Worauf kommt es bei der Nutzung eines alten Gebäudes an?
Am Anfang aller Überlegungen steht für den Denkmalpfleger die Frage nach der "Verträglichkeit" der Nutzung. In Krakau lernte ich 1973 von meinen polnischen Kollegen diesen Begriff kennen, der den Kern des Problems bei der Umnutzung von Baudenkmalen trifft. Leider werden den historischen Bauten Nutzungen häufig übergestülpt und die Bausubstanz den gewählten Funktionen gewaltsam angepasst, wodurch viel Erhaltenswertes zerstört wird. Richtiger ist es zu prüfen, welche Art von Verwendungszweck dem Ziel der Erhaltung des Baudenkmals am besten dient. Dabei darf natürlich die wirtschaftliche Seite nicht zu kurz kommen, denn Architektur muss grundsätzlich so genutzt werden, dass die Erträge zur laufenden baulichen Unterhaltung ausreichen - anderenfalls beginnt erneut der Verfall, der mit hohen Kosten und größerem Substanzverlust bezahlt werden muss. Zu den größten Irrtümern gehört nämlich, dass bei durchgreifend sanierten Bauten lange Zeit keine Baupflegearbeiten anstünden. Dieser Fehlschluss führt häufig auch zu übergründlichem Vorgehen. Die falsche Zielsetzung ist vor allem bei Bauten im öffentlichen Besitz verwirklicht worden. Hölzerne Balkendecken wurden durch solche aus Beton ersetzt oder ganze Dachstühle ausgewechselt, nur weil einige Sparren am Auflager abgefault waren. Bei Fachwerkwänden wurden die Lehmstakungen durch Ausfachungen mit großformatigen Betonsteinen ausgewechselt oder insgesamt mit massiven Mauern hinterfangen, wodurch nicht nur die originale historische Bausubstanz stark reduziert und hohe Baukosten produziert, sondern es auch zu neuen bauphysikalischen Schäden gekommen ist. Behutsames Vorgehen unter weitgehender Schonung des Vorhandenen ist sowohl der Wirtschaftlichkeit wegen als auch aus Sicht der Denkmalpflege dringend anzuraten. Aus diesen Gründen sind private Hauseigentümer und in der Denkmalpflege erfahrene Architekten und ebensolche Handwerker besonders willkommene Partner für die Denkmalpflege.
Ist es vertretbar, ein Denkmal zu entkernen, wenn es sonst abgerissen würde, weil sich kein Nutzer findet?
Der Denkmalwert wird entscheidend gemindert, wenn nur noch die nackte Raumhülle existiert. Geht der Innenraum durch Einziehen von Zwischenwänden oder Zwischendecken verloren, bleiben nur noch die Außenarchitektur und die städtebauliche Stellung, zum Beispiel eines Bürgerhauses oder einer Kirche im Ortsbild, als letzte Alternative zum endgültigen Verlust. Wo sich noch keine sinnvollen Umnutzungen für Baudenkmale aufgetan haben, sollte man provisorische Lösungen anstreben. Lässt auch der Wohlstand für breite Bevölkerungsschichten in den östlichen Bundesländern noch auf sich warten, werden Kirchen, Schlösser, Gutshäuser und Industriedenkmale eines Tages nicht mehr allein als finanzielle Belastung empfunden werden. Man muss nicht alle aus einem Jahrhundert der Kriege, der Wirtschaftskrisen und der Teilung herrührenden Probleme in einer Generation lösen wollen - darf aber auch nicht zulassen, dass unersetzliche Denkmale der Kunst und Geschichte geopfert werden.
Wie man ein altes Wohnhaus heute nutzt, kann man sich leicht vorstellen. Welche Möglichkeiten gibt es aber für Schlösser und Burgen?
Häufigste Vorschläge für eine neue Nutzung alter Herrenhäuser sind: Hotel oder Museum. Dabei wird vergessen, dass es zum einen schon viele Hotels gibt, zum anderen die Lage in der Region und zu den Autobahnanschlüssen und den Bahnstationen ganz entscheidend ist. Nur bei einer durchschnittlichen Belegung von mehr als 60% kann ein Hotel gewinnbringend geführt werden. Zu bedenken ist auch, dass der Ausbau zu einem Schlosshotel oft stärkste Eingriffe in die Bausubstanz erfordert - man denke nur an Fahrstühle und die vielen Bäder und Heizungen der Gästezimmer. Dazu kommen die besonders hohen Anforderungen der Bauaufsicht an Brandsicherheit, Fluchtwege über rauchsichere Treppenhäuser oder maximal zulässige Belastungen von Balkendecken. Vor allem aber erlaubt nicht jedes Schloss oder Gutshaus eine Umwandlung zum Hotel, denn diese hängt wesentlich vom historischen Grundriss ab. Daher fordert jedes Schloss eine individuelle und einfühlsame Lösung. Manchmal kommt nur eine repräsentative Nutzung für Empfänge, Festessen, Hochzeiten, kleinere Tagungen oder als Museum in Frage. Bei jeder Art von kultureller Nutzung muss man bedenken, dass sie Personal- und Sachkosten zur Folge hat, die kaum aus den Einnahmen aufgebracht werden können. Es handelt sich fast immer um Zuschussunternehmen, vor allem, wenn man die Kosten der laufenden Bauunterhaltung einrechnet.












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