahre, als ich zusammen mit meiner Familie wider alle wirtschaftliche Vernunft an die Sanierung des Barockhauses Lange Straße 10 herangingen, stärker ausgeprägt als heute. Mag das nahe Dresden auch auf Pirna ausstrahlen, die Grenzen der wirtschaftlichen Entwicklung sind überall sichtbar. Von Aufschwung kann keine Rede sein, was wiederum nicht gerade zu Investitionen in der Altstadt einlädt.

barockhaus (c) ML PREISS
© ML PREISS
Um 1720 wurde das spätgotische Bürgerhaus in der Pirnaer Lange Straße 10 in Stil des Barock umgestaltet. Großbildansicht

Das hat mit zur Folge, dass wegen der geringen Kaufkraft Gewerberäume leer stehen und damit die Rentabilität der Häuser in der Altstadt gemindert ist. In unserem Fall heißt das, dass von fünf Gewerberäumen drei seit Jahr und Tag zur Vermietung anstehen, dass, da die Kosten für die Sanierung des Hauses in Hypotheken festgeschrieben sind, das ganze Unternehmen für uns ein Zuschussbetrieb ist. Dass dem so ist, hat auch mit der Jahrhundertflut am 17. und 18. August 2002 zu tun, als das Wasser bei uns im Haus 2,40 Meter hoch stand. Der dadurch verursachte und anerkannte Schaden belief sich auf ca. 260.000 Euro. Er konnte nur behoben werden, da die öffentliche Hand, tatkräftig vertreten durch die Sächsische Aufbaubank, 80 Prozent der Kosten übernahm.

Das mag auf den ersten Blick eindrucksvoll erscheinen (und ist es auch): Für die Eigentümer bleiben die verminderten Mieteinnahmen das eigentliche Problem, neben dem Eigenanteil in Höhe von 20 Prozent, die sie für die Beseitigung der Flutschäden aufbringen mussten. Das waren harte Zeiten, die nur durch Aufbietung aller Kräfte, auch durch Einschränkungen, zu meistern waren. Auch mussten einige Anstrengungen unternommen werden, um bei einem zunehmenden Angebot gut sanierter Wohnungen in der Altstadt genügend Mieter für insgesamt zwölf Wohnungen zu finden.

Dies geschah zum Beispiel durch den Anbau von sieben Balkonen an das denkmalgeschützte Haus, wobei das Pirnaer Denkmal- und Sanierungsamt eigene Bedenken zurückstellte. Oder durch den Austausch der bei der ersten Sanierung verlegten Teppich- durch Holzfußböden.

Das und manches andere mehr kostete weitere Mittel, die nicht durch Mieteinnahmen gedeckt waren. Dankenswerterweise übernahm die Deutsche Bahn AG die Kosten für den Einbau von Lärmschutzfenstern, was zu einer - das Haus liegt nicht nur an der Elbe, sondern auch an der immer stärker befahrenen Bahnstrecke Dresden-Prag - wesentlichen Verbesserung der Mietsituation führte.

Artikel zum Thema
Streiflichter
Newsletter

Einfach und bequem

Lassen Sie sich per E-Mail informieren, wenn eine neue Ausgabe von Monumente Online erscheint.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz